Aufzeichnungen England, September 2007 – 7.9. 2008, in deutscher Sprache

18. September 2007

Es ist endlich so weit!

Ich betrete englischen Boden, als Einwanderer!

Ich bringe meine vier Hasen mit!

Ich werde deshalb eine Stunde lang am Zoll in Newhaven (Fähre von Dieppe) gefilzt! „Thank you for the warm welcome to this country!“ sind deshalb auch eine meine ersten Worte als neuer Bewohner Englands. Ein Zeichen?

Der Weg zum Taxischein in Brighton: „hold on to your butts“, oder: „Victorianische Härte“

Zuallererst Wohnsitz in England / GB-Führerschein (UK-driver’s licence), (der EG-Führerschein wird einbehalten (!)) / „Taxi-Test“: Praktische Fahrprüfung bei der DSA (Driving Standards Agency) zum Nachweis professioneller Fahrfähigkeiten (plus Rollstuhlfahrzeugtest). // „First appointment“ (Erstantragstermin) mit u.a Nachweis Taxi-Test, ausgefülltem Antragen für: Criminal Records Bureau („polizeiliches Führungszeugnis“ – Auskunftsantrag für die Zeit die man schon Wohnsitz in England hat), DVLA-Auskunftsantrag („Flensburg“), Bescheinigung Hausarzt / Eintägiger Kurs in „Disabilities and Equalities Awareness“ (Umgang mit Behinderten), eintägiger Kurs „Customer Care“ (Umgang mit Fahrgästen) plus Sprachtest (ESOL, level 2), zwei Zeugen für „charakterliche Eignung“ // Theoretischer Test (mündlich!!) mit 100 Straßen (!) zu denen man jeweils Anfang und Ende wissen muss, 20 Fragen zu Sehenswürdigkeiten/Behörden, 10 Fragen zu Geographie/Bezirken, 10 Fragen zu Beförderungsbedingungen // Praktischer Test (!!): Ein Prüfer muss zu 15 verschiedenen Zielen gefahren werden, (kürzester Weg, Verkehrsregeln (!))

Die ersten Tage verbringe ich in einem Hotel, bis ich dann etwas finde, als Lodger in Worthing. Mein Zimmer dort ist unter dem Dach und nur über eine Art Hühnerleiter zu erreichen, (ich habe einen gebrauchten Fernseher gekauft und muss den gegen einen anderen umtauschen, weil er nicht hinauf gepasst hätte!). Küche, Bad, Garten sind mit zu benutzen.

So komme ich also in dieses, jenes Haus, was ich im Folgenden noch oft verfluchen sollte! Mutter war alleinerziehend, zwei erwachsene Kinder, die eigentlich schon lange nicht mehr hier wohnen, aber trotzdem noch ständig herum hängen, die Tochter ist okay, aber der Sohn hat gerade eine frische Scheidung anhängen und ist völlig neben der Kappe, er versteht sich auch überhaupt nicht mit seiner Mutter, die ja auch ausgesprochen schwierig ist! Sie arbeitet als Rechtsanwaltssekretärin, ist aber eine ausgebildete Psychotherapeutin – sie ist eigentlich ihr eigener Analytiker sowie auch ihr eigener Patient!! Sie ist sehr widersprüchlich, einerseits sehr chaotisch (an einer Bushaltestelle aus dem haltenden Bus hat sie mir Mietvertrag und Schlüssel gegeben, hatte auch Jahre alte Vorräte mit furchtbar vielen Mehlmotten drin) und andererseits furchtbar pingelig, alles muss immer sauber sein. Das war so mein erster Eindruck.

Es sollte viel schlimmer kommen.

Probleme, unnötige Diskussionen, Vorteil ist nur, dass ich mich auf Englisch mit ihr streite. Es sieht so aus, als ob sie wohl etwas von mir will, aber es läuft alles irgendwie in die falsche Richtung, sie will irgendwie Kontrolle über mich haben und wenn sie mich herumkommandiert wie es im Haus zu sein hat ist es das Eine, ich mache eben alles genauso wie sie es will (!!!), aber privat funktioniert das nicht. Mit der Tochter verstehe ich mich ganz gut, sie ist auch recht hübsch, da wird sie schon eifersüchtig!

Worthing ist ganz okay, es ist viel ruhiger als Brighton, (leider aber viel alte Leute hier und wenig hübsche Mädchen, die sind alle in Brighton), es hat sogar einen Streifen Watt, auf dem man laufen kann, denn leider führt in Brighton eine vierspurige Straße am Meer entlang und der Strand ist Kiesstrand, unmöglich da lang zu laufen.

Ich verfolge die Strategie alles aufs Mal zu machen, die Bürokratie für den Taxischein anzugehen, Jobsuche, aber auch Sozialleistungen zu beantragen und natürlich weiter Englisch, aber vor Allem unendlich viel Brightons Straßen zu lernen. Den Stadtplan muss ich 100% auswendig können, ich fahre oft nach Brighton und schaue mir alles an. Die englische Bürokratie ist keineswegs weniger als die deutsche, nur nicht so effizient, ich verbringe sehr viel Zeit mit Arbeitsamt und Wohngeld, bis ich ja dann erfuhr, dass ich Letzteres gar nicht darf, meine Vermieterin müsste sonst höhere Steuern zahlen.

Englisches Bankkonto, englisches Handy, die „national insurance number“ den europäischen Führerschein abgegeben und einen englischen beantragt…

Ich sehe etwas über einen Stadtteil von Brighton, Whitehawk, im Fernsehen, absolutes Problemgebiet, wo man mit dem Taxi nicht hinfahren sollte, toll!

Die Jobsituation für Taxifahrer in Brighton ist sehr gut, (war es damals zumindest). Der Tarif ist hoch, es wird aber nicht gehandelt, sondern gezahlt, man bekommt gute Prozente, man sieht am Bahnhof keine Taxis warten, sondern Fahrgäste und es werden immer Fahrer gesucht!

Die Engländer sind sehr höflich, auf der einen Seite, vorne rum, aber hinten rum echt aggressiv. Ihre Höflichkeit zeigt sich natürlich zunächst im Schlange stehen, wofür die Engländer ja berühmt sind, zum Beispiel hatte ich mal nach DVD geschaut, die vor einer Kasse aus lagen (es hat viele Unterschiede an den Kassen im Vergleich zu hier, man ist viel höflicher und lässt einem wesentlich mehr Zeit), niemand traute sich an mir vorbei, die Kassiererin musste jeden extra dafür auffordern! In Deutschland undenkbar, sie wären einfach an mir vorbei, „der wird schon was sagen“. Sie halten einem sogar die zweite Türe auf, wenn man sich beim ersten Türe aufmachen dafür bedankt hat – dafür rasen die Autofahrer aber zum Beispiel alle hier und für Fußgänger wird überhaupt nichts getan, deswegen tragen alle Schulklassen hier Sicherheitswesten, wenn sie gemeinsam auf der Straße unterwegs sind. Beim zuständigen Amt für die Strafzettel hat es immer eine Schlange bis auf die Straße hinaus.

„I’m afraid“, sagt man immer hier, „I’m afraid, the room has already gone“, (das Zimmer ist schon vergeben) wenn man einfach nur Angst hat einem eine schlechte Nachricht zu übermitteln. Man sollte eigentlich besser sagen, „I’m sorry to tell you the room has already gone.“

Die Banken haben einen sehr schlechten Ruf hier. Ich habe es ein paar Mal vergeblich versucht ein Konto zu eröffnen, als ich noch im Hotel gewohnt habe, sie machten es nicht. Nun haben sie mir nur ein Konto mit begrenzten Optionen gegeben, aber mir dann Wunder was für Prospekte geschickt. Als ich nachfragte, warum ich nicht mein Handy aufladen konnte, haben sie aber erst alles Mögliche versucht und den Fehler bei sich gesucht, anstatt mir gleich zu sagen, wir haben Ihnen doch gesagt es geht nicht, hauen Sie also ab, so haben sie ihre und meine Zeit verschwendet.

Die englischen Polizeisirenen klingen wie die amerikanischen, es hat überall CCTV-Kameras, in diesem Land herrscht eine Sicherheitsmanie und Misstrauen sondergleichen, außerdem ist man furchtbar pingelig, zum Beispiel Durchsagen am Bahnhof, man soll Auffälligkeiten sofort melden und kein Gepäck liegen lassen, (im Zug nerven sie einen mit ständigen Ansagen, ewigen Wiederholungen aller Haltestellen und wo man in welchem Abteil sitzt) In Freiburg auf dem Arbeitsamt hat es einem Wachmann, in Brighton, eine Stadt von vergleichbarer Größe, vielleicht fünfzig, alleine am Eingang stehen schon vier, außen zwei und innen zwei und wollen gleich von einem Papiere sehen und was man hier will. Gruselig!

In allen Schwimmbädern hier hat es Fotografierverbot, (hat es soviel schlechte Männer hier oder ist das Land ein wenig prüde?) es gibt auch nicht so viele Busenmagazine zu sehen in den Kiosken (und wenn dann sind sie immer mit Aufklebern darüber.)

Ich habe zwei Tage in einer Styroporfabrik gearbeitet, über eine Zeitarbeitsfirma, leider aber wie ein Pferd schuften müssen, so dass ich Probleme mit einer Strecksehne bekommen habe.

Das deutsche Satiremagazin Titanic hat einen Artikel über Maddie gebracht, (der ganz übel hier ankam, die Engländer sind sehr empfindlich, wenn sie von Ausländern, insbesondere Deutsche kritisiert werden) und auch über den „Fuckingham“palace. Ich sehe ein Interview mit dem Chefredakteur des Blatts im englischem Fernsehen und schreibe ihm einen Brief.

November 2007

Am Rememberance Day wird den Toten der Kriege gedacht, d.h. den armen englischen Toten und den bösen Deutschen, die sie alle umgebracht haben, so sind die hier halt drauf. Ich habe noch nie so viele Menschen gesehen, die an einem Gedenktag so viele Abzeichen tragen, eigentlich jeder dritte Engländer trägt dann einen „Poppy“, also eine rote Mohnblume aus Plastik am Revers, das führt sogar soweit, dass Leute sich einen Poppy über den Stern ihres Mercedes machen, wie als ob sie sich an einem solchen Tag schämen ein deutsches Auto zu fahren. (An allen anderen protzen sie gerne damit.) Ich habe mir sagen lassen, das Leute, die nicht nationalistisch, sondern global friedensdenkend sind, einen weißen Poppy tragen.

Wir feiern meinen Geburtstag, Ann, Rachael und ich. Ich kriege eine Karte geschenkt, „don’t drink too much or your willie might fall off“ (trink nicht zu viel, sonst fällt dir der Lümmel ab) und darunter in verschwommener Schrift, „I hope that’s a cocktail sausage down there lying on the floor“. (Ich hoffe, das ist nur ein Würstchen, was da auf dem Boden liegt.) Ich muss übersetzen, was heißt auf Deutsch „cock, cunt, wanker“…? Ich übersetze, werde etwas verlegen.

In England kann man immer Feuerwerkskörper knallen lassen, wenn man will, es gibt keine Einschränkung wie bei uns. Am Guy Folk’s Day hat es eine Woche vorher jeden Abend Knallerei und eine Woche lang danach. Aber an Silvester ist es dann verhältnismäßig ruhig im Vergleich zu uns.

Dezember 2007

Das mit Ann wird schwierig bleiben, solange bis ich eben ausziehe, was ich auf die Zeit geplant habe, die ich dann einen Monat gefahren habe. (Gott, mein Deutsch wird nicht besser hier. Mein Englisch aber auch nicht, das einzige was ich hier lerne sind Straßen. Und was für ein „little shit“ ich doch bin) Zuerst hatten wir zwei Tage lang Krach, ich nannte sie einen „fucking dictator“ und eine „shit-mother“, während sie mir aber die ganze Schuld gab, dann aber umarmte sie mich ziemlich lang und gab mir einen Kuss auf die Backe, während ich eigentlich schon die Kündigung aussprechen wollte. (Wir kuscheln auch immer so ein wenig auf dem Sofa, beim Fernsehen. Ihre Kinder sehen uns schon zusammen, hätten wohl auch nichts dagegen.) Das Problem ist, dass ich ihr alles von mir erzähle, was sie dann aber dazu ausnutzt als Waffe gegen mich zu verwenden, während sie mir das, was sie über sich erzählte, überhaupt nicht mehr aufgetischt bekommen will, das sei alles viel zu schmerzhaft. Und so sehr sie sich untereinander bekriegen, sie halten trotzdem alle zusammen. Und außerdem sind sie Engländer und es steht einem Deutschen nicht zu irgendetwas hier zu kritisieren und sei es noch zu bescheuert! Gestern war ich ein „old fucking bastard“, eigentlich eher schon zärtlich gemeint und heute aber ein „intolerant fucking bastard“, das zischte sie mir heute morgen wütend zu. Ob es nun zu einer Beziehung kommt zwischen uns oder nicht, ich bin da draußen, sobald ich nur kann!

Ich habe noch nie in meinem Leben so viel für eine einzelne Sache gelernt wie für den Taxischein hier, selbst der Anatomieschein damals war da nichts dagegen, denn das Schwierige dabei ist, dass sich die Straßen nicht miteinander verknüpfen lassen und dazu muss man die Struktur im Kopf haben und die Namen und die klingen alle überdies zum Verwechseln ähnlich.

Vor kurzem rief ich mitten aus dem Straßen lernen beim Taxler office an und es raunzte mich einer an „What? Can’t hear you, you’ve got to speak English, mate!“ Bin jetzt drei Monate hier und das Land geht mir schon auf den Sack!!! Das Wahrzeichen Englands ist die Bulldogge, wie ich eigentlich mehr durch Zufall herausgefunden habe. Ich sah einen Aufkleber auf einem Van und dachte zuerst, dass sei ironisch gemeint. Charme, das ist es eben was hier fehlt, wenn man sich wie eine englische Bulldogge verhält, kriegt man das auch so zurück, ich möchte hier Zeichen setzen! Wer Taxi mit CCTV ausgerüstet fährt, kriegt keine sich ungezwungen gebenden Fahrgäste, die auch schon mal aus dem Nähkästchen plaudern. Ich kann Mittler zwischen Deutschland und England sein, gebe nach Deutschland zurück, dass Taxi fahren ein Beruf und nicht nur ein Job sein kann, den man macht, weil man halt nichts anderes kriegt, und ich werde nach England geben, dass die Leute richtig auftauen, wenn sie sich vorne zu einem setzen und jede Fahrt eine einmalige positive Begegnung sein kann, zwischen Menschen, die man nach auch nach Jahren noch nicht vergisst. Eigentlich ein schönes Gefühl, dass mich meine Fahrgäste noch lange in Erinnerung behalten werden, die vielen Tausenden, denen ich von meinen Büchern erzählt habe, nicht nur die vielen Hundert, die ein Buch gekauft haben.

Wir feiern Weihnachten. Heiligabend wird hier nicht gar nicht gefeiert, der erste richtige Weihnachtstag ist der 25te, Christmas Day. Jeder setzt sich zum Essen einen komischen Hut, eine Art Krone aus goldfarbenem Papier, auf. Komischer Gebrauch.

Es hat hier Holz über zehn Kilometer lang über Nacht an den Strand gespült, aus einem Schiffsuntergang, ein Frachter, der Holzbretter geladen hatte. Es wird Monate dauern bis alles wieder weg ist! Die Zeitungen haben zum Thema, dass der Strand abgesperrt wird, um die Leute fernzuhalten, während man doch im Krieg auch alle angepackt haben um den Schutt der zerbombten Häuser wieder abzutragen. „That old bull-dog fighting spirit“ wird vermisst!

Januar 2007

Nun ist mir so langsam klar, ich wohne in einem Irrenhaus!

Ich fasse zusammen: Ann, die Mutter. Sie ist eine Exprostituierte („working-girl“), wie es ihr versehentlich heraus rutschte, (kaum ausgesprochen, tat es ihr Leid, weil ich nun etwas gegen sie in der Hand habe), und hat eine Ausbildung zu „psychodynamics“ an der Uni Brighton gemacht. Tochter, Rachael, sie macht eine Ausbildung zur Krankenschwester, kann aber vermutlich auch ein halbes Jahr einschlägig gearbeitet haben. Luke, der „Huren“sohn ist drogensüchtig, „yet doesn’t inject“. Alle aber zusammen sind sie fernsehsüchtig, haben allesamt definitiv eine Macke weg. Mein Eindruck ist, Ann hat das alles kein bisschen verarbeitet und hat die Psychoschiene, (wie die Hälfte aller die das tun), gewählt um sich zu rechtfertigen, sie ist noch nicht mal in dem Stadium, dass sie ihre Schuld anerkennt. Ihre Beziehung zu mir ist nach wie vor, dass sie mich versucht zu kontrollieren und zu beherrschen, neuste Waffe ist mein Interesse an ihr, was aber ehrlich gesagt nur ein Versuch war sie „zu befrieden, indem ich sie befriedige“, niemals war mein Interesse echt an ihr, stets ging alles von ihr aus, aber nun wirft sie mir seit Neustem vor, ich hätte Avancen gemacht, während ich immer den Eindruck hatte, das wäre von ihr ausgegangen. Krank.

Ich verfluche den Tag, an dem ich einzog, zumal ich zwar keine Zusage, aber ein Angebot von einer schwarzen Schriftstellerin und Illustratorin hatte, die ihr Haus mit kreativen Leuten auffüllen wollte. Nun zähle ich die Tage bis ich Taxi fahren und ausziehen kann.

Fährt mich der Sohn gestern an, (er hat mir etwas zu essen angeboten, weil er auch mal was von mir bekam und ich aß ein Sechstel und er meinte aber irrtümlich, ich hätte ein Drittel gegessen), „I didn’t mean all of it, you fucker!!“ Gaga, einfach gaga.

Ich habe mich gestern mit einem Kollegen, der sehr nett zu sein scheint, in einer Kneipe getroffen und unterhalten, der seit einem halben Jahr fährt. Er sagte noch mal man kann gutes Geld verdienen und Fahrer werden immer gesucht. Warum? Pack mal diesen Schein, er sagte auch noch, er sei zweimal durch die Driving Standards Agency Test durchgefallen! Hörte sogar von einem, der viermal durchgefallen ist. Da fährt man dreißig Jahre unfallfrei, vielleicht eine Million Kilometer und muss wieder wie in der Fahrschule fahren, Blinker setzen, Hand vom Schwanz (beide Hände am Lenkrad), Spiegel kucken… Da rasen die mit Siebzig durch die engen Straßen hier und statt überall Tempo 30 einzuführen setzt sich eine Mafia namens DSA fest, die von Prüflingenabzocken lebt! Dieses Scheißland hier!!! Ich krieg so einen Hass hier so langsam!

 

Ich hab jetzt alle Straßen, die 1500 wichtigsten, auf Kartei zettel geschrieben und gehe sie jeden Tag durch, ich habe zwar den Stadtplan tatsächlich so weit im Kopf, dass ich wie eine Fotokopie durch ihn hindurch fahren kann, aber man braucht ja auch noch das Register im Kopf!!!

Morgen habe ich Customer-Care-Course und eine anschließende Sprachprüfung, ESOL, aber ich glaube, das ist Routine für mich. An diesem Tag buche ich den ersten ernsten Test, den „theory test“, hundert Straßen, zehn „places of interest“, zehn „geographical questions“ (80 % davon richtig), und zehn Fragen zu „conduct (of the driver)“, für in zwei Wochen.

Vor zwei Tagen hat mich Ann endlich so weit provoziert, dass ich sie das erste Mal aus vollem Hals angeschrien habe: „Fuck off, you fucking bitch!!!!“ Und ihr zudem den Finger gezeigt habe. Aber so wie sie ist, wird sie das vielleicht sogar beeindrucken, vielleicht mehr als meine Argumente und schließlich ist sie es ja gewohnt Männer soweit zu provozieren, dass sie sie schlagen, so hat sie mir es schließlich erzählt, ihre Schizophrenie erlaubt manchmal sogar so etwas wie Ehrlichkeit. Jetzt spricht sie erstmal kein Wort mehr mit mir, aber dass ist viel besser als diese endlosen Psychogespräche, nur weil sie keine Klienten hat, die nicht nach dem ersten Mal gleich nicht mehr wiederkommen.

Der Kurs war interessant, zwölf zukünftige Kollegen, aber nur eine Frau (die setzte sich natürlich gleich neben den schönsten Mann, also mich) die Hälfte Ausländer, Schwerpunkt Afghanistan, aber einen Deutschen hatten sie wohl noch nie. Der Sprachtest war ganz schön hart, kommt aber darauf an, wie schwer er bewertet wird, man erzählte uns nur wenig über wie sauber etwa das Auto sein soll, oder wie hilfsbereit man sein soll, sondern, England, es ging die ganze Zeit um Verbrechen und wie man sich schützen kann, sie empfahl uns, England, eine CCTV einbauen zu lassen, 500 £! Dann sollen wir die Leute hinten einsteigen lassen. Smokefree Britain, wenn man die Leute nicht aktiv im Taxi am Rauchen hindert, zahlt man bis zu 2500 £ Strafe!!! Am Besten gefiel mir der Satz „you will be ambassadors of Brighton“ und das will ich auch werden, Brighton ist nicht sauber oder höflich, sondern weltoffen, tolerant, Heimat für Künstler, weltberühmt und das bin ich bzw. will ich werden.

Also, wir haben uns geeinigt, Ann will das Haus verkaufen, weil ihr klar ist, dass sie nicht mit einem Untermieter klar kommt und sie gibt mir Zeit bis dahin etwas gefunden zu haben. Ich fange morgen mit der Suche an. Heute kam das Testergebnis vom Sprachtest, ich war ja zwanzig Minuten vor Ende als erster fertig, erwartungsgemäß bin ich am oberen Limit. Man freut sich über jedes kleines Erfolgserlebnis, obwohl das ja nichts Besonderes war, ich spreche, bzw. lerne Englisch seit 33 Jahren..

Der Sohn soll sich langsam entscheiden, zuerst war ich ein „fucker“ und jetzt bin ich ein „little prick“ (kleiner Schwanz), das passt gar nicht zusammen (obwohl, wenn er mitkriegt wie erst seine Mutter im Spaß sagt, wir würden heiraten und ich dann in Ungnade falle, vielleicht doch nur logisch?).

Jedenfalls, es hat keinen Wert, ich muss raus sobald es nur irgendwie geht, die Sache hält mich auch vom Lernen ab, es belastet mich einfach zu sehr, ich glaube nicht, dass sie jetzt, wo ich eh gehe, mich noch lange haben will, sie wird sich nicht mehr beherrschen wollen. Ich saß heute da und es ging einfach nicht mehr mit dem Lernen, die Straßen begannen vor meinen Augen zu verschwimmen, also habe ich den Prüfungstermin um zwei Wochen verschoben. Zudem war es ja auch so, dass ich bei einer „Knowledgeschool“ war und die mir keine Listen geben konnten, wo ich doch kalkuliert habe, ich kriege hundert „Places of Interest“ mit Straßen und lerne die in drei Tagen runter, aber sie geben mir keine und das Office gibt mir keine, weil sie sagen, die Schulen geben die raus, England eben, ganz normale Zustände.

Interessant war auch, dass einer kam, der vor zwanzig Jahren schon mal in Brighton Taxi gefahren ist und den Schein neu machen muss, dass der jetzt auch dort hinkommt und mit den anderen zusammen Straßen lernen will, ein Kindergarten irgendwie.

Heute war ich nochmal beim Arbeitsamt (es ging dort zu wie im Tollhaus), sie gaben mir einen Termin für Montag, dass ich nochmal genau nachfragen kann. Es kann natürlich sein, dass sie mit allem so weit hinten dran sind, dass es noch eine ganze Weile geht. Wie dem auch sei, es wird sich nur um höchstens 400£ Nachzahlung handeln, (da ich ja jetzt nicht mehr aktiv auf Job suche bin).

So, heute ist Montag, ich war dort… nun, ich glaube Arbeitsämter sind überall auf der Welt gleich, sie haben mir jetzt erzählt, dass beide Briefe an sie nicht aufzufinden sind! Sie sind aber bereit, dass ganze nachträglich zu machen, so dass ich also gute Chancen habe, wir werden weitersehen.

Ich brauche ein Auto für mindestens einen, besser aber mehrere Tage Fahrpraxis und Ortskunde in Brighton, und einmal für den DSA Test und einmal für den Route Test. Soll ich eins mieten? (Das mit Ann’s Auto kann man vergessen, ohnehin will sie alle Gefallen umgehend wieder zurückbekommen) Oder soll ich eins für 500 £ kaufen? Vorteil wäre, ich kann unbegrenzt Fahrpraxis sammeln, habe ein Auto zu den Terminen sicher, kann mich mit dem Auto besser vertraut machen und vor allem ich kann dann als Back-up Plan dann zur Not Pizza ausfahren (Fahrer mit eigenem Auto werden immer gesucht) und weiter Fahrpraxis und Ortskunde sammeln. Nachteil wäre es zu kaufen oder wieder verkaufen und zu versichern, versteuern, was nicht so billig wäre.

Ich habe schon mit einem Busfahrer gesprochen, dem sie ein Messer an die Kehle gesetzt haben als er früher Taxi fuhr, hier.

Ich ziehe morgen um, nach Hassocks (zehn Minuten nördlich von Brighton) und habe am Montag „disabilities and equalities awareness course“ und am Dienstag die erste ernste Prüfung. Es ist zwar befristet, für 2 Monate, aber das ist mir egal. Zuerst fand ich was, wo ein German couple einziehen würde, aber dann kippte die ganze Sache, war irgendwas ihnen dazwischen gekommen. Nachdem Ann sagte, meine Hasen seien für sie nur eine „fucking nuisance“, habe ich inseriert, ich will diesmal Leute, die meine Hasen wirklich wollen. Es hat wunderbar funktioniert, es gibt durchaus nicht nur Bulldoggen, sondern auch liebe Menschen hier, mein neuer Mitbewohner muss es ja wohl sein, denn er ist Buddhist! Ich sagte, es sei Schicksal (kommt immer gut an bei einem Buddhisten), denn schon im Mai damals habe ich ja bei einer Buddhistin gewohnt. Ich halt das hier kaum noch aus, zähle die Tage. Natürlich will sie jetzt die 350£ Kaution nicht rausrücken, weil ich angeblich den Vertrag gebrochen habe, so eine fiese Sau ist sie eben, aber wenn ich diesen Stinkstiefel von Sohn nicht mehr sehen muss, zahle ich alles. Kam mir ohnehin immer vor wie Aschenputtel, denn ihren Kindern lässt sie alles durchgehen was sie bei mir stets bemosert hat und dieser kleine … ist so was von verwöhnt!

In sieben Tagen ist erste Prüfung, ich habe in meinem Leben noch nicht so viel auf eine einzelne Sache gelernt. Der Schein ist zwanzig mal so schwer wie in Freiburg!!

Ich habe die erste Prüfung nicht bestanden, aber dieser Test war ja nur ein Teil, sie spalten auf in Brighton, ein Tag und Hove ein anderer Tag. Normalerweise muss man aber vier Wochen warten, wenn man es nicht schafft, aber sie gaben mir zwei Wochen. Wenn man eine Straße nicht weiß geben sie einem „have another go“ oder „make an educated guess“, aber sie wollen auch zwanzig Meter lange Straßen wissen oder auch wenn eine Straße in eine mündet, zwanzig Meter später aber in eine andere, sind sie total streng oder wenn die Straße Sackgasse ist, dann wollen sie genau das wissen „What’s the other one?“ (Fangfrage, denn es gibt ja keine) und wenn man nur eine Straße angrenzend weiß, so gilt das nicht.

Februar 2007

„Then don’t come here, mate!“, raunzt mich unfreundlich ein Portier am Brighton College an, weil ich auf seine Frage, „can I help you?“ mit Nein geantwortet habe. Ich bin da nur ein wenig mit dem Fahrrad rumgefahren, um mich umzusehen, da verletze ich schon irgendwelche Hoheitsgrenzen. Was mich so frappant an London damals erinnert, wo ich ein gate überklettert hatte, weil irgend so ein privates College da mitten im Weg lag, die Abkürzung durch ihren Park hätte bedeutet rechtzeitig zur Sprachschule zu kommen. Ein englischer Faschopförtner sah mich und packte mich am Arm und zerrte mich vom Gelände, „can’t you see what this bloody gate is for here, mate!“ (Mate, natürlich, immer mate, es wird auch sehr gerne als Schimpfwort benutzt.) Ich war noch sehr jung und es steckte vielleicht noch die Kränkung von damals mit drin, ich gehe auf ihn zu und funkele ihn wütend an „don’t treat me like this!“ und erzähle ihm, ich mach Taxi „knowledge“ und wen ich dann irgendwann hier Fahrgäste hätte, oder welche, die hierher wollen, dann sage ich, dass ich das Brighton College nicht kenne.

Das letzte Wochenende war hier nach endlosen vier Sturmwochen das erste richtig schöne Vorfrühlingswetter und schon war Brighton gepackt voll mit Londonern, wie die Sardinen am Strand. Ich bin vorher immer in Worthing schwimmen gegangen, habe jetzt das „Prince Regent’s Swimming Complex“ hier ausprobiert, war okay. Die Mädels sind etwas freizügiger als in Worthing, was eigentlich Englands Altersheim ist und so prüde England auch ist, so sind hier die Duschen und Umkleideräume nicht getrennt wie bei uns, da kuckt man erstmal. Apropos Hase, meine vier haben es richtig gut, sie kriegen viel Sonne, da Südseite und der Garten ist schön verwildert, da können sie endlich machen was sie wollen, alles anfressen und auch buddeln. Ich muss natürlich nur wieder nach Katzen und Füchsen kucken, letztere sind ja eine Landplage in England, sie sind kein bisschen scheu und es hat auch Hunde links und rechts, die vielleicht über den Zaun springen könnte. (Der eine hat das dann auch gemacht, war aber harmlos.) Sonst war es heute eine Freude ihnen beim Garten-Entdecken zuschauen zu können.

Meine Allergien sind im Limit, so dass ich erstmal bleiben kann. Gem, der Hauptmieter, ist total nett, wir haben uns schon richtig angefreundet, wir haben beide eine Gemeinsamkeit, nämlich gerichtliche Auseinandersetzungen, er darf seine (total süße) kleine Tochter nur alle 14 Tage kurz sehen und man sieht es ihm an, das es ihm nicht gut geht. Für mich noch ein Rätsel, warum ihn seine Ex so hasst, aber ich werd’s herausfinden. Tim, der andere WG-Bewohner, zieht aus, es wird also Wechsel geben, ich habe schon für eine Frau mit blauen Augen gestimmt.

Ich liege für den Test, die Wiederholung, so gut in der Zeit, dass ich fünfzig Richtige (100%) anvisiere, für den Routetest hat man das dann schon im Sack.

Ich bin jetzt fünf Monate hier und fange an mich nach Unterhaltungen auf Deutsch zu sehnen, habe schon zwei deutsche Mädels im Zug angequatscht, („diese Sprache kenne ich doch“) und ihnen gesagt, dass ich anfange meine eigene Sprache zu verlernen, will nicht heißen, dass ich umgekehrt so viel Englisch kann, da ich nur Zeit zum Straßen lernen hatte, aber neulich bin ich echt da gesessen und habe das deutsche Wort „uns“ in mein mobile eingetippt und ernsthaft überlegt, ob man das auch wirklich so sagt. Es war wirklich komisch sich auf Deutsch zu unterhalten und vor allem als sie dann angefangen „Sie“ zu sagen, wenn man doch das „you“ gewöhnt ist. „Dieses Wort kenne ich nun wirklich gar nicht mehr“, sagte ich dann.

Die Seeluft tut mir gut. Schlecht sind die ganzen uralten und vergammelten englischen Häusern mit knarrenden Dielenbrettern, Schimmel, Staub und Millionen von Hunden, Katzen, Hamstern, Meerschweinchen und auch noch vier Hasen!!! Zudem ist Hassocks hinter einer Hügelkette, den South Downs, so dass hier auch noch etwas Heuschnupfen dazu kommt. Insgesamt habe ich ziemliche Probleme jetzt, obwohl es mir in Worthing schon mal viel besser ging als Zuhause. Aber ich kann mir nicht vorstellen hier auf Dauer zu bleiben, am Liebsten würde ich ohnehin nach Saltdean oder so. Stadt nah und direkt am Meer!

Gem ist echt okay, obwohl er natürlich auch so seine Macken hat, er war tatsächlich drei Jahre buddhistischer Mönch und mir sind inzwischen alle Leute irgendwo suspekt, die nicht mehr so ganz geerdet sind und nur auf Erleuchtungssuche aus sind. Ich denke, dass unsere Wünsche, Begierden und damit verbundenen Träumereien einen Sinn haben. Warum soll ich mir etwas versagen, wenn ich es bekommen kann? Ich bin sehr skeptisch bei allen Entsagern und das Glück jenseits aller Wünsche hat für mich immer etwas Künstliches, Lebens abgewandtes. Aber auch Buddha hat ja schließlich erkannt, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Mönche und Krieger aller Länder, vereinigt euch! Aber er sagt, ich sei ein „little rabbit“ und ich nenn ihn „little cuddlibear“, also vertragen wir uns ganz gut, er spielt auch Gitarre und gerade sind sie, er und ein Freund am Session machen, ich sitze im gleichen Zimmer während ich das schreibe.

„Mr. Lämbäcki“ oder „Lämäcki“ oder wie auch immer, manchmal sprechen sie meine Namen auch einigermaßen richtig aus, hat am 29.2 den Hovetest, weil er heute den Brightontest heute mit 47 von 50 bestanden hat!!!

Gerade vorher war ich Schwimmen, die Engländer nerven bisweilen schon, haben einfach einen Haufen militanter Typen, die sich schon mal mit Pfeife und walkie-talkie wichtig machen! Lustig war aber neulich als der Zug voll war diese höfliche Lautsprecherdurchsage „I’m sorry to inform you that this train has been reported as full and standing!“ und der Schaffner sagte durch „we don’t want to transport you like cattle“, also sollen die Leute auch in der ersten Klasse sitzen und jene kriegen ihren Zuschlag zurückerstattet!

Hier in Hassocks, diesem kleinen Kaff, hat es eine öffentliche Toilette und unter dem Schild „Ladies“ sitzt eine rote Lampe und ein Schild „when this light is on please call the police!“ Die Leutchen hier haben eben schon eine kleine Macke, im Fernsehen (Nachrichten) gibt es extra „crime reporter“, als Kriminalkorrespondent“, unglaublich. Für einen Nachsendeantrag bei der Post muss man Führerschein u n d IDcard vorzeigen!!

Ich sehe im Park ein Junge und ein Mädchen in Schuluniformen, die nach der Schule noch ein wenig rummachen, sie lehnt mit dem Rücken zur Wand und er steht zwischen ihren gespreizten Beinen. Ich kann langsam verstehen, warum Männer in solchen Ländern sexuelle Fixierungen auf Schuluniformen entwickeln, die Röcke sind sehr kurz und die Mädchen darin ja gar so hold. Ich fühle mich sehr einsam, höre gerade time traveller’s wife (die Frau des Zeitreisenden) als Audio-CD und glaube an Schicksal und daran, …..

Ich will unbedingt bald etwas über die große Liebe schreiben, eine Mischung aus „butterfly effect“, „groundhog’s day“ und „time traveller’s wife“. Absolut und total schicksalhaft und romanhaft romantisch (schluchz). Und natürlich sehr autobiografisch, buhu.

Gestern haben Gem und ich uns mit einer Frau aus Berwick unterhalten, die mich eventuell als Lodger (Untermieter) nehmen würde, aber sie ist gerade in einer Trennung und er ist noch nicht mal ausgezogen. Außerdem ist das Haus sechshundert Jahre alt und wahrscheinlich total versifft und sie will einiges umbauen. Aber sie hat zwei Mädchen, vier und sieben, die sich auf die Hasen freuen würden und das wiederum würde mich schon freuen. Mal sehn.

Heute weiß ich dass ich jedoch nichts weiter als ein Bauer im Beziehungsschach zwischen den beiden war und wohl keine Chance hatte tatsächlich einzuziehen.

Ich bestehe auch den dritten Test, den Brightontest und kann mich jetzt ans Verkehrsregeln büffeln machen, es gibt einige Unterschiede zu den deutschen.

April 2007

Jetzt kann ich nicht mit einem Mietauto diese beschissene Fahrschulprüfung machen, weil es dafür nicht versichert ist. Was soll ich jetzt machen? Jetzt werde ich wohl versuchen ein Auto zu leasen und das kostet wieder ein Vermögen. Die DSA-Prüfung ist am Siebenundzwanzigsten und der Routetest am Achtundzwanzigsten. Und dann ist endlich fertig! Wenn ich bestehe – aber vom Lernen her habe ich es drauf. Zusätzlich muss ich aber noch Zimmer suchen. Das Zimmer, was ich angeschaut habe, klappt nicht, weil der Expartner erst zum Neunzehnten auszieht und er meinte, es würde die Mädchen verwirren, wenn jetzt gleich ein anderer Mann einziehen würde. Das habe ich faktisch akzeptiert, nur klar gestellt, dass es für die beiden wohl überhaupt kein Problem wäre, es würde ihnen wohl eher helfen, der einzige, der wohl offensichtlich verwirrt (confused) ist, sei er! Ob ich jetzt „Lodger“ bin oder nicht, ich hatte nicht vor sie zu adoptieren und auch nicht mit ihr etwas anzufangen.

Ich kam sah und kaufte Auto. Es ist ein Schnäppchen für 450£, zwar schon alt, aber scheckheftgepflegt, ich bin erst der dritte Besitzer, 38000 Meilen, kein Rost, 5türer, elektrische Fensterheber, Sonnendach, Zentralverriegelung, neu bereift, Radio mit Türlautsprecher – also hoher Wiederverkaufswert! Ich versicherte es also, bei Kwikfit – die haben Sitz in Glasgow! Ich musste ein paar mal dort anrufen und scheiterte einfach daran, dass man die Leutchen nicht versteht, wie die Schweizer, die Sorte, die kein Hochdeutsch spricht. Dann riefen sie noch dreimal bei mir an, zum Schluss sagte ich nur noch ja. Aber sie bestätigten mir per Email, dass das Auto versichert ist, ich werde heute Brighton unsicher machen damit. Ich zahle Monatsrate 20£, was ziemlich billig ist.

Ich bekomme ein Wohnungsangebot per Internet, sie ist, wenn kein Haken dabei ist, ein Traumangebot, zentral, drei Zimmer, Küche, Bad, super eingerichtet, voll möbliert, Balkon und Garten, untervermieten und Hasen ok. Kosten 500 inklusive!!!!! Mit Untervermieten käm ich also auf 250 im Monat und das ist für Brighton unschlagbar. Ich frage meinen Freund, von dessen Darlehen ich lebe, wegen erste Miete und Kaution, 1100 aufs Mal.

Es wird langsam spannend. Heute war ich das erste Mal nicht mit dem Auto unterwegs, weil ich das Gefühl habe genug Fahrpraxis zu haben und lieber nochmal die Kärtchen mit den Straßen durch gehe. Das Register ist halt das Ah und Oh, wenn ich nicht weiß, wo eine Straße ist, kann ich sie auch nicht suchen. Beide Tests hängen nun davon ab, wie schwer sie sind, mit Glück schaffe ich beide. Leider ist das Auto nicht sehr zuverlässig, es hat nicht mehr richtig gezogen von unten raus auf allen Töpfen, zum Schluss und der Kühler macht Probleme. Wenn ich besteh verkaufe ich es sofort wieder. Wenn nicht, steht vielleicht eine Reparatur an.

Ich habe etwas gefunden für ab Samstag, als lodger, wieder bei einer Frau (was kann ich dafür, dass die mein Foto sehen und mich haben wollen?), als erstes sagt sie mir, dass ihr Mann sie für eine 17-Jährige verlassen hat! Ja ja, Männer stehen eben nur auf junge Frauen. Aber sie hat einen Freund, einen Biker (war schon auf dem Nürburgring) und E-Gittarespieler. Ich muss immer Glück haben etwas zu finden, wo Hasen willkommen sind u n d keine anderen Tiere sind, fast jeder hat Hund oder Katze, die England sind extrem tierlieb. Das Haus ist in Peacehaven. Es ist zwei Häuser hinter der Straße und fünf Häuser vom Meer entfernt, optimal. Die Wohnung ist nicht mit losen Dielenbrettern wie wie bisher, sondern recht modern. Man kann den Undercliffwalk, direkt am Meer lang, mit dem Fahrrad nehmen und ist in einer halben Stunde in Brighton.

Du weißt, dass du in England bist, wenn du an einer Kreuzung Blickkontakt aufnimmst, um zu wissen, ob dich der andere durchlässt und du nach einer Weile endlich merkst, dass der so Uninteressiert-Kuckende der Beifahrer ist, während sich der Fahrer schon die ganze Zeit sich fragt, was du denn am Beifahrer so interessant findest!

Mein größtes Problem ist, wenn beim Abbiegen keine Autos kommen und ich nicht weiß, wohin ich schauen soll. Besonders schlimm beim Rückwärts-in-eine-Straße zurückstoßen, teuflisch! Bin schon gehörig an gehupt worden heute. Aber sonst fahre ich schon als ob ich mein Leben lang so gefahren wäre. Etwa fünfzig km am Tag, in Brighton & Hove!

Das Traumwohnungsangebot hat sich als Internetschwindel herausgestellt! Ich weiß nicht, worin der Schwindel genau besteht, ob er nur krank im Kopf ist oder ob es eine Methode gibt über die Western Union Sache an Geld zu kommen, oder vielleicht über identity fraud? Jedenfalls er hat sich verraten, indem er mir unter anderen Namen genau die gleiche Sache geschickt hat. Erst wurde ich stutzig, weil zuerst etwas ähnliches kam und dann schickte er exakt die gleichen Fotos für eine andere Adresse, mit der gleichen Nummer. Später erfahre ich, dass vor Schwindelanzeigen mit Western Union Geldtransfers gewarnt wird. Gem jedenfalls hatte dem zuerst auch vertraut. Naja, bevor’s irgendwie gefährlich geworden wäre, hätte ich eh vorsichtig gemacht, was weiss ich, dann irgendwann Bargeldübergabe im Dunkeln oder so???

Die Driving-Standards-Agency-Odyssee beginnt.

Ich habe den Hovetest bestanden, der Termin für den Routetest rückt somit in unmittelbare Nähe, es wird verlangt, dass man den Test für zwei Wochen danach bucht! Also buche ich für zwei Wochen, wohl wissend, dass ich es wohl kaum schaffen kann und buche den DSA-Test unmittelbar davor, da der ja Voraussetzung für den praktischen Test ist, man muss nachgewiesen haben, dass man fahren kann. Nun finde ich heraus, dass ein Mietauto für den Test nicht versichert ist, ich muss also eins leasen oder kaufen, denn es leiht mir ja keiner eins, was natürlich das Allereinfachste gewesen wäre. Ich scheue die Bürokratie für die Leasingautos und entscheide mich in den Anzeigen für Gebrauchte zu schauen, das Angebot ist recht groß und ich finde gleich eins, was hin kommt, es hat MOT (Tüv) und Tax, KFZ-Steuer bis Juli und kostet nur 450. Ich schaue es mir an und kaufe es gleich, die Probefahrt ist okay, es springt nur schlecht an und nimmt kalt kaum Gas an. „Oh, it has never done that!“, es wäre bisher immer bestens angesprungen, ich vertraue ihr.

Dann ist es aber Automatik, ich rufe also bei der DSA an, ob das klar geht, bevor ich es kaufe. Klar, kein Problem. Am nächsten Morgen rufe ich nochmal an, sicher ist sicher, nein, wenn das Auto Automatik ist, dann kann ich auch nur Automatiktaxi fahren, da ich ja nicht bewiesen habe, dass ich auch Schaltauto fahren kann! Natürlich, ich bin ja bisher nur zehnmal um den Globus gefahren, mit Schaltung und ohne, da kann mir ja nicht trauen. Ich rufe also Taxifirma an, ob die auch genügend Automatiktaxis habe, in Deutschland ist das ja Standard, die meisten haben das. Nein, von hundertsechzig Wägen sein nur zehn mit Automatik, toll, „and you don’t want to put yourself to such restrictions, mate“ also rufe ich nochmal DSA an, ich hätte jetzt zwei Meinungen und ich wolle mich nochmal eine Dritte einholen, nein, das hängt vom Council ab, sagt er, ob die solche Beschränkungen machen. Ich rufe also Council an und die sagen mir schließlich, dass es ihnen wurscht ist, Hauptsache, ich habe den Test bestanden.

Ich fahre also gleich fleißig mit rum und mache mich praktisch mit dem Stadtplan vertraut, es ist ein Riesenunterschied, ob man etwas auf dem Stadtplan weiß wo es ist oder aber ob man es auch in situ finden kann.

Da fängt mir auf einmal an der Kühler überzukochen!

Ich stell die Karre ab, lasse abkühlen und fülle später Wasser nach, (überall auf dem Motorblock sind Spuren vom Kühlwasser, das nur noch eine braune rostige Brühe ist, der Kühler muss schon vorher mindestens einmal übergekocht haben) fahre weiter mit rum. Irgendwann jedoch nimmt die Karre kaum nach Gas an und qualmt weiss hinten raus – ich fahre zur Werkstatt. Er macht einen Test und steckt eine blaue Flüssigkeit auf den Kühlerstutzen, sie färbt sich nach einer Weile grün, der Beweis das Kohlenmonoxyd in der Kühlerflüssigkeit ist, der Grund, dass er überkocht, weil Gas aus dem Motorraum über die defekte Dichtung übertritt.

Head gasket, Zylinderkopfdichtung, 500£ Reparatur!

Sie müssen den Zylinderkopf ausbauen, einschicken, zum glatthonen, und am dritten Tag wieder einbauen. Super.

Was soll ich also machen, das Auto ist ohne Reparatur nur Schrott und ich brauche eben eines. Ich ruf nochmal die Taxifirma an, ob die mir nicht vielleicht ein Auto leihen können, es sind ja immer genug Taxis da und diese sind ja auch Strapazen gewöhnt. Nein, ich sei nicht erlaubt ohne Schein ein Taxi zu fahren, ob nun mit oder ohne Fahrgäste. Find ich zwar seltsam, aber ok.

Ich schick der Frau SMS, keine Reaktion. Am nächsten Tag hake ich nach, ihr Schweigen sage ja schon alles, sie muss davon gewusst haben. sie antwortet mir, „all I can say the car has run nicely when I had it, I’m sorry, but it’s not down to me.“ Ich antworte ihr, ich glaube ihr nicht, sie muss davon gewusst habe, der Werkstattmensch bestätigt mir das, ich schicke ihr die Rechnung, flehe sie mehr oder weniger an, mir wenigstens ein bisschen zurückzugeben, keine Reaktion – sie hat mich eiskalt und bewusst abgelinkt, „verkauf das Auto an einem dummen Trottel, bevor es unter meinem Hintern zusammenbricht!“

Die Reparatur vom Auto verlief ok, die Kosten blieben bei 500£. Leider läuft die Karre immer noch ganz richtig, vor allem wenn sie kalt ist und besonders dann im Standgas, der Wiederverkauf wird wohl auch nicht riesig sein. Ich sehe nun auch überall Gebrauchtwagenangebote, ich denke ich habe ohnehin 200£ zu viel bezahlt für die Karre, ich bin eben so ein naiver Trottel, den jeder ablinken kann. Aber ich bin froh eins zu habe, mit drei Tagen rumfahren wäre das alles nicht zu schaffen gewesen, die DSA Prüfung ist doch sehr schwer und auch der Routetest ist nur zu schaffen, wenn man wirklich eine ganze Weile mit dem Auto rumgefahren ist.

Der Tag vom Test ist gekommen, ich versuche hektisch die Scheiben vom Rauchersiff zu befreien, es bleibt ein Schlier auf den Scheiben, (der mich später total blendet, als ich nachts von Hassocks von einem Besuch bei Gem nach Hause fahre, da die Engländer sehr aggressiv fahren und dicht auffahren und blenden.) Haben wir eine nette Unterhaltung die ganze Zeit und da sagt sie mir ganz zum Schluss, ich hätte nicht bestanden!

Auch den zweiten Test besteh ich nicht! Zuerst hat sie mich durchfallen lassen, weil ich nicht den toten Winkel schulmässig kontrolliert habe, da sind sie eben extrem pingelig. Das zweite Mal haben mich die roundabouts raus gehauen, die sind nun mal aber auch gewöhnungsbedürftig. Man muss ganz genau richtig blinken und die richtige Spur einnehmen (zweispurig und immer mit hohem Tempo befahren). Nach der ersten Prüfung hatte ich eine Stinkwut, ich bin von Peacehaven nach Brighton gelaufen, am Strand entlang, was nicht ganz einfach ist, weil der Undercliffwalk leider nicht ganz durchgeht, es fehlen etwa zwei km. Man muss entweder oben rum, auf der Straße, wobei dabei arschmässige Steigungen sind, oder aber man kann bei Ebbe über die Steine. Lauf ich also fast das ganze Stück über die Steine, da komm ich zum Schluss an ein Stück, wo das Wasser nicht weg war! Also, Wut im Bauch, Hose, Schuhe, Socken ausgezogen und ins Wasser! Sofort Krampf gekriegt, Wasser hat vielleicht sechs Grad. Auf Zähne gebissen, wieder rein und an den Klippen entlang balanciert, Wadenhöhe. Da kommt ein letztes tiefes Stück, wobei mir noch die Unterhose nass wurde! Diese ausgezogen, Hose drüber und weiter nach Brighton gelaufen. Ich wollte eigentlich mein Fahrrad abholen, da war ich aber genau eine halbe Stunde zu spät dran dafür, alles umsonst, mit Bus zurück!

Mit Gem bin ich inzwischen richtig gut befreundet, ich habe mich immer gefragt, wie er seinen Umzug schaffen will, er musste unbedingt noch eine Woche nach London, zu seinem Guru und wurde dann noch krank – hinterher hatte ich die Lösung – er hat es geschafft, weil ich eben alles gemacht habe! Wir sehen uns jetzt immer regelmäßig.

Mai 2007

Ich bin nach Peacehaven umgezogen. Die Leutchen hier sind wirklich ein wenig komisch. Sie hat mich total irre geführt, mir erzählt, sie und ihr Partner wären getrennt, aber sie hätten alles im Griff, es wäre total harmonisch. Der „Biker“ soll ausziehen, aber es ist sein Haus! Sie will es wohl kaufen, wenn sie genügend Hypothek dafür bekommt, aber gleichzeitig versucht er es wohl auch selber günstig zu verkaufen! Also bin ich mal wieder verarscht worden, obwohl sie natürlich beteuert, es würde alles so laufen wie sie meinte. Die erste Nacht, als ich da war, haben sie sich gleich riesig gekracht, obwohl sie sagte, es sei alles geklärt zwischen ihnen, und gestern kam sie stockbesoffen nach Hause und hat mich Gegröhle aufgeweckt, sie kam mit einer Freundin und hat ständig meinen Namen gerufen. Super, wenn sie liebesbedürftig ist, soll sie aber wenigstens warten, bis ich ausgeschlafen habe!

Der Biker hat die neuste und teuerste Aprilia, die ich je sah und ist auch mit Gitarre und Verstärker auf dem Neusten. Er ist aber total eigen, was seinen Besitz angeht, so soll mein Fahrrad im Regen stehen, weil ich nicht den Schlüssel zu seinem Motorradaltar bekomme, dann sind noch zwei Schuppen, aber alles „chock-a-block full of gear“, alles randvoll mit Kram. Auch spielt er nicht so wahnsinnig gut, es ist mehr so das ganze Equipment, womit er begeistern kann. Ohnehin nimmt er überhaupt keine Rücksicht auf wen auch immer. Ich habe genug Stoff für Romane, bzw. genügend Phantasie, ich brauche nicht jeden Scheiß, über den ich schreibe, selber zu erleben, mich regt es genug auf, das in diesem Land hier scheint’s jeder jeden ablinkt, wohl so eine Art Sport, sie hat mir überhaupt nichts gesagt, von wegen dass sie getrennt sind, dass er ein Arsch ist, dass das sein Haus ist und dass sie für eine Hypothek zu wenig verdient und das sie dem Trunke nicht abgeneigt ist. Woher soll ich das denn alles wissen? Ich hab so viel Stress mit dem Schein, ich schau mir ein Zimmer an und denk es ist okay und bums bin ich wieder verarscht worden.

Die Prüfung, „routetest“ war wirklich abartig, wir waren 2,5 Stunden non stop unterwegs, etwa 50 km und sie verlangen wirklich den aller kürzesten Weg. Ich glaube bei einem anderen Prüfer wäre ich durchgekommen, aber ich habe sie beim Boss vom Office gemacht und dem war das zu wenig. Prompt hat er auch ein Nummernschild aufgeschrieben und gesagt, der wird einen Brief bekommen und vielleicht eine Anzeige, strenge Sitten eben hier.

21. Mai 2007

Ich habe den zweiten Routetest bestanden! Vier Stunden später halte ich die Badge in der Hand. Es ist eine kleine Plastikkarte mit meinem Foto und dazu steht geschrieben: Hackney Carriage / Licenced Driver! Ich habe das Ziel geschafft, auf das ich ein Jahr hin gearbeitet habe, ich darf in Brighton Taxi fahren! Gleich am selben Tag rufe ich bei Hove Streamline an und frage nach einem Termin für die Einführung, sie ist gleich am nächsten Tag morgens, nachmittags habe ich ein Auto, am Tag darauf werde ich versichert und gleich am Tag darauf ist mein erster Arbeitstag als Brighton-cabbie!

21.05 – 17.08. 2008

Donnerstag, 24. Mai 2007

Mein erster Fahrgast ist eine Katze. Sie ist wohl auf Taxis dressiert, kaum sieht sie mich, springt sie ins offene Fenster und will beschmust werden. Da sie nicht zahlen kann, werfe ich sie wieder raus!

Dann gleich eine Fehlfahrt („No job“) zum Auftakt, da die Batterie am Karren schwach ist, sackt mir der Bildschirm ab, ich muss telefonisch bei der Zentrale nachfragen, bis dahin ist der Fahrgast weg.

Ich habe mir so viel überlegt für meinen, wirklichen, ersten Fahrgast, ob ich ihm/ihr mein erstes in England geschriebenes Buch widmen soll, aber die Fahrt verläuft recht unspektakulär, sie ist zu spät dran und alles ist recht businesslike.

Meinem Zweiten erzähle ich davon und er sagt, „oh I’m not your first time“, er macht mir einen ein wenig schwulen Eindruck, „but they say it always gets better with the second time..!“

Meine erste Woche

Schon gleich auch mein erster Säufer, er ist zu besoffen mir das Fahrziel zu nennen, so dass ich es auch verstehen kann, er gibt mir auf 5.60 nur 5 und sagt, „you should be thankful, I was teaching you the way“ und auf dass ich schon in Deutschland Taxifahrer war, „but not in this fucking country“, nein, antworte ich, not in this „fucking“ country.

Leute, die mich fragen, ob ich wüsste wo in Hamburg der Flughafen sei und wie man am Besten dort hinkommt, ich sage das sei genau dasselbe, wenn ich sie über irgendwas in Schottland frage, ich habe keine Ahnung. Sie wollen zu einem die-toten-Hosen-Konzert, er sei lange Jahre Fan von ihnen. Dead trousers!

„Woman in labour, would someone please..“, steht auf dem Display, ob sich jemand denn wohl erbarmen würde. Na klar, denke ich, erste Woche, am Ende des ersten richtig langen Tages, großen Bogen um so was. Zwanzig Minuten später, weiß nicht wie natürlich krieg ich den Job! Ich, von allen, in meiner ersten Woche, häh, nix blicken, kriege die von allen Taxifahrern gefürchtete Nabelschnur-durchbeiss-Sie-haben-einen-Jungen-Mutter-glücklich-lächelnd-Taxi-voller-Fruchtwasser-tour! Und wen haben wir als Vater, schwarzer Mann, was tun, wie wär’s mal mit Verantwortung, sich darin zeigend, dass man ein Taxi nicht erst dann ruft, wenn die Plazenta bereits gerissen ist? Dass man aber dann wenigstens eine Decke unterlegt, wie es sonst in solchen Fällen üblich ist? Stress, Stress, und zum Schluss: auf dem Sitz bleibt ein kleiner Fruchtwasserfleck.

Juni 2007

Hausnummern zu finden ist in Deutschland schon schwer genug und generell ist England nicht gerade das Land der zwingenden Logik. Hausnummern sind mal gerade und wieder ungerade auf der gleichen Straßenseite, sie laufen ab, aber auch wieder auf – wenn man überhaupt Glück hat und das Haus immerhin eine Hausnummer außen dran stehen hat. Zum Beispiel gibt es auch Bögen, U-förmige Straßen, die man mal von der linken Seite anzufahren hat, wie man es bei Linksverkehr eigentlich erwarten kann, aber mal auch von der Rechten.

Meiner Firma, Hove Streamline, war es vor dem Zusammenkommen von Brighton und Hove nicht erlaubt in Brighton stehen zu bleiben und Fahrgäste aufzunehmen. Bis auf den heutigen Tag merkt man das noch, dass das Hauptgeschäft eben in Hove ist. Wenn man in Brighton stehen bleibt muss man eventuell länger warten oder vor allem aber längere Wege fahren. Besonders kritisch sind die Außenplätze in der Zone, wo man frei parken kann, also alle ein Auto haben, hier kann man eventuell ziemlich lange abstehen, diese Erfahrung mache ich recht bald. Gott sei Dank will man aber bald fusionieren.

Ich mache mich mit den verschiedenen Vorziehordnungen am Stand vertraut, es gibt ein paar, wo man zwei- oder gar dreireihig steht und sich denjenigen merken muss, der in der anderen Schlange vor einem dran war. Da Brighton sehr hügelig ist, gibt es hier auch Stände, wo man den Berg runter rollen kann! Haben sich die Stadtväter was dabei gedacht? Nein, es gibt auch welche, wo man den Berg rauffahren muss, Vorziehen am Berg, vom Feinsten!

Generell kann einem bei den vielen Hügeln und „humps“ schon einmal seekrank werden, ich komme mir abends manchmal vor, als hätte ich einen langen Ritt hinter mir!

Brightonverkehr ist eine Mischung aus Freiburg und Kairo! Aber besonders die großen roten Doppeldecker-Londonbusse hier, welche die Meisten sind, sind zum Fürchten.

Ein großer, gelber, stinkender Bus fährt in Brighton herum, mit großer Aufschrift, er läuft auf gebrauchtes Bratfett! Lieber Himmel, er riecht auch so!

Die Aufschriften hinten auf den Bussen sind so lustig, etwa „you must be „parking mad““ (also anstatt „barking mad“, to drive a car in this city“. Schön und gut, wie wär’s aber mit „I take the bus because it’s so bloody annoying to get stuck behind one!“ So wie es mir scheint fährt etwa 1% von allen mit Ruß- oder anderem Abgasfilter, das macht die anderen umso deutlich schlimmer! Die Busse rußen und stinken, dass es eine Schande für die Stadt ist!

Die Londontaxis geben den Trend vor, man steigt hier hinten ein, generell ist alles ein wenig mehr businesslike als in Deutschland, unpersönlicher, ist gibt auch ein klein wenig weniger Trinkgeld. Brighton ist wahnsinnig international, ich fahre Leute aus Südafrika, die Afrikaans sprechen, aber es hat auch sehr viele Australier hier. Einer davon meint, in Australien dagegen sitzen die Leute alle vorne.

Fahre jemanden, der schon in San Francisco Taxi gefahren ist! (Brighton: Englands San Fran!) Wir passieren ein Fahrrad auf der Straße, müssen langsamer machen deswegen, obwohl ein Radweg daneben ist, ich rolle Fenster runter und brülle: „there’s a bloody bikepath!“ „Oh, you pick up on the local habits pretty fast!“

Ich fahre eine der vielen Businessfrauen, die in London arbeiten zum Bahnhof, unterwegs steht ein BMW mit zwei Typen drin so, dass man kaum vorbeikommt. Schüchtern frage ich die Leute: „Why do you block the road like this?“ „Wankers“, zischt sie von hinten. (Wichser) Londonstyle!

„Humps“! Wer sich in Deutschland über mobile Radarfallen in Tempo-30-Zonen aufregt, sollte mal nach England kommen. Humps kosten ein Schweinegeld, sie ruinieren Stoßdämpfern und Spoiler, Wirbelsäulen und das Nervenkostüm der Anwohner, die Leute rasen heran, bremsen hart ab, und beschleunigen dann laut aufheulenden Motors. „Sleeping policemen“ würde man sie hier nennen, sagt mir einer. „Well, they sure wake me up!“, antworte ich.

„We should learn from the Germans“, gibt mein Fahrgast zu, „we’re an arrogant race, always have been. We listen to no one.“ Ich dürfte so was nicht sagen.

In Whitehawk ist man am Tag sicher, sagt mir eine, erst in der Nacht kommen sie aus ihren Häusern, die üblen Typen.

Eine Schottin indischer Herkunft gibt mir schottisches Geld – dazu erzählt mir ein Schotte, sie hätten etwa 30% englisches Geld im Umlauf und in England würden nicht alle shops schottische Pfundnoten akzeptieren! Großer Bruder, kleiner Bruder, mathematisch ausgedrückt, Schottland verhält sich zu England wie England zu Amerika.

Acht Monate in England und ich habe endlich etwas herausgefunden, man spricht hier kein Deutsch, sondern eine eigene sonderbare Sprache mit seltsamen Kehl- und Lispellauten und Vokalen, denen man Gewalt antut, und man fährt links, das hat mir keiner gesagt! Mensch! Alles muss man selber herausfinden. Ich sollte mal ein Schild machen und im Auto mitführen, „driver speaks German – and that’s pretty much it“ – „man spricht Deutsch (und groß nüscht anderes)“ Oder soll ich mich „fahrende Realsatire“ nennen?

„I always get stressed, when I travel“, sagt mir eine, „I’ll have a coffee now, not to be stressed“. „You’re stressing me“, antworte ich, aber da ihr Bus noch Zeit hat, fahren wir zu einem Café auf der St. James’s Street und sie gibt mir einen aus. Ich erwähne mein Blog und sage: „you’ll be in my Blog as „nice lady that bought me coffee““. Zwischenzeitlich hole ich mir was zu essen, in einem der Shops, wo die Kasse extra in einem Häuschen gesichert ist. Dort ist ein Schild „sarcasm is just another service we offer“. Gute Schilder auch an Autos „Life’s a bitch and so am I“, A dog is for life – unlike men“ „Comments on my driving? Dial 0800-eat-shit!“

Mein Fahrgast hat Probleme sich eine Einbahnstraße bildlich vorzustellen, er kann nicht nachvollziehen, dass man, wenn man in die Richtung einer fährt, außen rum fahren muss, um zu einem Ziel auf ihr zu kommen, um dann auf der Einbahn zurückzufahren. Er dirigiert mich völlig falsch und das auch noch wiederholt.

Am Bahnhof, Brighton Station, schenkt das mobile Kaffeewägelchen welchen aus, der für Taxifahrer nur 1£ kostet, statt 1.65! Das ist für Brighton sehr, sehr billig.

Meine erste Gatwickfahrt, 40£ in einer guten Stunde hin- und zurück, nicht schlecht, danach kann man sich dann in Patcham ausruhen. Dort sehe ich ein Auto, eine Kombi, wo die Heckscheibe fehlt. Man nahm braunes Packpapier mit rotem Klebeband zwei Diagonale kreuzweise verstärkt, das Ganze ähnelt einer Englandfahne. Das Auto fährt aus meinem Sichtfeld, müde flappt ein Heckscheibenwischer darüber.

Brighton und Freiburg haben eine Menge gemeinsam, heute erfahre ich, dass Brighton die englische Wohlfühlstadt ist, „happiest place in the UK“. Na ja wohl eher gayest place 😉

Ich nehme einen Fahrgast auf am Royal Sussex Hospital, er will zum Brighton General Hospital, er sieht mir wie ein Arzt aus. „Are you a doctor?“, frage ich ihn, als wir sehen wie eine alte Frau aus dem Bus aussteigt und hin fällt, der Busfahrer steigt aus um der Frau aufzuhelfen, „you’ll never run out of patients!“ Er könnte nichts machen, sagt er, für so was sein die Sanis („paramedics“) besser ausgerüstet.

MR LION, sagt das Nummernschild großkotzig. Die englischen Nummernschilder sind sehr frei und man kann nicht erkennen, wie in Deutschland, in welcher Stadt das Auto zugelassen ist. Später erzählt mir einer, dass sei ein Kneipenbesitzer, dem einige gehören würden und es kennt ihn fast jeder in der Stadt, er ließe sich immer herum chauffieren, hat keinen Führerschein mehr.

Juli 2007

Ich fahre oft genug morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit, zehn km die Küste entlang. Jeden Morgen sind die Mülltüten aufgerissen von Füchsen oder Möwen und der Müll liegt herum. Jeden Morgen auch in Brighton das selbe Bild. Es ist heiß, den Rückweg mit dem Fahrrad lege ich in der Unterhose zurück, nachdem ich einige Leute in der Unterhose und oder BH habe rumlaufen sehen, überall stinkt nach es nach Grillanzünder. Am nächsten Tag habe ich also eine kurze Hose dabei. Nach der Arbeit gehe ich in den kleinen Park in der Nähe, esse ein wenig und will dann also die Hose wechseln, es sind keine Leute in der Nähe, geht ja schnell. Da kommen vier oder fünf Buben daher „We’re playing here“ und fangen also um mich herum, auf der Bank sitzend, zu spielen an. Toll! Warum suchen sie sich denn nicht eine andere Bank aus, in der Nähe oder so, nah dran ist auch eine, die wollen sie nicht, wahrscheinlich können sie da niemanden vertreiben. Okay, sag ich will sowieso gerade gehen, ich muss nur noch eben mal die Hose wechseln und schon bin ich fort. Die Buben beachten mich nicht und spielen, ich ziehe die eine Hose aus und die andere an. Da fangen die auf einmal an ganz komisch zu machen! Sie weichen zurück und der eine fragt mich: „Why do you change your trousers in front of us!“ Komische Frage, denke ich, was bleibt mir denn anderes übrig, wenn ihr mich nicht in Ruhe auf der Bank sitzen lasst. „I just have to change my trousers and them I’m on my way.“ „You’re a pedophile!“, sagt dann der Wortführer auf einmal. Was, äh, what? Ich erkläre ihnen, dass ich eine Stunde mit dem Fahrrad zu fahren habe und dass ich sie nicht darum gebeten habe, sich um mich herum zu versammeln, doch es hilft nichts, die Situation wird immer absurder, es hilft auch nichts, dass ich sage, sie seien mir völlig wurscht (na, glaubt nur nicht, dass ihr Chancen habt bei mir, wenn schon, dann wären mir kleine Mädchen immer noch lieber, wäre ganz cool, verkneife ich mir aber zu sagen), alles was ich jetzt will, ist meinen Einkauf verstauen und mich aufs Fahrrad schwingen, sie können hier spielen oder sich Pädophile einbilden oder was sie wollen, sie sollen nicht so viel Privatfernsehen schauen, da fällt mir die Gurke heraus, die ich gekauft hatte und die ich mir heute Abend schmecken lassen wollte. „Yeah, look what he’s got this cucumber for“, sagt einer der kleinen Bengel mit einem anzüglichen Grinsen. „Oh, fuck off!“ fällt mir nichts Blöderes ein zu sagen, da bleibt einem ja die Spucke weg, nur um ihn sagen zu hören: „Yeah, fuck, that’s what you would like to do!“ Lieber Himmel, was kann ich für die schmutzige Fantasie von diesen Buben!

„I always talk in the morning“, quasselt mich eine gleich beim Einsteigen voll und „I’m late“. Super, join the club, es gibt wohl kaum jemanden, der morgens nicht zu spät ist, schon gar nicht in Brighton. Die Stadt wacht langsam auf, sie ist auf London time. „My husband kept on asking, when will you leave.“ „He probably wanted to get rid of you“, sage ich grinsend. „There are two things with women, they always talk and they are always late.“ Ich grinse noch mehr. „Most of the time both comes together.“

Zwei alte Damen fragen mich ob ich eine Arbeitserlaubnis hätte, als ich sage aus Deutschland zu sein, so ganz so, als ob ich ganz frisch aus dem Kriegsgefangenlager käme und beschlossen hätte in England zu bleiben, da alle meine Verwandten dem Krieg zu Opfer gefallen sind. Für die alten Leute bleibt die Zeit eben stehen, manche denken, 20 pence ist ein gutes Trinkgeld, nur weil das vor 50 Jahren in ihrer Jugend auch so war.

Höre im Radio von der englischen Trinkkulter „it goes round and round till I vomit“. „British culture at it’s best“, übt sich der BBC2 Moderator in Sarkasmus. Er ist ganz gut darin, findet man heraus, wenn man ihm öfter zuhört.

Man fühlt sich schon mal als Ausländer hier. So kann man sich schnell mit anderen Ausländern recht nachbarlich fühlen, besonders mit Franzosen und Schweizern.

Ich muss das erste Mal jemand von außen die Türe aufmachen, seine Partnerin hat ihn in der Wohnung eingeschlossen, sie gibt mir die Schlüssel. Ich klingele an der Türe und er sagt mir welcher Schlüssel es ist. Sie sind in meinen Büchern, sage ich ihm, er freut sich.

Eine Frau mit frisch gemachten Fußnägeln, sie kann nicht laufen damit und nimmt ein Taxi. Ich kann nicht bis ganz heranfahren, bis an das Nagelstudio, so muss sie ein Stück neben mir herlaufen und ich denke zuerst, sie hat eine Verletzung.

Nun habe ich eine Phase, in der ich sehr oft das Meer anfahre, um auf einen Auftrag zu warten, es gibt in Brighton genau drei Stellen, wo man das machen kann, nach Murphy bekommt man augenblicklich, sobald man den Motor aus hat und es sich bequem gemacht hat, die frische Meeresluft genießt, einen Auftrag.

Ein Mann ist über seine Katze gestolpert, er hat sich zwei Rippen gebrochen deswegen, er gibt mir ein Buch als Geschenk. Nein, er hat es nicht selbst geschrieben.

„Germany, where the roads are dead flat and spotlessly clean“, sagt mir eine. Das war vor Merkel!

Gerade wenn die Frauen ein wenig älter sind, nennen sie einen gerne mal „darling“ oder „sweetheart“ oder zumindestens „love“, setzen sich dann auch gerne vorne zu einem rein, während die jungen Businessfrauen prinzipiell hinten sitzen.

Das „Grand“ ist das erste Hotel am Platz! Eine Frau erzählt mir, es gab dort mal einen Bombenanschlag, und auch, dass sie den Londoner U-Bahnanschlag nur überlebt (oder sagen wir mal unter uns, es ist ja nicht jeder umgekommen in jener U-Bahn), weil die U-Bahn, die sie nehmen wollte, zehn Minuten Verspätung hatte! Das erinnert mich an die andere Frau, die ich mal gefahren hatte, die vor der Flutwelle davon gerannt ist, in Phuket damals.

Ich fahre etwa alle zwei Wochen mal Deutsche, zuerst findet die Unterhaltung auf Englisch statt, dann sage ich entweder, höre ich da einen deutschen Akzent oder frage ohnehin jeden Ausländer „wo sind Sie her?“, dann wechselt die Unterhaltung ins Deutsche. Am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig! Einen überrede ich schließlich mit mir nach Gatwick zu fahren, sehr nette Unterhaltung, ich hoffe er meldet sich mal bei mir, wenn er das liest.

Einer will zum Amex (American Express building – größter Arbeitgeber in Brighton mit 3000 Beschäftigten) mit einem Brigado Rosso/RAF-T-shirt, mit Stern und Maschinengewehr, ups! Auf die Frage, ob er denn so wohl ins Amexgebäude gehen wollte, erwidert er, die kennen das hier gar nicht. (They always shoot the Americans first!) Er findet sein Geldbeutel nicht, „just rob a bank, like the RAF“, sage ich.

Wir fahren an auf Drahtseilen aufgehängten Schuhen vorbei. Es sei ein Signal an andere Drogendealer, dass dieses Revier hier schon vergeben sei, wie mir eine erzählt, nett!

Eine Weile später fährt ein nettes BMW-Sportcabrio herum, innen drin Polizisten in Uniform. Hm? Auf dem Auto steht in großen Lettern: „car seized from local drug dealer“.

Just my luck. Ich habe dreimal mit Taxi fahren angefangen in meinem Leben, das erste Mal natürlich und später dann nach Pausen und dreimal lief es vorher gut bis phantastisch und sobald ich mich dann hinters Lenkrad klemme, fängt die Flaute an. Das war so ’85, ’01 und ist jetzt auch so in England. Ein Kollege erzählt mir es sei hier, während es die ganze Jahre in Deutschland sehr schlecht lief, brutal abgegangen, sie seien dreimal am Tag nach Heathrow gefahren und nun fängt die Absteherei auch hier an. Es wird von Monat zu Monat schlechter.

Zwei Schwarze wollen auf den Reisebus, sie haben endlos viel Koffer und haben mich viel zu spät bestellt. Es stellt sich heraus, dass sie auf genau den gleichen Bus wollen, zu den ich dreißig Minuten früher zwei asiatische Mädels gefahren habe. Der nächsten Asiatin, die ich fahre, drücke ich natürlich eine Unterhaltung darüber rein, wie sich eben Schwarze und Asiaten zueinander verhalten, warum Asien boomt und der schwarze Kontinent im Elend versinkt. Sie hört natürlich gerne, dass ich Asiaten für fleißig und diszipliniert halte, während Schwarze eben gut singen und tanzen und äh, andere Sachen gut machen, es mit der Arbeit aber nicht so haben. Rassismus? Es gab doch da mal den einen Schwarzen, den sie wegen seiner Pünktlichkeit gelobt haben, sie nannten ihn „Mr. White Man’s Time“.

Ich fahre einen Italiener, den ich aufgrund seines Akzents nach Russland gesteckt hätte, was ihn schwer beleidigt hatte, aber es ist nicht so leicht, das im Englischen zu erkennen. Er sei aus „Rrrrimini“ und rollt die R’s, klassisch. Er hätte früher gut Deutsch gesprochen und wir lachen uns beide über das Wort Teutonengrill kaputt, er meint, er hätte schon früher, in Italien, in der Gastronomie gearbeitet und die Deutschen immer am Liebsten gewendet, wenn sie auf der eine Seite rot angelaufen sind. „Sie da, Sie Grillwürstchen“, sage ich, auf Deutsch, „bitte wenden!“ wir lachen uns kaputt.

Hier scheren sich die Leute eine Dreck um Verkehrsregeln, besonders schlimm ist es an den Fußgängerampeln in der Innenstadt. Sie schieben sogar Kinderwägen über rote Ampeln, einem direkt vor’s Auto und machen kein bisschen schneller, wenn Autos kommen. Einer schubst sogar einen anderen zum Spass, so dass ich ihn beinah überfahren hätte. „Hey, don’t push this guy in front of my cab, kill him somehow else“, hätte ich am Liebsten gerufen. Aber dieselben Leute hämmern einem an die Scheibe, wenn man bei Grün eben auf dem Fußgängerweg zu stehen kommt und beschimpfen einen.

Ich habe soeben einen kleineren Fußmarsch zum nächsten Klo zurückgelegt, wo ich auf einen der vielen aggressiven Spinner hier treffe. Ich will in einer der Kabinen gehen, weil es hier vor Klappenheinis wimmelt, da steht einer drin und brüllt hysterisch los. Ich gebe zurück, dass er doch die Türe schliessen könnte, doch er brüllt nur was von Fucker oder so. „I don’t care what you fuckin say“, gebe ich gereizt zurück.

Die Engländer fangen schon früh mit trinken Ich fahre um 5 Uhr nachmittags vier junge Typen besoffen aus der Kneipe nach Hause Sie erzählen sich Stories und ergehen sich in allerlei schlüpfrigen Detail. Einer will mir einen Kuss geben, zum Abschied. Ich bin nicht in Stimmung, antworte ich. „Oh, it’s been emotional“, sagt er. Na ja, nicht für mich.

So viele Leute würden nach Brighton kommen um ihre stag and hen night zu feiern, „yeah, Brighton is so crazy, let’s make it even more so“, kann ich dazu nur sagen.

Eine 82-Jährige, die sechs Geschwister im Krieg verloren hat, gibt mir 4£ Trinkgeld. Sie war dreimal verheiratet und geschieden, „it’s been worse the fighting the Germans!“ Wenn ich alten Leuten behilflich bin, sage ich schon mal gerne, here’s a little war reparation.

Fahre jemanden zum Brighton job-centre und beklage mich über den von Worthing, wo man mich sagen wir mal, irgendwo unter den Tisch hat fallen lassen, und fange gerade an über Arbeitsämter im Allgemeinen und über die in England im Besonderen her zuziehen, da erzählt die Frau mir doch, sie hätte da eine leitende Stellung!

Der erste Fahrgast, ein Inder, der für eine Quitttung über 6£ will und 60p Rausgeld. Die Fahrt belief sich auf 5.40£. Er sagte, wenn’s mir nicht passt, könnte ich ihm eben eine neue Quittung gebe, über 5.60.

Eine junge Dame flirtet mit mir, wir haben es von Wortspielen und Zungenbrechern, ich frage sie ob sie einen englischen kennt mit th, doch ihr fällt nur der vom „pheasant plucker“ ein, „I like it when little children say it… they always get it wrong.“ „So, you like to give me you number? We could, erm, pluck a pheasant, or something?“ Ja, ich weiss, hätte ich sagen sollen. Aber ich war ja, wie immer, zu kaputt oder …

Ich komm erst gerade aus dem Knast, „I just got out of prison“, erzähle ich meinen Fahrgästen und das kam so: Ich bekam einen Auftrag: „Eye-clinic, prisoner & two officers, Lewes prison“ Oha! Ich stellte mir also zwei schwerbewaffnete Gefängnsiwärter mit einem gefährlich aussehendem Gefangen in Handschellen vor, aber am Ende war es nur ein freundlich und humorvoll aussehender Officer mit einem jungem Typen mit einem blauem Auge, die in einer Ecke saßen und sich nett unterhielten, äußerst harmlos, das Alles. Wir fuhren also nach Lewes, etwa zehn km von Brighton entfernt, während die beiden gepflegt Konversation betrieben, und kamen am Gefängnistor an. Gut, dachte ich, ganz nette Fahrt, abhaken und weitermachen. Da sollte ich aber hupen, worauf sich das Tor öffnen würde und mich und den Gefangenen verschlucken würde. Huch! Moment mal! Der nette officer stieg dann aus und ließ mich mit dem Gefangen, hinter mir sitzend, ohne Handschellen, alleine. Huch! Ich fange also ein Gespräch mit dem Knacki an. „Welcome to my world!“ sagt er, erzählt bereits auf Freigang zu sein und bald rauszukommen, saß allerdings schon eine paar Jährchen ab. Wir fuhren schliesslich in die Schleuse hinein, wo man mir bedeutete den Motor abzustellen und auszusteigen. Ich wurde gefragt, ob ich ein mobile hätte, ja, und ich soll es dann bitte abgeben, äh… was? Ich soll es einschließen, also gut, mach ich. Dann wurde ich auch noch überall abgeklopft! Nun öffnete sich die Schleuse und ich fuhr also mit dem Gefangen und dem officer vor mir her zum ersten Tor, was er dann auf schloss und mir bedeutete, ich soll durchs Tor fahren und auf ihn warten, er würde es hinter mir zuschließen! Dieses Spiel wiederholte sich nun insgesamt dreimal! Bis schließlich der Innenhof erreicht war, in der Nähe seiner Zelle. Der freundliche, gut gelaunte officer bedeutet mir ein paar Minuten zu warten. Da langt er durch mein Fenster und zieht den Schlüssel ab! „Just in case, so that no one can hijack you.“ Ich warte fünf Minuten, dann kann die Retourchause beginnen, das gleiche Spiel, ans Tor fahren, warten, bis er aufschließt, vors Tor fahren, warten bis er hinter einem zuschließt. Zum Schluss zwinkert er mir noch zu, jetzt wollen wir doch mal zu sehen, dass wir dich hier wieder raus kriegen. Schlussendlich öffnet sich das Tor und entlässt mich in die Freiheit. Und für einen Moment… ja, für nur einen Moment lang, sind alle damit verbundenen Ängste und Sorgen vergessen. Freiheit, endlich Freiheit.

Ein Fahrradfahrer ist mit Mundschutz unterwegs.

Ich bin in Zeitdruck, folge einem van eine schmale Straße den Berg hinauf, bis er auf einmal mitten auf der Straße stehen bleibt. Er steigt aus und zeigt lässig mit Hand fünf Minuten an, das heißt für mich 200 Meter die enge Straße rückwärts zurück.

„Bloody roadworks“ diese beiden Worte gehören in England immer zusammen. Engländer selber sagen mir, sie kennen kein Land, wo das immer so schrecklich lang geht mit den Baustellen. (Der Engländer mosert aber auch furchtbar gern an seinem Land herum, „blame cultur“.) Man sieht auch nie, dass gearbeitet wird, sieht immer nur die Löcher mit den Hüten drum herum. Ich habe manchmal das Gefühl, dass der einzige Grund, dass sie dann irgendwann doch mal die Löcher wieder zumachen, nach Monaten, manchmal Jahren, ist, weil sie die Hüte wieder an einer anderen Stelle brauchen. „They have a budget for it, if they don’t spend it, it get’s shortened next year“, sagt mir einer, er lebe an einer Straße, St James’s Street, wo sie die Straße erst verengt haben, dann wieder verbreitert, um sie schließlich dann wieder zu verengen. An der Küstenstraße haben sie zwei gut funktionierende roundabouts mit teurem Geld durch schwachsinnige Ampeln ersetzt, in einem Jahr werden sie es wieder rückgängig machen, weil sich nun alles staut!

Weststreet ist schon etwa ein Jahr nur auf einer Spur befahrbar! Das Problem ist wohl, dass keiner zusammenarbeitet, die Gasfritzen machen die Löcher auf und wenn sie fertig sind, geht’s Monate bis die Wasserfritzen kommen und so weiter.

„Nothing ever works in this country“, sagt mir einer. Ich verkneife mir hier zu sagen, dass ich aus Deutschland bin, dem Land wo alles immer klappt, man für den Perfektionismus aber auch einen Preis zahlt..

Weiblicher Fahrgast windet sich in Krämpfen hinten in meinem Auto drin. Sie wollte zu einer Apotheke und ist die ganze Zeit nur am Fluchen und Heulen. Natürlich vergisst sie ihr Handy. Das übliche Spiel beginnt. Das Handy bimmelt, immer wenn man fährt, man versucht hektisch die Abnehmtaste zu finden. Dann ist die Verbindung prinzipiell immer schlecht und bricht mittendrin ab, neues Gebimmel. Dann wollen die Leute das Handy natürlich sofort wieder haben und natürlich wollen sie nichts für die Fahrt zahlen. So auch hier.

Im Taxi lässt sich alles mögliche verticken! So erzählt mir erst wieder einer von einem Taxifahrer aus Hamburg, der eigene CD’s verkauft.

Ich fahre jemanden, der schon in L.A. cabbie war. Das Auto hatte eine so ausgeschlagene Lenkung, dass er das Lenkrad kaum halten konnte. Prompt hatte er am ersten Tag schon einen Unfall. Eine Prüfung gab es damals noch nicht, fahren konnte jeder.

Alle Ausländer ziehen in meinem Taxi über die Engländer her, sobald sie erfahren, dass ich keiner bin. Eine Französin lebt schon zehn Jahre hier, ist mit einem Amerikaner verheiratet, der kein Französisch spricht, so haben sie sich auf England geeinigt. Sie holt tief Luft und lässt dann ordentlich vom Stapel, hört gar nicht mehr, die Fahrt geht ziemlich lang.

Ein schwarzer Jugendlicher fährt auf einem Motorroller mit Rennbirne herum, es macht eine gigantische Phonstärke, Respekt! Denn das ist ja was er will. Er hat keine Schulbildung und keinerlei Ausbildung aber „get rich or die trying“, das braucht man nicht, man braucht nur ordentlich Mucke, dann geht das auch ohne so’n Scheiß. Er kurvt ein wenig in der Gegend herum und kommt dann am Stand Paston Place vor dem Royal Sussex vorbei… wo ich ihm dann lässig den Finger zeige. Denke erst, er sieht das ja noch nicht mal. Was soll man machen, die nerven einen den ganzen Tag und die Polizei kümmert sich erst gar nicht, die kommen erst in die Gänge, wenn bei den Reichen was geklaut wird oder n‘ hübsches Mädel sich irgendwelche Bedrohungen einredet und kummervoll dreinschaut, „white women in trouble“ (scary movie) und schon kommen die Streifenwagen geflitzt. Kommt der aber sofort ans Fenster! You! (Yo, man) I want you to apologize, or I’m gonna bust your fucking face, you fucking cabbie. Whoa. Easy, man. Ich bedeute ihm, ich werde gar nichts machen, er habe seinen Roller frisiert und ich kann ihn deswegen anzeigen. Soll ich doch machen, schreit er völlig außer sich, er will Respekt und ich soll mich auf der Stelle entschuldigen. Er fuchtelt mit der Faust herum. Ich steige aus und ziehe die Kollegen ein wenig mit ins Spiel, das hilft, er fängt mit Rückzugsgeschreie an und verzieht sich schließlich, nachdem er mich und mein Auto fasst noch angefahren hätte. Ich frag die Kollegen, warum sie nicht gleich ein wenig näher gekommen sind. Ja, sie hätten das beobachtet, sie wären schon gekommen, es sei ja nichts passiert. Schiss habt ihr gehabt! Und das, wo man fasst jede Woche irgendwas von Gewalttaten gegen Taxifahrer hört oder liest, jeder nach kostenlosem CCTV-Einbau ins Taxi schreit. Das nützt euch auch nicht viel, wenn man auf CCTV sehen kann, wie ihr eins in die Fresse kriegt.

Heute Morgen ist die Temperatur von gestern 30 Grad auf 14 gefallen, die Mädels frieren in ihren Miniröcken. Aber hübsch anzuschauen sind sie trotzdem.

Arabische Fahrer, mindestens ein Drittel aller Fahrer hier, hupen einen halb taub, wenn sie glauben, es sei ihr Fahrgast, er sei nur zu dumm um zu sehen, dass seine Paschaheit bereits vorgefahren ist. Das zweite Mal, dass ich in Brighton selber ein Taxi nahm war es einer und er war zu spät, wahrscheinlich weil er sich mit „clearing in five minutes“ gebucht hat, obwohl die Fahrt vielleicht 20 Minuten ging, hatte das Radio laut, nahm einen Umweg, der die Fahrt von 6 auf 10 Pfund verteuerte und fing noch mit einem anderen Auto Streit an. Weil er nicht bereit war über den Gehweg auszuweichen, sollte die Frau rückwärts den Berg rauf zurückweichen.

Die booking fee wird eingeführt, zwanzig p für einen Funkauftrag. Bestes Beispiel für den Sinn, den sie macht, ist die Fehlfahrt, die ich neulich hatte. Ich musste mich fast zehn Minuten durch den Verkehr wühlen, um zu einem Café zu gelangen, dass an der Northstreet liegt, eine Straße, an der fünf Taxis pro Minute vorbeifahren. Er hat wohl zehn Minuten gewartet, dann sich an die Straße gestellt und dem nächstbesten Taxi gewunken. Warum also nicht gleich, Herrgott nochmal.

Eine Frau erzählt, sie hätten vor 10 Jahren deutsche Freunde gehabt, ihr Mann war früher bei der Marine gewesen, und der Deutsche bei der U-Bootflotte. „Back then they were sinking each other, now they are drinking together.“

Das Klo Goldstone Villas ist hoffnungslos Klappenfreak verseucht, ich nenne sie nur noch Wichsertoilette, die Leutchen stehen eigentlich mehr oder weniger da und tun sich keinen Zwang an, egal wer da sonst noch ein und aus geht. Später hängt ein Schild da, das Beschwerden eingegangen wären, „complaints about unlawful sexual activities“ und das nun un-uniformed officers präsent wären, die den Leuten peinliche Fragen stellen, wenn sie sich beim Pinkeln zu lange aufhalten.

„Brighton has always been a magnet for nutters“. Hove Station steht eine, die offensichtlich auf Drogen ist und munter rumtanzt. Ein junger Typ, der bei mir eingestiegen ist, meint dazu. „She takes off her bra and dances, I can see her every morning.“

Eine erzählt, sie arbeitet als security guard in Gatwick und gehe jetzt auf ein Seminar, „they spill away all the liquids“, sie würden alle Flüssigkeiten, die die Leute vergessen hatten daheim zu lassen, weg schütten und es würde an Alternativen gearbeitet. Mir erzählt einer dazu, er kenne jemanden, der für 30£ edlen Sprit hat weg schütten müssen.

„Can we stop at a cash point on our way“, einer der meistgehörtesten Sätze, ob hier oder auf Deutsch in Deutschland. Sie planieren aber gerade Asphalt vor dem Nächsten, den ich ansteuere. In Deutschland wäre das Folgende nun nicht denkbar, sie würden eben alles absperren und sagen, Sie können hier nicht hin. Sie lassen aber meine hübschen jungen weiblichen Fahrgast offensichtlich ganz gerne hin, „as long as you keep moving“, sagen sie ihr, sie soll nicht auf der Stelle stehen bleiben, wahrscheinlich, weil es dann so nett in ihrer Bluse hüpft. Ich quatsche mit der anderen darüber. „Yeah, whatever“, sagt sie, so wär das hier, ist doch alles wurscht.

Ein anderer oft gehörter Satz ist „I’m in a bit of a rush!“ Es geht mir so auf den Keks, das Taxi zu spät bestellen und dann den Fahrer hetzen.

Ich komme von Worthing herein, wo ich gerade bei einer Fahrt einen Zehner Trinkgeld bekommen habe und sehe, dass auf halbem Weg ein Auftrag anliegt. Super, denke ich, von dort nach Brighton nehme ich doch noch mal 20£ mit! Da ist das eine Besorgung, die wieder dort endet, normal vielleicht 10£ Anfahrt. Ich soll vier Flaschen „Blossom Hill, white Pinot Grigio, with screw tops“ bringen, malt sie sorgfältig auf, ächz. Die Leutchen sind da ja immer eigen, wenn es nicht auch genau das ist, gibt’s Ärger. Ich kurv da also rum, wo ich in meinem Leben noch nie war, und finde den Supermarkt, aber nicht den richtigen Wein. Ich steh schon an der Kasse, da bringt der Mitarbeiter noch den Richtigen. Ich verlange ordentliche Bezahlung für den Auftrag, warum nimmt sie kein Taxi von dort, will ich von ihr wissen? Die würde sie nicht ab können, sie nehme uns, weil wir ihr sympathisch wären. Einen Moment bin ich gerührt, ja, wir sind schon ein sympathischer Haufen. Dann aber wird mir klar, sie nimmt kein lokales Taxi, weil es sonst Gerede gibt!

Viele Stammkunden fährt man alle paar Wochen einmal und kennt sie schon ein wenig. Heute ist Omi etwas angetüttelt. Sie korrigiert mich, als ich sage ob sie zur „backside of the building“ will. Es hieße immer „back of the building“, backside wäre eigentlich eher für Hintern reserviert. Sie plaudert munter weiter, erzählt von ihrem Deutschlandbesuch, im Schwarzwald, da gäbe es einen Ort mit der „largest organ in the world“, der grössten Orgel der Welt. „Oh, sage ich, „this has a double meaning, hasn’t it?“ „Oh, you’re wandering off in your thoughts now.“

„I’m running late“, sagt mir einer der vielen Eiligen morgens. Erst lässt er mich warten, dann ist er in Eile. „Well, I was there in time“, sage ich etwas bissig. „What do you make the time?“, fragt er mich, schon etwas aggressiv. „What. What do mean, what do I make the time, I don’t make the time.“ Ich mache die Zeit doch nicht, der liebe Gott macht sie, wer das glauben will, oder sie macht sich selber, die Zeit in irgend so einer komischen reziprok gekrümmten Kausalitätschause oder wie auch immer, ich jedenfalls habe damit sicher nichts zu tun. Er wird richtig säuerlich, bis er endlich merkt, dass ich Ausländer bin und diesen Ausdruck schlicht noch nicht gehört habe. Ich lerne also, dass man das so sagt, etwa wie „wie viel Uhr haben Sie denn gerade?“ Genau nachgedacht, eine genauso widersprüchliche Formulierung. Wo kommen Sie her und so, was machen Sie hier und so. Ich schreibe über meine Erfahrungen. „So you can write about how you just met a grumpy Englishman.“ Ich treffe schon ab- und zu auf schlecht gelaunte Engländer.

Ein Tag nach der Gay Pride Parade, der beste Tag im ganzem Jahr für die Brighton-cabbies, ein Samstag an dem ich aber kein Auto habe: „Police custody in Hollingbury“. Gut über den bypass, die Stadtautobahn, anzujetten, hier kann man immer schnell Kilometer machen. Ein junger Typ steht da, ganz offensichtlich recht harmlos. „Have you done something naughty?“, frage ich in meinem naiven Charme, um eine Unterhaltung in Gang zu bringen. Er ist ganz leutselig, froh da rauszukommen und sich jemandem anzuvertrauen, der kein Polizist ist. „Someone put drugs in my drinks, so I can’t remember a thing.“ Aber sicher kann er sich erinnern schwul zu sein, so tuntig wie er macht. „I’ve bit a policemen, broke a window…“ und er listet noch ein paar weitere Sachen auf. Er sei unschuldig, doch die Sache gehe jetzt vor Gericht, er sei nur auf Kaution frei. „I just saw how someone was arrested, it was like in the movies“, sage ich. (In der Tat, so mit Gesicht aufs Autodach, Arme nach hinten und schön Handschellen dran.) Wir kommen von Adam auf Eva und irgendwie flechte ich ein, die Sache mit „Marco“, dem deutschen 17-jährigen und der englischen 13-Jährigen, die er ja bezichtigt wird vergewaltigt zu haben, eine Sache, die ich damals mit verfolgt hatte, weil ich ja nach England gehen wollte und zudem auch mit der Polizei in Konflikt kam, weil ich meine Hasenschnecke einfach nicht in Ruhe gelassen habe, obwohl sie mir damit drohte, so ein böser Mann bin ich eben. Ich bin ein sehr, sehr böser Mann, sie hat es mir klar gesagt und ich habe es trotzdem gemacht. „If she is English, she probably lied.“ Er hat keine hohe Meinung von den Engländern, wie eben viele Engländer. Er fängt an von deutschen Männern zu schwärmen, sie seien viel mehr behaart und viel besser im Bett und so. Ich fange hastig an von Frauen zu schwärmen und das dämpft ihn dann.

Meine erste Fahrt nach Heathrow! Eine Abholung, am nächsten Tag, die Maschine aus Saudi Arabien. Der kleine Jochen aus einer kleinen, beschaulichen Stadt im beschaulichen Deutschland, an einem der größten Flughäfen der Welt. So viele Flugzeuge sind hier zu sehen! Und so viele Menschen aus so vielen unterschiedlichen Ländern! Inder in ihren Gewändern, Araber in ihren Gewändern, Afrikaner in ihren Gewändern, Juden in Kaftans mit Hüten und Haarlocken, kleine zierliche Asiaten, sogar Weiße hat es hier zu sehen! Das sind nun wirklich seltsame Menschen mit ganz weißer, blasser Hautfarbe, sehen aus wie Maden! Bist du mein Fahrgast, fragt der kleine Jochen den nächstbesten arabisch aussehenden Menschen, der ihm über den Weg kommt, und schaut ihn treuherzig an. Doch der schüttelt nur den Kopf und der kleine Jochen, der einmal ganz groß werden will, der berühmteste Taxifahrer der Welt, reiht sich in die Schlange der Leute ein, die alle Schilder hochhalten, auf denen alle möglichen komischen Sachen stehen. Der kleine Jochen hält also auch ganz tapfer sein Schild hoch auf dem EF steht. Erhält es nur falsch rum, so dass es ihm eine freundliche Frau von EF umdrehen muss, später, als er schon eine ganze, ganze, ganze Weile gewartet hat und niemand kam! Doch die freundliche Frau hat ihm seinen Fahrgast weggenommen, wie er später erfährt und er hat also völlig umsonst so lange in der Schlange gewartet! Da ist der kleine Jochen sehr traurig und geht wieder zu seinem Taxi zurück, er darf aber die Fahrt abrechnen und das macht ihn schon ein wenig froher. Doch da kann er sein Taxi gar nicht mehr sehen! Das kleine weiße Brighton-Taxi mit der türkisfarbenen Motorhaube! Es ist gar nicht mehr da! Es ist weg! Hast du mein Taxi gesehen, fragt der kleine Jochen den nächstbesten Uniformierten, eben war es noch da! Doch der schaut ganz komisch. Die Polizei war da, sie haben es mitgenommen. Und dem kleinem Jochen wird klar, der böse Mann da schaut so komisch, weil er es war, der die Polizei gerufen hat. Da habe die bösen Engländer doch sein Taxi einfach abgeschleppt! Wie können sie so gemein sein! Wenigstens haben sie es nicht zerstört, wie es doch immer in den Lautsprecherdurchsagen zu hören war, bitte lassen Sie keine kleinen Brightontaxis unbeaufsichtigt. Alle unbeausichtigten kleinen Brightontaxis werden entfernt und sofort vernichtet! Der kleine Jochen nimmt also traurig ein Taxi. Zu seinem Taxi. Und fährt ganz alleine nach Brighton zurück. Doch halt, nicht ganz alleine. Er nimmt nämlich noch eine saftigen Rechnung mit. 155£! Auf der Rückfahrt gießt es wie aus Kannen. Die Sicht ist sehr schlecht und die Schilder auch, so übersieht er zwei winzig kleine, die sagen „Gatwick/Brighton“ und landet irgendwo in der Irre. Er landet also in einem unbekannten Ort in einem Café und fragt die Bedienung wo er nun denn eigentlich gerade sei, er weiß eigentlich nur, dass er nicht mehr in Deutschland ist, aber das sei so ungefähr das Einzige.

Manchmal erzähle ich den Leuten, ich sei Hitlers letzte geheime Reserve. Es sei meine Aufgabe den Leuten durch quasseln und verpeilt fahren ihren Tag zu verderben und so auf diese Weise die englische Wirtschaft so ganz allmählich zum Erlahmen zu bringen. Credit crunch? Ach wo, ist alles mein Werk.

Ich fahre Nadia, sie ist Deutsche. Sie gibt mit ihre Telefonnummer. Im Folgenden rufe ich an und texte ihr ein paar mal, aber ich glaube, sie hat einen Freund und hat mich bisher nur vertröstet. Ich sage ihr, ich will nur mit ihr Deutsch sprechen, aber sie merkt wohl, dass ich sehr gerne eine deutsche Freundin hätte. Ich habe sie auf das Blog hinweisen, mal sehen was dann wird und sage ihr, sie kann sich ein Bild machen was für eine wunderbare Katastrophe ich doch bin. (Aber sie meldet sich nicht.)

Ein National Expressbus ist an einem Ort an der A21 nicht angekommen, worauf eine ganze Menge Leute dort gestrandet sind. Taxis, aus was für Gründen auch immer aus Brighton, werden gesucht, die die Leute aufnehmen und nach London Victoria fahren sollen. Ich bin einer von ihnen, um dort hinzukommen braucht es schon eine ganze Stunde Anfahrt. Vier ältere Leute sind es, die vorne nervt die ganze Zeit, wegen, dass man sie vorher absetzt und die hinten will um eins an der Victoria Station sein, sie ruft über Handy an, doch ihr Guthaben ist leer. Die Frau vorne will nicht vorher irgendwo auf dem Weg aussteigen, die Zeit läuft, schließlich sind wir sie los, ich lasse die Frau nochmal von meinem Handy aus telefonieren, sie wollen ihr kurze Zeit Aufschub geben, sonst muss sie nämlich eine Nacht in London verbringen. Wir fragen zwei Leute, fahren schließlich über die Themsebrücke zur Station, es ist eine Viertelstunde nach eins! „Oh, that was an adventure“, sagen die Leute, „oh, it’s just a normal day in the life of a cab-driver“, gebe ich zurück. Die Rückfahrt dauert fast ein Stunde durch die Stadt, auf der Suche nach der M23.

Die „Sun“, die sich gerne proletarisch gibt, wohltuend anders als ihr deutsches Pendant, die Bildzeitung, die die Besitzenden lieber unangetastet lässt, bringt einen Artikel über Besitzer von Luxuslimousinen, die ihrer Chauffeure bis zu vier Stunden um den Block schicken um in Harrods einzukaufen. Sie rechnen den CO2-Ausstoß auf 170 gefahrene Kilometer eines Kleinwagens hoch. Das sind die selben Ölscheichs, die ihre Luxusautos zur Inspektion nach England fliegen lassen und zurück.

„Lohn der Angst“ hieß der Film damals, wo ein paar Desperados Glyzerin per LKW über die Anden geschaukelt haben – ich soll große Kartons abholen, aus einer Konditorei. Sie sagt, mir man muss aufpassen, sie seien sehr wertvoll und empfindlich. Na klar, denke ich, Torten halt, nicht wahr, tut man nicht gerad rumschmeißen und so, sagt die mir dann irgendwann mal, die seien Tausende von Pfund wert. Tausende! Augen und Gaumenschmaus für Superrreiche, von denen es eben auch in Brighton ein paar hat.

Ich hole einen Mann mit Alzheimer ab, der zum Theater gefahren werden soll, er weiß aber rein gar nichts, die Tochter hat das arrangiert. Ich frage sicherheitshalber über Funk nach, will nicht, dass ich ihn dort ablade und er dort steht wie bestellt und nicht abgeholt.

18.08 – 7.09. 2008

Montag, 18.08.08

„It’s just one of these days“. Will die junge, hübsche, schlecht gelaunte Frau den allerbesten Weg fahren, prompt verfahre ich mich. Dann hat sie nur einen Zwanziger und ich kann nicht raus geben. Ich sage, sie soll ihr Geld behalten, es sei ja meine Schuld, alles ist ja immer meine Schuld, aber es kommt nicht allzu großzügig rüber, sondern eher beleidigt und selbstmitleidig: miese Stimmung.

Ich fahre eine Frau mit Krücken und frage sie, ob sie ein Stück über die Straße laufen kann, damit ich nicht extra drehen muss, vergesse völlig ihre Gehbehinderung. Dann fällt mir ein Pfundstück im Auto herunter, das ist weg, das finde ich niemals, sage ich. (Finde es aber sofort wieder) Dann will ich vor einer Schranke umständlich wenden und gleich zwei Pförtner winken mir zu, ich soll durch die eine Schranke fahren, wenden, und durch die andere wieder raus, ich komme mir wie ein dummer, nixblickender Deutscher vor. Dann hole ich Kaffee und zahle für ein kleines Stück Toast, ein Stück bacon und ein Würstchen, 3.60£. Und auch noch alles in Fett getränkt! Jetzt stehe ich am Greyhoundstadium und höre den Hunden beim Heulen zu. Ich habe Liebeskummer und bin voller Selbstmitleid. Gleich mache ich es den Hunden nach.

Nun fahre ich einen sehr süssen Opi, in den Ball & Bats Pub, unterwegs kommen wir am Hare & Hounds vorbei, mir gefallen die englischen Pubnamen. Er gibt mir 3£ Trinkgeld.

Eine Fehlfahrt. Ich bleibe dort stehen, ein sehr schöner Ort, der Wind rauscht in den Bäumen und ich sehe den Eichhörnchen beim Rumtollen zu. Ein White Van kommt und zwingt mich zum Wegfahren, ich fahre ein Stückchen weiter, Gärtner lassen Motorheckenscheren rattern. Ich trotze dem 10 Minuten, bis sie sich direkt neben mich stellen und tierisch nerven. Ein Taxi von der anderen Firma holt die Fahrgäste ab, auf die ich gewartet habe, anstatt mir Wartezeit zu zahlen, machen sie das eben so. Solange wir nicht einig sind, werden wir uns immer gegeneinander ausspielen lassen. Nun bewerbe ich mich, richtig sauer, dreimal um einen Job in der angrenzenden area, bis ich erfahre, dass aber ein Londoncab, 6sitzer verlangt ist. Am Stand angekommen, sehe ich den Kollegen, der vorher mutmaßlich Termin und Einsteiger angenommen hatte, wie er gerade Fahrgäste einlädt und nur noch seine Dieselqualmwolke hier lässt, während ich wieder warten kann. Scheißtag. Wenigstens habe ich jetzt meinen Laptop. Verbissen klappern die Tasten.

Nun ein Asozialer, von der Sorte, die wegen der geringsten Kleinigkeit gleich aggressiv werden. Er zwingt mich gleich einen „ilegal turn“ zu mache, „all cab-drivers do that, they love it.“ Na, klar, kein Taxifahrer dieser Welt kann es sich leisten, den ganzen Tag Ärger mit Leuten zu haben, dann verdient er nämlich nichts.

Ich fahre Kollegen, der Einkaufen war. Er erzählt, vor drei Jahren war der Spritpreis bei 75p, heute ist er bei 1,25£. Den Sprit muss ich selber zahlen, abends gehen so immer noch 10-20£ von meinen Einnahmen ab.

Donnerstag, 21.8.

Heute vor genau drei Monaten habe ich meinen Routetest bestanden!

So schlampig die Engländer sein können, wenn sie sich damit Arbeit sparen können, so pingelig, akribisch und kleinkrämerisch können sie sein, wenn sie gleichzeitig einem Steine in den Weg legen damit können. Bringe ich das Auto zum MOT, da rufen die mich an, dass sie nicht weitermachen können, weil die Fahrzeugnummer im Chassis nicht mit der Nummer übereinstimmt, die auf dem aufgestanzten Aluminiumschild neben dran steht. Ich solle das Auto wieder abholen und zwar so nach Motto „aber möglichst schnell und unauffällig“, damit keiner was merkt, weil das Auto ihrer Auffassung nach gestohlen wurde. Super. Es überzeugt sie auch kein bisschen, dass ich ihnen den Brief zeige, mit der Fahrgestellnummer, die mit der auf dem Chassis übereinstimmt. (Auch sei das Auto zwanzig Jahre alt und der MOT ist jedes Jahr fällig. Des Weiteren ist die Nummer auf dem Nummernschild in die Fensterscheiben ein geätzt, ein Vorteil, dass sich das Nummernschild nicht ändert, auch wenn man es nach Auswärts verkauft.) Stimmt sie auch denn auch überein? Der Mensch stellt sich vor die geöffnete Motorhaube und liest sie ab. Nein, sie stimme nicht, von fünfzehn verschiedenen Zahlen und Buchstaben, die übereinstimmen, ist auf dem Brief eine Doppelsieben in der Mitte und auf dem Chassis nur eine einfache Sieben. „See!“, fragt er mich, in dem aggressivem Freundlichkeit, der er auch vorhin im Gespräch mit einem Kunden hatte, der Ton blieb freundlich, doch sie schrien sich an, als wären sie Schwerhörige, „It’s illegal!“ Und triumphierend marschiert er davon. Ich schrei ihm hinterher, schon gut, ich bring das Auto ja woanders hin, keine Sorge, er soll mir aber ja bloß keinen Ärger machen deswegen.

Ich habe meinen vier Kaninchen alle neue englische Namen gegeben, weil mit den deutschen keiner hier was anfangen kann. Es war nicht schwer, nach den hier sehr bekannten Hasenbüchern von Beatrix Potter habe ich sie Flopsy, Mopsy, Peter und Cottontail getauft. Und vor allem stimmen die Namen so! Flopsy oder Schleck, ist das dominante Alphaweibchen. Sie ist immer zusammen mit Mopsy oder Maus oder Bärchen, das einzige Männchen, den ich auch manchmal Dickmoppel nenne, weil er ein so schön flauschiges Fell hat. Schließlich Peter, was nicht so recht rein passt, vom Namen her und auch weil es mein Sorgenkaninchen ist. Schliesslich Cottontail, das Kleine, das einzigste meiner drei Babies, das noch lebt. Und das muss jetzt unter´s Messer, wie ich gestern erfuhr, es hat schon seit je Augenprobleme gehabt, die darauf zurückzuführen sind, dass das obere Augenlid zu lang ist, es also am Augapfel reibt (wozu sich das Tier auch ständig dort kratzt), der an einer Stelle schon ein wenig auf geschabt ist, wie er mittels einer fluoreszierenden Testflüssigkeit hat nachweisen können. Ich mache mir natürlich Vorwürfe, dass ich es nicht früher zum Tierarzt gebracht habe, aber die Probleme waren nie sonderlich schlimm gewesen, bis jetzt diese Woche, wo sie das eine Auge fast gar nicht mehr auf bekommen hat, so entzündet ist es. Ich muss Salbe auftragen, die die anderen natürlich gleich wieder weg schlecken, ich denke sie kümmern sich schon ein wenig darum.

11.00 Uhr. Zwei Mädels, die bei Rot über die Ampel liefen, und so taten als ob sie mit dem Fuß nach mir traten, anstatt schneller zu machen.

12.00 Uhr. Drei Leutchen ins Beachdown Festival gefahren, wobei die Veranstalter wohl krampfhaft den schicken und zugkräftigen Namen Beach mit der Tatsache verbinden, dass sich das Ganze nicht am Beach befindet, weil da einfach kein Platz ist für ein Riesenfestival, sondern in den Downs etwa 2 km außerhalb Brightons. Das ganze soll vier Tage gehen mit Musik und Besäufnis, und Regen, für den Woodstocktouch.

15.00 Uhr. Ich fahre einen Briefträger, wir halten schnell fest, dass eine Mischung aus unseren beiden Berufen das Beste wäre. Er macht einen auf „mate“, so von einem hart arbeitenden Kleinverdiener zum anderen. Im Moment komme ich mir auch so vor, es hat den Anschein, dass es hier von Monat zu Monat schlechter wird. Wir halten auch fest, dass manche, Sportler zum Beispiel, obszön viel verdienen, während die Kleinverdiener ihnen ihr Luxusleben finanzieren, dass aber niemand aufsteht und sagt, ich mache das nicht mit, ich boykottiere euch, bis ihr aufhört uns das Geld aus der Tasche zu ziehen.

16.30 Uhr. Ich quäle mich durch den abscheulichsten Verkehr zur Northstreet runter und komme kaum durch den Taxistand Eaststreet hindurch, Millionen Taxis stehen hier, einer der vielen wilden Brightontaxistreiks? Nein. Ich muss durch die falsche Seite der Einbahn und Hausnummern suchen, finde ich doch nie, zu einem pub, finde ich doch nie, das dauert doch alles so lange, ist doch eh eine Fehlfahrt, ein Lieferwagen mit zwei englischen Fußballraudis drin, mit zwei englischen „Ins-Ausland-Urlaub-machen-und-besoffen-rumkrakelen“ und hupen, fuck off, mate, sie haben für keinen Pfennig Geduld, nein Cent, nein pence, ach, man kommt ja immer mehr durcheinander, wir machen Anstalten uns aufeinander zu stürzen und zu prügeln, aber nein, weitermachen, da vorne ist der Pub ja, mache Callback, niemand kommt raus, ich gehe in den Pub, ein kleines Kind fällt aus seinem Wagen, auf den Boden und schreit, komm Kleiner gewöhn dich dran, Leben ist man steht einmal mehr auf als das man auf die Fresse fällt, die Bedienung sucht überall, niemand zu finden, ich melde Fehlfahrt, werde gebucht, kriege Job, geichzeitig kommen die Leute, die da irgendwo blöd rumstanden, anstatt im Pub, wo sie hätten sein sollen, ich kann den Job nicht zurückgeben weil der Sprechkanal offen ist, Stanstead Airport wird gerade vergeben, vielleicht 200£, wo man doch zur Zeit nur rumsteht, wird gerade meine Nummer gerufen? Ich weiß es nicht, kann es schier nicht verstehen wie immer, ich muss immer abbiegen oder sonst was Unabdingbares, während gerade tolle Fahrten vergeben werden, jammer, wir fahren also los und ich jammer und nörgel in einer Tour, bin in einer dieser völlig unbeherrschten Stimmungen, die ich selber so an mir hasse, könnte schreien, heulen, prügeln – wühlen muss ich mich aber durch den Verkehr, warum hat sie denn nicht im Pub gewartet und was ist das doch für ein mieser Job und brennt das Auto denn da vor mir oder was oder ist es nur schlecht gewartet… mein Fahrgast muss beinah lachen und das bringt mich dann auch wieder zum Lachen. Was mache ich denn hier überhaupt, ich Idiot, bin ja nur selber schuld, ich such mir diesen Job auch noch aus um darüber zu schreiben, warum bin ich denn nicht im Scheißirak oder Scheißafghanistan, wo ich eine Scheißkugel in den Kopf kriege, Marke Pulitzer-posthum, wie all diese sensationssüchtigen Kriegsberichtserstattern, stattdessen mache ich eben das hier und bringt mir da überhaupt jemals etwas ein? Ich glaube irgendwann kaufen die Leute dann meine Bücher, weil sie denken der Typ ist ja wirklich total blöd…

17.00 Uhr. An der Tankstelle fülle ich gerad nach, da sehe ich zwei deutsche Motorrollerfahrer aus Hansestadt Lübeck. Deutsche, denke ich, Sehnsucht, Heimweh, ich will wieder einmal Deutsch sprechen, kann ich euch helfen, ihr beiden, rollt mir meine Muttersprache schwer von der Zunge, sie ist so mühsam auszusprechen irgendwie, im Englischen ist doch irgendwie mehr Fluss drin. Sie sehen einen Brighton-Taxifahrer, mit englischem Akzent deutsch sprechend, und fragen mich wieso ich denn Deutsch sprechen kann? Ich bin Deutscher und warum ich hier sei, ich schreibe Bücher, ich bin total bescheuert, über diesen Mist hier und dann, ich tippe an meine Stirn, will ich auch noch nach Frankreich gehen.Was finden die Leute denn an Brighton, fragt er mich und das sei ja alles so vergammelt hier und kein richtiger Strand, sondern nur Kies, und überall würden Autos fahren und „ich würd mich nicht an den Strand legen, wenn überall Autos fahren“, typisch Deutsch, die Engländer stört das nicht, solange sie mit ihrem Auto direkt an den Strand fahren können, herrlich, ich kann mit Landsleuten über England herziehen, ja so schön wie Lüneburg ist das hier nicht, sage ich und Deutschland ist ein schönes Land und da sei ja eben alles hier so vergammelt, ja, und warum ich denn nicht was Außergewöhnlicheres machen würde, so Taxi fahren in Bangladesch oder so? Moment mal, ihr seid ja wirklich zwei so deutsche Motzkis! Den Deutschen kann man aber auch nie etwas recht machen! Das ist doch schon recht Außergewöhnlich was ich da mache oder nicht? Ihr könnt gerne alles schlecht machen, aber nicht was ich da mache!

Freitag, 22.8.

8.30 Ich habe meinen Hasen zur OP abgegeben und leide. Lieber würde ich mich selber operieren lassen.

„The „White Van Man“, they have a certain reputation and the live up to it“, sagt sie. „It’s a pick-up-point, not a short-park-point“, bestätige ich. Zwei white vans versperren die Haltebucht am Tesco-pick-up-point und gleichzeitig nehmen zwei Taxis dort auf, eins davon bin ich. Die alten Leutchen kommen kaum an den Vans vorbei, mit ihren Taschen. Sie seien sehr aggressiv und oh ja, ich kann es bestätigen, absolut rüpelhaftes Volk, der tätowierte englische Fußballhooligan an seinem Arbeitsplatz. Hier verdient er sich seine Brötchen und seine überteuerten Tickets für die „Scheißmillionäre“. Einer kommt und kuckt aggressiv. Nur nichts sagen, ruck zuck ist die Fresse dick.

Tesco, habe ich ausgerechnet: ich habe da schon fünfmal am Tag aufgenommen, mindestens hundert Fahrten am Tag gehen da raus und jeder hat duchschnittlich fünf Plastiktüten dabei. Jeder Hunderste nimmt wohl ein Taxi, machen also fünfzigtausend Plastiktüten am Tag, allein Tesco Hove. Etwa ein Kofferaumvoll, zerknüllt eine ganze LKW-Ladung.

Fahre die Frau wieder, die mir erzählt hatte, die Ehen mit ihren drei Männern wären schlimmer als der Krieg gegen die Deutschen gewesen. Sie ergänzt, dass sie im Krieg verschüttet worden ist, als eine Bombe (äh, eine deutsche) ihr Haus traf und dass sie fünfundvierzig mal in der Zahnklinik gewesen ist, in ihrem Leben und sich hat wegen Schrappnellsplittern röntgen lassen, bis der Letzte vor kurzem entfernt wurde.

Murphys law: wenn man genügend Münzen hat kriegt man immer mehr, die nur den Beutel schwer machen, wenn man zu wenig hat kriegt man laufend Scheine.

Schlage die Zeitung heute Abend auf und sehe: Brighton ist gerade zu Englands Randaleort Nummer eins gewählt worden, zusammen mit Blackpool, noch vor London, das aber immerhin die unfreundlichsten Bewohner hat. Zwei Dinge höre ich immer wieder, wie sehr sich Brighton zum Negativen verändert hat und dass die Menschen im Norden viel freundlicher sind, als im Süden und besonders eben in der Nähe Londons. Wenn ich negative Erfahrungen mit „den Engländern“ mache, sollte ich das stets berücksichtigen.

Sonntag, 24.8.

Meinem Hasen geht es soweit gut, das Auge sieht schlimmer aus als es ist, weil die Haare drumherum rasiert sind, es glotzt ein wenig heraus und erinnert einen an einen abgehäuteten Hasen. Die anderen kommen und schlecken und knabbern wie wild an seinem Auge herum, ich glaube sie wollen die Fäden ziehen.

Dienstag, 26.8

Es sieht alles sehr gut aus, sie kümmern sich sehr liebevoll um die Kleine. Nur kneift sie, wenn die anderen schlecken kommen, das Auge zu, so dass ich auf jeden Fall Salbe auf den Augapfel auftragen muss, außen rum ist nicht so wichtig.

Ich lese, dass es in England gerade die schlimmsten wirtschaftlichen Eckdaten seit sechzehn Jahren hat, andere sagen, seit den Siebzigern. Soviel habe ich also schon ausrichten können.

Nachdem es hier sechzehn Jahre geboomt hat können die Leute hier, glaube ich, nicht mehr mit schlechteren Prognosen umgehen und das ganze düstere Krisengerede geht mir gewaltig auf den Sack, ich habe schließlich die letzten zehn Jahre oder so in Deutschland nichts anderes mehr gehört. Gott sei dank, kann ich nur sagen, hat das Team GB so gut bei Olympia abgeschnitten und die Spiele als Nächstes daheim, Wirtschaft ist zur Hälfte Psychologie.

Mittwoch, 27.8

11.00 Uhr. Stehe eine halbe Stunde vor Tesco Portslade auf dem Taxistand, während etwa zehn Fahrten dort raus gehen. Die Leute rufen von drinnen aus an und schauen nicht, ob draußen ein Taxi vielleicht schon steht, sehr frustrierend, fahre schließlich leer weg, weil ich mir zu dumm vorkomme. Am Funk geht sowieso nichts. Die Kollegen müssen mal sehr auf dem hohen Roß gesessen sein und Leute vergrault haben, wenn die Fahrt nicht zurück in die Stadt gegangen ist, das rächt sich jetzt in der Flaute, die wir nun mal haben.

Fahre zwei junge Typen, da erzählt der eine dem anderen was von „in Germany you would drive on the right“. Kann ich nur bestätigen, aber hallo. Und wechsele auf Deutsch. Er will hier Abi machen, am Brighton College.

15.00 Uhr. Frau aus London, die in die Lanes will, wo all die Juweliere sind. Wir fahren durch die Western Road, Churchill Square, es wimmelt von Menschen, „as busy as Oxford Street“, sie meinte, es sei sehr englisch alles düster zu sehen.

Kollege aus London gefahren, meinte in den letzten zwei Jahren hätte sich alles sehr verschlechtert in Brighton. Krisengerede

18.30 Spreche schon wieder Deutsch! Eine Engländerin, die aber praktisch in München aufgewachsen ist, die letzten sechs Jahre in Finnland gelebt hat und nun aber nach England zurückgekehrt ist. Sie meint die Engländer seien sehr aggressiv! Ach, das tut mir deutschem Häschen sehr gut zu hören. Ich habe sie auf mein Blog hingewiesen und darauf, dass sie mir mal eine Email schicken könnte, wenn es ihr gefällt. Ich weise noch mal darauf hin, falls sie das jetzt liest. Huch, komme ich mir jetzt bedeutsam vor.

19.30 Fahre meinen ersten besoffenen-gut-drauf-Engländer, der mir gleich viermal die Hand zum Abschied schüttelt, er kommt aus Nordirland und ich kriege den dortigen Akzent vermittelt, kaum verständlich, danach winken mich zwei sehr hübsche, junge Australierinnen ab und die einsetzende Dämmerung lässt gleich Flirtstimmung aufkommen.

Ich muss nachts fahren! Ich habe langsam diese Morgens-zur-Bahn-Stresser und Omis mit Einkaufstüten leid.

Donnerstag, 28.8

Wir sehen eine „Ambulance on bike“, ein Fahrrad mit einem Sanitäter drauf. „Have you seen what I just have seen?“, frage ich meine Fahrgast und fange an Tränen zu lachen. „Yep, I’ll be there in 45 minutes“, flachst er.

„Slow moving vehicle“, heisst es immer so schön hinten an den Müllautos dran. In den engen Straßen Brightons bedeutet das dann schon mal eine Weile hinten dran stehen und warten und ihnen beim Langsam machen zuschauen, nach Akkord wie in Deutschland werden sie sicher nicht bezahlt. „Slow moving workers“ sollte es eigentlich heißen.

Sammle den Fahrgast gerade rechtzeitig vor einem auf und mache ihm begreiflich, dass ich froh bin, dass ich nicht dahinter warte und er irgendwo da vorne aufs Taxi, er sieht es aber nur aus seiner Sicht, „my train leaves at 20, can you make it, mate?“ Ach, wie originell. Ich überlege, welche Ampel schneller schaltet und wage ihn schüchtern darum zu fragen, er fahre hier ja wohl jeden Tag lang und ich müsse eben alles wissen von Portslade bis Saltdean… „It’s part of your job, mate“, und ich solle mal nach London, wo er ja wohl gerade hin muss, da würde ich mich ja wohl ganz schön verirren. Wir kommen an und ich erhebe die booking fee. „What’s the 20p, mate?“ Und „oh, that’s a new one“ und ich kriege keinen pence Trinkgeld.

Die englische Bulldogge verbellt jeden Taxifahrer, der sich nicht an die Ordnung hält. Ich bin in Deutschland lange genug Taxi gefahren und habe noch nie erlebt, dass man wegen jedem, kleinem, unvermittelt Abbiegen, Abbremsen und Suchend-langsam-Fahren so rücksichtslos und aggressiv angehupt wird. Das lässt sich auch nicht durch Verkehrsverstösse von Kollegen erklären, sondern nur durch Gestörtheit, besonders bei dem Lieferwagenpack, nenne ich es doch mal beim Namen. Ich sollte es mir abgewöhnen jedes mal schier an die Decke zu gehen deswegen.

Eine Colaflasche fällt mir nach hinten und kullert immer schön vor sich hin beim Fahren, als ich sie öffne, kriege ich eine Fontäne klebriger Cola ab, glücklicherweise light, klebt nicht ganz so sehr.

„Just when you think it can’t get any worse“, sage ich zu meinem nächsten Fahrgast, und: „I will get you there quiet and calmly and then I will freak out!“

Ich spreche schon wieder Deutsch! Mit „Bernie, the German“, meinem deutschen Kollegen hier. Er ist schon vierzig Jahre Jahre hier und hat so gut wie keine Verbindung nach Deutschland mehr!

Ein Taxi hat das Nummernschild „HI CAB“, ich stehe hinter ihm ab, bis dann eine alte Frau sich den Hügel rauf fahren lässt, die Uhr bleibt auf Einsteigerpreis stehen, vielleicht fünfhundert Meter, aber dafür dreihundert Höhenmeter! Nun stehe ich hier völlig hoffnungslos im Raum gebucht, umgeben von Wiesen und auslaufender Bebauung. Da kommt jemand mit Koffer den Feldweg entlang, steigt bei mir ein und es wird eine 15£ Fahrt! Bis direkt vor meine Haustüre und ich kann Feierabend machen! Eine Australierin („Ich bin viel zu nett um Englisch zu sein“), sie macht alternative Projekte, Teeanbau.

Die Engländer können wirklich schlecht mit dem Ende des Booms umgehen, gerade als sie in Brighton den einen Selbstmörder am Fuß der über hundert Meter hohen Klippen aufsammeln wollen, fällt ihnen der Nächste auf den Kopf. Er kam mit dem Auto, sie sahen ihn, versuchten ihn aufzuhalten, er umfuhr das aber, sein Auto überschlug sich beim Sturz und kam schön mit dem Dach zuerst unten an.

Ein anderer erliegt heute nach einer Woche seinen Verletzungen, er kriegte während einer Saturday Night mit einem Feuerlöscher eins über gezogen.

Möwenbabies! Drollige kleine Riesenbabies, watscheln unbeholfen herum und fiepen kläglich Feeeed! Meeee! Betteln jeden an, auch Passanten, sie würden auch noch einen Fuchs um Futter anbetteln! Der würde ihnen auch jederzeit freudig seinen Mageninhalt darbieten, nur dass er ihn nicht hervorwürgen würde wie die Möweneltern, sondern er würde das Baby da dazu hinunterwürgen.

Es gibt hier wesentlich bessere Manieren unter Kollegen als in Deutschland, sie helfen einander im Verkehr, anstatt zu versuchen vor einem anderem am Stand zu sein, nehmen sich nicht die Fahrten weg. Man merkt auch hier die englische Disziplin beim Schlangestehen.

Freitag, 29.8

Ich bin nun ganz sicher, finstere kosmische Mächte haben sich gegen mich verschworen! Ich weiß es nun, ich habe den Beweis! Ich bemerkte, dass Wasser vom Unterboden herunter tropft, konstant über die ganze Zeit, ergibt eine ganz beträchtliche Menge. Was kann es sein? Ich beobachte die Temperaturanzeige, sie bleibt konstant, öffne die Motorhaube, nichts zu sehen. Ich fahre in die Werkstatt. Doch! Heute ist sein freier Tag, er macht sonst nie frei, aber heute, wo ich einmal in drei Monaten in die Werkstatt muss, hat er seinen freien Tag – sie lachen mich aus, die Götter. Ich unterhalte mich mit der Frau, die die Termine bucht, sie versteht nichts davon, kuckt aber auch mal, sieht die Wasserpfütze, hm, ich soll es doch mal nebenan probieren, sonst könnt ich damit noch liegen bleiben, ja, so sehe ich das auch noch, ich will doch nicht liegen bleiben übers Wochenende, das erste Wochenende, wo ich das Auto für mich habe, sonst fährt Ted immer drauf, dem das Auto gehört. Ich muss ja schließlich auch mal was verdienen, die Miete ist fällig und ich habe noch nichts zusammen dafür. Sagen die mir in der Werkstatt, das ist nur Kondenswasser, von der Klimaanlage, heute ist eben sehr schwül! Peinlich, peinlich.

12.00 Uhr. Ich lese zwei sehr knapp angezogene Mädels auf, es wird ihnen gleich hinterher gepfiffen. Nutten, denke ich, die langen Dienst gehabt haben und nach Hause wollen, habe ich in Deutschland jede Woche gefahren. Die eine fängt gleich zu schlafen an. Doch es stellt sich heraus, dass sie nachts lang aus waren und auswärts pennten. Wir alle sind müde, ich bin kein bisschen in Flirtstimmung, sie sowieso nicht, sie feilscht mir sogar noch einiges an Geld weg, ich hätte ja ritterlich zu seien, sie könnten so nicht rumlaufen, nachts wäre das was anderes, aber Tags! Und wo ist dann der Freund der holden Damen, in solch ritterlichen Situationen? Ich hab die Arbeit und den Spaß ein anderer.

„You just hit my blog.“ Eine junge pastry-chefin lädt meinen Kofferraum mit Torten voll, ich gebe ihr zu verstehen, dass ich nicht über sie schreiben werde, weil ich ja schon über die anderen Torten was verzapft habe. Dann aber: sie will da vorne halten, „it’s just close to the pawn shop“. Oh, sage ich und verstehe porn shop, dummer Deutscher, das hätte ich jetzt nicht gedacht, erstens, dass es hier, England, in dieser Gegend einen gibt, weil es in Brighton eigentlich nur zwei, direkt nebeneinander hat, und zweitens, dass sie das, England, so locker erwähnt, das ist doch eigentlich ein Tabuthema, nicht wahr, die Leute gehen doch da heimlich hin, nicht wahr? Sagt keiner, mein Pornoshop, wo ich immer einkaufen gehe oder, sagt jeder, mein Supermarkt wo ich immer einkaufen gehe, nicht wahr. „Erm“, sage ich, „I didn’t know there was a porn shop“, lockerer Deutscher, nicht wahr, da gibt es keine solchen Tabus und dann wird mir endlich klar, dass sich pawn und porn fast gleich ausspricht und ich gebe das natürlich gleich zum Besten, hatte mich gewundert, wenn sie das gemeint hätte. Ja, sagt sie, das hätte sie dann auch nicht erwähnt. Ja ja, England, sage ich, in Deutschland hat es einen Pornoschuppen um jede Ecke. Stimmt zwar nicht ganz, aber das beeindruckt sie.

14.00 Uhr. Endlos viele Tüten, mit Hilfe, ums Eck, ohne Trinkgeld.

14.30 Uhr. „You always surprise me, you English“, sage ich grinsend. Sie kommt aus der Türe und sagt mir verlegen grinsend, sie könnte die Türe nicht mehr zuschließen von Außen, sie werde also die Türe von Innen schließen und dann durch das Fenster nach Außen steigen! Gesagt, getan, sie kommt durchs Fenster heraus gekrabbelt und schließt es notdürftig. Natürlich lässt es sich noch öffnen. „Da weiß ich also gleich, wo ich heute Nacht einsteigen kann“, sage ich ihr gleich.

15.30 Uhr. Es ist schwül und kein Lüftchen regt sich. Die etwa eine Millionen Autos in Brighton verwandeln die Luft in rußigen Brei. Ich steh an den Arches ab, der ehemaligen Strandpromenade am St. James’s Strand, die nun, besonders am Wochenende als Parkplatz herhalten muss. Brighton, die Hure verkauft sich, wegen ein paar Parkeinnahmen ist es hier unerträglich. Die Leute sitzen in den Cafés wie auf einem Parkplatz, es stinkt nach Dieselqualm, die Aussicht aufs Meer durch vier hintereinander geparkte Lieferwagen versperrt. In tausend Jahren wird man sagen, ja, das Mittelalter war schlimm, aber das Automobilzeitalter erst! Nie habe ich Brighton mehr gehasst als jetzt.

Samstag, 30.8.

Nie habe ich Brighton mehr geliebt als jetzt. Heute ist strahlender Sonnenschein und es weht eine angenehme Brise. Ich kriege eine Fahrt nach Peacehaven, meine „alte Heimat“ für 20£ und hüpfe ein wenig nackig ins Meer, herrlich kühl und frisch. Ich zuckele gemächlich die Küstenstraße entlang und lasse mir dabei ein richtig gutes und preiswertes Sandwich schmecken. Dann kriege ich gleich zwei Anschlussfahrten, die mir nochmal 20£ einbringen und mich direkt vor die Haustüre bringen, zum Pause machen. Wir passieren eine kleine Autokorsodemonstration, aber sie hat keine Freiburger Dimensionen, es sind nur ein paar Atos, die ein paarmal schüchtern hupen. Es sind Leute aus Peacehaven, die sich gegen eine Mülldeponie wehren. „Brighton, we don’t want your rubbish… it’s Peacehaven, not Poohaven“. Sie behindern uns, ich sage „oh, get on with it!“ Mein Fahrgast ergänzt humorvoll „yeah, make your point and leave!“

Sonntag, 31.8.

Es ist ein Türe schlagen hier! Am Anfang habe ich über die vielen Aufkleber „don’t slam the doors“ gelächelt, inzwischen frage ich die Leutchen ob das hier wohl Grand Slam Country sei.

Gestern bin ich das erste Mal in die Saturday Night hinein gefahren, bis 21.00 Uhr, länger habe ich es nicht ausgehalten. Bemerkenswert waren die vielen Leute und der schreckliche Verkehr. Ebenso der Pier, der bei Tag eigentlich nicht viel hermacht und sich aber in der Nacht vom dunklen Meer abhebt, funkelnd wie ein Juwel. Ich kriege eine Beschwerde von einer betrunkenen Frau, die wohl enttäuscht ist, dass ich nicht mit ihr flirte, sondern ihr versuche klarzumachen, dass die Leute sehr oft reklamieren, wo das Taxi denn bleibt, anstatt rauszugehen und zu winken, dadurch verliert man oft nochmal drei Minuten. Sie hätte aber nicht reklamiert und es entwickelte sich ein unglaublich zäher Dialog deswegen, der uns beide nur nervte. Die Zentrale rief mich auf Handy an und ich musste es beantworten, während ich illegal auf einer vierspurigen Straße nach rechts abbog, ich kam mir vor wie ein Gemälde von Van Gogh (der Schrei).

11.00 Uhr. Ich kriege nach fünf Minuten angestrengtem Zuhören, während ich mich durch den Verkehr wühle, einen long roader, nach Bethnal Green. Kenne ich doch, denke ich, da habe ich doch mal zwei Monate gewohnt, in London, ’84? Ist es das? Ich fahre zum Office, den Zettel abholen, ja, es ist es! Super, ich fahre gleich drei Kilometer nach Hause und schaue es mir ausführlich auf der Karte an. Von der Becks Road, wo ich hin soll, ist es gerade ums Eck in die Claredale Street, wo ich in dem Studentenheim gewohnt habe, lang ist es hier. Ich freu mich total, natürlich fahre ich dann anschließend dorthin und schau mir das alles noch mal an, 17.30 Uhr soll ich die Leute abholen, 129£ sind ausgemacht. Super!

16.30 Uhr. Ich bin Montpelier und kriege Gatwick-take-up, normalerweise spitze, Leute hinfahren, 43£ wieder mit nach Hause nehmen, ohne großen Aufwand. Bedauernd lehne ich ab, das kommt zeitlich nicht hin. Stattdessen kriege ich meine ersten wirklich lärmenden und besoffenen zwei Engländer aus der Kneipe. Es gilt sich nicht unterkriegen lassen, deutsches Häschen, wie oft habe ich zu Hause schon besoffene Krakeleer gefahren, sie wollen einfach nur ein wenig auf die Pauke hauen, viel Luft, große Klappe und nichts dahinter. Aber das war nicht in einem fremden Land mit fremder Sprache und in einer fremden Stadt. Sie texten mich voll, wie ich zu fahren habe, ja, der Ausländer kennt sich halt nicht aus, ich muss gleich noch nach London, sage ich, that’ll be fun. Ja, das sollte ich eigentlich finden, das sei da irgendwo Richtung Norden. Ja, ich habe schon davon gehört. Es ist groß und da oben Richtung Norden, werd’s schon finden. „London is full of foreigners“, sagt der eine, „you will feel yourself at home.“ Klar, ist heimelig mit anderen Ausländern, kann man sich gegen die Engländer verbünden, die wie mir erst einer erzählt hat, die grössten Rassisten auf der Welt sind. „They hate the Blacks, they hate the Indians, they hate the Arabs…“, sagt er mir und betont das Wort hate jedes mal. Besonders die Bahnhofskutscher geben sich hier nationalbewusst, Englandfahne oder -aufkleber am Auto. Ein Kollege schrieb einmal, sagte er, eine Art Kolumne, die er dann an andere Kollegen verkauft hat, für ein Pfund, wurde aber vom Council gestoppt, weil er wohl rassismusmässig kein Blatt vor den Mund genommen hat, so nennen die Leute hier die Sikhs, die Turbanträger, „ragheads“, also Lumpenköpfe. Ich beschließe die Deutschlandkarte auszuspielen, mal sehen wie sie reagieren, schließlich bin ich nicht irgendein Ausländer, sondern komme aus Deutschland, ein Land, wozu die Engländer eben immer irgendwie ein besonderes Verhältnis haben. Zwei blutige Kriege, die nur mühsam, mit amerikanischer Hilfe gewonnen wurden, das Wirtschaftswunder, die deutsche Perfektion, der Fußball, die tollen Autos, ein Land wo eben alles irgendwie klappt, eine Mischung aus Respekt, alter Feindschaft und neuer Freundschaft, Bewunderung, Neid… irgendwie etwas Besonderes eben. „Where do you think I’m from?“ sage ich also in herausforderndem Ton. „Oh, you’re a serb…“, sie überlegen, …or whatever…“ Verachtung schwingt mit, irgendso ein Land halt, wo man es nicht aushalten kann und nichts verdient, so geht man also nach England und nimmt den Leuten hier ihre Jobs weg – ich sage es ihnen. „Oh!“ Die Verachtung ist weg, sie suchen erstmal nach Worten, dann, natürlich: „You’re a Kraut!“ „Yes“, sage ich stolz, als ob das eine Art Ehrentitel sei, ich mache jedenfalls ad hoc einen draus. „I’m a Kraut.“ Ich füge hinzu, es seien genau zwei deutsche Taxifahrer in Brighton, nicht mehr. „Yeah“, sagen sie und lachen, „there would be more of you, if we wouldn’t have won the war!“

17.30 Uhr. Ich bin direkt gegenüber meiner Wohnung frei geworden und hätte dort Feierabend machen können oder einen anderen Job annehmen können, aber London is calling. So fahre ich also drei Kilometer zum Adelaide Crescent und stelle mich an die mir genannte Nummer und warte eine Viertelstunde. Bevor mir klar wird, ich habe ausgerechnet heute Adelaide Crescent mit Palmeira Square (beide formen zwei U’s, die sich an der Unterseite berühren), verwechselt, nachdem ich dort schon 20mal war! Klasse! „I’m worried, if you’re not able to find Adelaide Crescent, how would you be able to find Bethnal Green?“ Aber ich habe es mir doch auf der Karte angeschaut! Aber ich habe doch dort gewohnt! Wie üblich, wenn ich müde bin, ist das alles nicht so einfach auf Englisch und am Funk rüber zu bringen, (während man hektisch eine Einbahnstraße rückwärts fährt), ich stammele hilflos herum. Ich hätte fünf Minuten, die Adresse zu finden, sagt er streng, dann würde er einen anderen hin schicken. Eine Minute später bin ich dort und spreche mit den Leuten. Ob ich Sat Nav hätte, fragt er mich derweil. Nein, ich habe kein Sat Nav. „They don’t want you any more, I’m afraid.“ Ich schaue mir die Leute an, sie wirken eiskalt. Nebel zieht auf, ich resigniere. I don’t want them either, I’m afraid. „I don’t really care!“ sage ich trotzig. Ich mache Feierabend und springe ein wenig ins Meer. Es gibt viel Wichtigeres im Leben. Ich kann mir Fehler und Schwächen verzeihen, wie oft habe ich schon Mist gebaut und es ist immer weiter gegangen. Wenigsten weiß ich wo der Tesco-pick-up-point ist, ich bin zwar blöd, aber nicht dumm. Wenn ich da zehn mal hin fahre, habe ich auch 50£ zusammen. In etwa 50 Jahren habe ich dann meine Schulden abbezahlt.

Montag, 1.9.

Gleich beim Aufwachen muss ich daran denken, dass der Sat Nav wohl die direkte Route nehmen wird, über die A23 und nicht die von mir mühsam Ausgearbeitete, über die M25/A20/A102, durch den Blackwall Tunnel, Aspen Way, dann Burdett-, Grove-, Victoria Road, so werden sie wohl viel länger gebraucht haben.

Der Nachbar lässt wie jeden Morgen sein Motorrad an und fünf Minuten warm laufen, dass mir es schön die Abgase ins Fenster weht, bevor er wegfährt, das ist nervig, vor allem, denke ich, schlucke ich schon Abgase genug.

Gestern hat die Töle im Nachbargarten den ganzen Tag gebellt

Ich habe wieder gelben Schleim in der Lunge, das stinkt mir, denn dann bin ich immer müde und wenig belastbar.

Verbissen fahre ich den Pick-up-point an, den kenne ich doch wenigstens und kann nichts falsch machen, und trage Plastiktüten, wie zum Hohn kriege ich ständig 3£ Fahrten. Auch eine sehr süsse Omi, es gibt nur 3£, aber sie sagt wenigstens zehn mal darling, dear und love zu mir.

Ich sehe Frischfleisch an der Hove Town Hall, die das Rollstuhltaxi demonstriert kriegen, etwas völlig Sinnloses, wie ich inzwischen sehe, da es niemand braucht außer den Wenigen, die damit ausgerüstet sind und die könnten es ja auch noch gezeigt kriegen, bevor sie dann loslegen. Am Liebsten würde ich rufen, „don’t do this job, it’s complete rubbish“, aber ich weiß ja, wie ich damals die Taxifahrer beneidet hatte, sie hatten die Prüfungen hinter sich und waren im Job, während ich mir noch Geld zusammen betteln musste. Wie sehr er einem dann stinkt, war mir damals nicht bewusst, ich sehnte mir so sehr den ersten Tag herbei.

Ich fahre wieder den Opi, der immer den Gag bringt mit den Himmelsrichtungen, dass er die so genau weiss, weil er bei der Marine war. „There’s fucking East- and there’s fucking West-Crescent. Wo ich denn her sei, fragt er mich, ich sage es ihm. Er schaut mich zwei Sekunden völlig verdutzt an. „You’re a fucking Kraut!“ Sagt er dann ungläubig, gestern hat er doch noch auf sie geschossen und heute fahren sie ihm vom Einkaufen nach Hause, machen sich im Land breit, da kommt er nicht mehr mit! „Sorry about the fucking war“, sage ich, grinse dabei, er schüttelt mir die Hand zum Abschied. „Don’t start another war“, sagt er noch. Sage einer, ich bin hier nur, weil ich schnell reich und berühmt werden will. Friede und Völkerverständigung, das ist es!

15.00 Uhr. Ich fahre ein letztes Mal den Pick-up-point an, für heute. Eine süße Omi erzählt mir, dass die Türen bei den Londoncabs nie richtig schließen, wenn man sie nicht zuschmeißt, sie kriegte dann immer zu hören „please shut the door properly“.

Dienstag, 2.9.

8.00 Uhr. Gegenüber Stand Tesco Portslade liegt einer auf dem Boden, Leute um ihn drum, ein Krankenwagen ist auf dem Weg. Unmöglich zu sagen, wie lange er da schon liegt, vielleicht ja schon die ganze Nacht, sie machen ja erst um die Zeit auf, er sieht ziemlich tot aus.

8.20 Uhr. Drei aufgekratzte Girlies zum Bhasvic. Sie albern herum und benutzen unanständige Ausdrücke. Ich ermahne sie scherzhaft sich zu benehmen, ich schreibe ein Blog.

10.20 Uhr. Mutti mit drei lebhaften Kindern zum ASDA. Die Jüngste quengelt lautstark. „She doesn’t like the sound of the taxi“, sagt ihr Brüderchen da und meint es wohl gut. „Well, I don’t like her sound either!“

Ein Restaurant hat eine Zweigstelle in der Marina, sie schicken sich gerne Sachen hin und her, Wein oder das letzte Mal waren es Servietten. Diesmal ist der Kühlschrank kaputt und ich kriege den ganzen Kofferraum voll schwerer Kartons.

„Du bist so nett, du bist sicher kein Engländer“, sage ich zu einem jungen Typen. Nein, er ist Schotte! Wieder mal recht gehabt.

Ich ertappe mich wieder einmal viel zu viel zu reden und die Leute vollzutexten, wie ich es schon in Deutschland immer gemacht habe. Ich sollte einfach cool sein und nur ab und zu „schon“ sagen und zynisch lächeln und schon hätte ich jede Menge Frauen.

Donnerstag, 4.9.

Erster Schultag in England, außerdem gießt es wie aus Kannen, endlich mal wieder ein richtig guter Tag. Dieser August ist der regnerischte und trübste seit Beginn der Aufzeichnungen, dafür waren aber Mai, Juni, Juli sehr trocken. Ich fahre ein kleines Mädchen mit Daddy, sie quengelt und will anfangen zu heulen. Ich nerve den Papa, indem ich auch anfange zu quengeln, jedes mal, wenn sie heult „heule“ ich auch, ich hatte so einen stressigen Tag, buhu, er fängt schnell die Tochter an zu trösten, indem er alle möglichen Versprechungen macht, dieser komische Taxifahrer da ist ihm nicht geheuer.

Heute hatte ich drei Fehlfahrten in Folge, ein noch nie da gewesener Rekord. Außerdem wieder eine extrem giftige Person, die gleich ausflippte, als ich einen anderen, aber meiner Ansicht nach besseren Weg nahm und sich beschweren wollte, „what’s your number?“ „Why do you want to complain about me?“ „Okay, refuses to give his number, too!“ Diese wäre meine dritte Beschwerde und ich beginne zu realisieren, dass ich bisher nur Beschwerden von Frauen bekommen habe, sowie ich auch mit männlichen Vermietern hier nie Probleme hätte, die beiden Frauen aber Hündinnen (bitches) waren. Ebenso war die Testerin vom DSA, die mich zweimal hat durchfallen lassen, eine Frau und die mir das Schrottauto verkauft hatte, auch eine. Was ist denn nur mit den Frauen hier los? Sie wollen alle Männer sein.

Ich halte umstandshalber auf der rechten Seite um einen Fahrgast aufzunehmen, und steige automatisch auf der linken Seite ein, obwohl mir das normalerweise nie passiert! Meine süße Omi lacht, ich sei wohl vom Kontinent.

Zwei junge Leute, die meinen Englands Regierung seien Nazis. Ich meine, wenn schon die Sun von den Labournazis schreibt, „wenigstens hätte die Gestapo Uniform getragen, wenn sie die Leute aus den Häusern gezerrt hat, Labour würde das nicht“.

Ich frage meinen Fahrgast, ob sie den besten Weg kennt, nein, sie überlässt das mir. Aber nicht, dass sie sich hinterher beschwert, nein, das macht sie nicht. Unterwegs fängt sie aber schon an, sich zu beschweren, als klar wird, dass dieser Weg nichts bringt! Sie hört aber auch nicht auf, als ich ihr klarmache, dass wir doch ausgemacht hatten, sie werde das nicht tun.

Ich fahre schon wieder eine Deutsche, ich merk das schon beim Einsteigen, obwohl ihr Englisch perfekt ist. Sie will mich anrufen, sie selber ist verheiratet, hat aber eine Freundin, „die für mich interessant wäre“, Ups, da ist ihr wohl ein wenig was herausgerutscht, na, dann bin ich ja mal gespannt!

Sonntag, 7.9.

Es regnet in Strömen seit Tagen. Ich habe zehn Tage in Folge gearbeitet, mit nur einem Tag frei dazwischen, ich bin total kaputt.

Meinem Hasen geht es gut, das Auge sieht sehr gut aus.

Ich war gestern wieder in Heathrow und sie konnten mich nicht abschleppen, weil ich ganz schnell wieder abgehauen bin, nachdem ich den Fahrgast abgesetzt habe. Er war arabischer Sprachschüler und sein Englisch war sehr schlecht, so dass ich mich in der Rolle des Lehrers gefallen konnte.

Ob ich Karen Duve gelesen habe, fragt mich Andi, sie sei einmal Taxi gefahren und fand es grauenhaft. Nun habe sie Erfolg mit ihren Büchern und das was sie übers Taxi fahren geschrieben habe sei ein Riesenbestseller. Dazu kann ich nur sagen, auch ich finde Taxi fahren grauenhaft, aber noch grauenhafter, das ich meine besser zu schreiben als sie und einfach nur keine Zeit einen Verlag zu finden.

Ab hier geht es dann auf Englisch weiter! Die Zeit von Sept. 2008 – Februar 2009 nur auf Englisch und zwar auf meinem englischsprachigem blog: http://ejochenlembke.wordpress.com/

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Über Jochen Lembke

Europe's cab-driving writer
Dieser Beitrag wurde unter Blogeinträge seit 2009 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Aufzeichnungen England, September 2007 – 7.9. 2008, in deutscher Sprache

  1. Tom schreibt:

    schicke offroad fotos, hab mal geguckt wem die schleudern gehörn, der zweite scheint ein wichtiger zu sein!

    http://www.autoindex.zh.ch/
    Nummer eins: (zensiert) Montagefirma – evtl braucht er ja wirklich so einen Karren

    Nummer zwei:
    „Das Suchergebnis ist negativ ausgefallen. Begründung: Das Kontrollschild ist nicht in Verkehr gesetzt, oder bei der gesuchten Person besteht eine Auskunftssperre. “

    Aha, Auskunftssperre, da will einer anonym bleiben – kann nicht mal zu seinem suv stehn, jämmerlich

    Falls mal wieder einer auffällt, die Website lässt 5 abfragen pro tag zu 🙂

  2. jochenlembke schreibt:

    Lieber Tom, nimm als herzlichen dank Dank für diesen Beitrag hier exklusiv meinen heute erfundenen Offroaderwitz: „Warum taugen Offroaderfahrer nicht zum Exhibitionisten? Weil man Mühe hat seine Erektion zu halten, wenn man nur ausgelacht wird.“
    Jochen

  3. Angie schreibt:

    Hallöle, hab mich, wie ich Dir versprochen habe mal auf Deiner Seite umgesehen und gelesen und gelesen. Gefällt mir was ich bisher gelesen habe und kann nur sagen oder in diesem Falle schreiben *g mach weiter so.
    Gruß Angie (pepelino vom MSN-Forum)

    • jochenlembke schreibt:

      Vielen Dank für das nette Kompliment! Schreib mir doch gern mal wieder. Sicher hast du auch meinen Coversong (link auf der Seite) angehört: „Oooh, Angie, don´t you weep, aaahhh,, your kisses still taste sweet…“

  4. Liliana schreibt:

    Yesterday, while I was at work, my cousin stole my iphone and tested to see if it can survive a
    thirty foot drop, just so she can be a youtube sensation.
    My iPad is now broken and she has 83 views. I know this is completely off
    topic but I had to share it with someone!

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