25.2. – 27.3.2009 (Die Zeit nach England)

Freitag, 27.3.09

Ein Video aus dieser Zeit, dass die Habsburgerstraße als eine einzige große Baustelle zeigt. (Natürlich beschleunigt.)

Habe heute in Grindelwald angerufen, in “dr Schwiiz”, wie es mit dem Taxischein dort aussieht. Die haben mich dann gleich an das Straßenverkehrsamt für den Kanton Bern, in Bern, verwiesen, wo ich ein etwas lustiges “Gespräch mit einer Schweizerin” führte. Sie fand es wohl irgendwie ganz süß, das sich ein Deutscher nach einem Taxischein in der Schweiz erkundigt und so hatte ich Mühe die nötigen Information zu bekommen, bei dem schon fast ein wenig flirtigen Gesprächsverlauf. Zumal eine ziemliche Begriffsverwirrung herrscht, da in der Schweiz gleiche Begriffe oftmals eine völlig andere Bedeutung haben wie hier. Jedoch, die Schweiz, was ich ja bereits schon mal irgendwo gehört habe, erkennt einen Taxischein aus dem europäischen Ausland an, in der Theorie jedenfalls. Was dann noch um Einzelnen dazu kommt, weiß ich noch nicht, vielleicht kann man dann ja auch den europäischen Führerschein einfach in den Schweizerischen umtauschen? Wir werden sehen, ich werde mich jedenfalls weiter umschauen, so ließe sich das Dreivierteljahr, bis ich dann in Frankreich fahren kann, am Besten überbrücken, am Fuße der Eigernordwand, gelle? Wohltuend war auch, dass doch die Meisten dort Hochdeutsch sprechen können und auch z.B., das Telefonansagemenü sich nicht groß von einem solchen in Deutschland unterscheidet, was das Hochdeutsche anbelangt.

Sonntag, 22.3.09

Es war wieder saukalt heute morgen.

Buntes Freiburg

Samstag, 21.3.09

In unserer Gesellschaft kommen auf einen Prof. Friedl, den Pfuschchirurgen mit seinen 2 Millionen Abfindung viele, viele kleine, arme Schweine, die das Geld der Klinik erwirtschaften, damit sie es solchen Leuten dann in den Hintern stecken kann. Für eine 5.50 Euro Materialfahrt brauche ich von Standplatz zu Standplatz eine knappe halbe Stunde. Weil ich auf Station hochgehen muss um das Material zu holen, da das Pflegepersonal diesen Gang einfach an den Taxifahrer delegiert. Was wir uns ja gefallen lassen, da die Klinik den best bidder nimmt, also das billigste Angebot, schlecht bezahlter Fuhrknechte. Der Schein aber ist beim Pförtner. Den muss ich dann auch noch ausfüllen. Dann muss ich die Fahrt machen und anschließend noch mal so viel Zeit aufwenden für den Gang von Parkmöglichkeit hinunter ins Notfalllabor. Am liebsten hätte ich gesagt, hier in dem Umschlag sind die 2 Mio für Herrn Friedl. Vielleicht hätte ich dann nicht klingeln müssen, dass jemand kommt ihn abzuholen. Immerhin haben sich jetzt 144 Anwälte aus dem Freiburger Raum dazu bereit gefunden gegen das Land zu klagen, deswegen, ihrer Meinung nach gehört dem Friedl null. Sicher alles junge Anwälte ohne reichen Klientel. Aber immerhin!

Fahre Mirko Sacher, einen jungen Typen, dem beim Eishockeytraining einer mit der Kniescheibe in den Oberschenkel gedonnert ist. Da geht es ja anders zu als im Fußball, wo sich die “Scheißmillionäre” ihr “Millionenknie” halten und stundenlang einen auf sterbender Schwan machen, “zeigen den Kameras der Welt weinend her ihr Wehweh…” (zitier mich ja am liebsten immer selber.) Frag ihn, ob es stimmt, dass auch im Amateurbereich im Eishockey Aufeinander-ein-geprügelt wird und er bejaht. Moment, Amateurbereich, sag ich, es gibt doch auch Profis und ja, er darf auch schon mal bei der Profimannschaft mitspielen, den Wölfen, die ja immerhin wieder in der zweiten Bundesliga sind! Viel Erfolg, Mirko (oder Mirco?)

Mittwoch, 18.3.09

Ich komme völlig fett und untrainiert aus England zurück und werde mich in einem halben Jahr wieder auf Höchstleistung klettern!

Sonntag, 15.3.09

Schicke ich Idiot heute Morgen, nach von England Standdisziplin gewohnt, jemanden nach vorne, als vierter, sehe ich mit an, wie den sich schon der dritte krallt! Nie wieder! Und ich kann dann eine halbe Stunde stehen, zwischen zwei Rollreklameständern, die SummSumm machen. Aber sie bringen der Stadt ja Geld, nicht wahr?

Winnenden! Welcher Radiosender auch immer, überall die gleichen Leute, die die gleichen Heucheleien von sich geben, die vor Betroffenheit triefen. Die Schüler aus jener Schule würden jetzt betreut. Was sagt man ihnen denn? Sieh mal, wir leben eben nun mal in einer Gesellschaft in der nur Beziehung und Kohle zählt, entweder deine Eltern sind reich oder haben Beziehungen oder du wirst eben zu denen gehören, die mit ansehen müssen, wie Steuerhinterzieher sich eine 20 Millionenpension auszahlen lassen, während du als kleiner Postangestellter zu knapsen hast, deine Rechnungen bezahlt zu kriegen. Raffen, betrügen, nach oben buckeln und nach unten treten und vor allem heucheln, heucheln, heucheln. Das war vor Winnenden so und wird auch danach wieder so sein.

Hole meine erste 68-Omi mit Gehwagen und deutlicher Tattrigkeit vom SWR3 ab. Dort sprach Walter Mossmann und Gernot Erler über die Bedeutung von Bürgerinitiativen und deren Bedeutung für die Demokratie. Ausgerechnet der!

Samstag, 14.3.09

Kämpfende Krähen

Es wird Frühling, die hübschen Mädchen laufen schon im T-shirt herum…

Und Omis besuchen ihren Ehemann (Ehemänner?) auf dem Friedhof

Donnerstag, 12.3.09

Der Nerv ist gezogen, der Zahn gibt a Ruh! Tja, wenn alles immer so einfach wäre!

Eine Kassiererin wird fristlos gefeuert weil sie für 1.30 Euro einen Pfandgutschein einbehält, das Gericht spricht dem Arbeitgeber Recht, ein Professor Friedl, Fachgebiet Pfusch in der Chirurgie, kriegt 6 Jahre lang sein Luxusgehalt weiter bezahlt bis das Gericht ihm eine Abfindung von 2 Mio zuspricht – Amokschützen immer nur psychisch gestörte Einzeltäter oder doch Ausdruck der Wut in unserer Gesellschaft, gegen Ausbeutung, Ungerechtigkeit und Gleichgültigkeit? Nur… treffen die leider immer nur die Falschen!

Mittwoch, 11.3.09

Sich Kranken zu versichern in England ist billig und ein Kinderspiel, da staatliche Krankenversicherung, NHS. In Deutschland, teuer und bürokratisch!

Leute, ich krepier‘ grad schier vor Zahnschmerzen, falls es jemand interessiert.

Montag, 9.3.09

Samstag und Sonntag, 8.3.09

Die ersten beiden Tage Taxifahren in Deutschland, seit ich wieder zurück bin. Ich versuche so einigermaßen erfolgreich auf der rechten Seite zu fahren, lange nach links mit der Hand, wenn ich schalten will. Der Lenker ist links, der Schalthebel ist rechts!

Lenkrad links?

Ich kriege am Samstag ein fossiles Taxi, das man bei Ausgrabungen aus der Römerzeit fand. Als ich wegging hatte es 650000 Kilometer, nun 850000.

Der Tarif in Freiburg ist deutlich höher, Brighton ist mehr Fleißarbeit, viele kleine Touren mit 3 Pfund und vier Koffern oder fünf Plastiktüten, hier steht man bis zu einer Stunde, wenn man dann aber eine Fahrt hat sind gleich mindestens 7 Euro drauf, durch die unterschiedlichen Tarife. Brighton, tags, 2.40 Einsteiger, Kilometer… Gott, weiß ich schon gar nicht mehr, bisschen mehr als ’n Pfund glaub ich, 1.20 oder so… Freiburg 3.10, erster und zweiter Kilometer 1.80. (Pfund rechne ich mal gleich Euro, ich habe ja für 10 Pfund grad noch mal knapp 11 Euro bekommen.)

Jobcomputer Freiburg

Mein Jobcomputer ein Jahr lang davor

Und ein Jahr später.

Dafür steht man aber auch ewig, man hat das Gefühl Taxifahren hier sei eine Beschäftigungsmaßnahme für Arbeitslose, man kann ungefähr von 2 Autos pro Job ausgehen oder besser gesagt, von den was weiß ich, 220 Konzessionen in Freiburg tun’s auch die Hälfte. Kurzarbeiten würde ein Unternehmen, das Gewerbe aber ist kein Unternehmen sondern ein S…haufen. Schreib mal den vielen, vielen Leuten, die dann und wann mal Taxi fahren vor, sie dürfen nur noch soundso viel Stunden fahren, fraglich, ob das überhaupt geht. Die Geschäftsleitung, jedenfalls, setzte vor 3 Jahren, als auch meine Wenigkeit mit strukturellen Verbesserungsvorschlägen kam, auf die Verbesserung der Konjunktur, stattdessen. Sie ist aber schlechter geworden, anstatt besser, und es ist nicht abzusehen, dass sie jemals, so bald.

Meine erste Fahrt ist seltsam. Die Sprache ist so komisch und die Leute sind gleich beleidigt, wenn ich lache. „Machen Sie sich über uns lustig? Sind Sie denn überhaupt Deutscher?“ Jawoll, Sturmbannführer.

Man hat wieder Euro, statt Pfund, die ich jetzt 9 Monate befingern konnte, ständig, dieses dünne, schietige Papier, ständig zerkrumpelt.

Man hört wieder international unbekannte, eben deutsche Musikauswahl, deutsche Kultur. Deutschland, ein Land, was einmal weltbedeutend war, nun nur noch eine Art (größere) Schweiz mit Automobilindustrie ist.

Fahre nette Omi, mit langer Unterhaltung, im Ausland war es immer aufregend, Deutschland und gerade Freiburg wird mir schnell zu eng werden.

Nette Frau, die vorne einsteigt und ohne betrunken zu sein auf eine angenehme Art vertraulich ist. So etwas gibt es in England nicht, entweder kühl oder „besoffene Schlampe“, dazwischen gibt’s nix. Ich konstatiere, dass es viel einfacher mit dem „you“ ist, man muss nicht überlegen ob man sich duzt oder siezt. Gleichwohl muss man zumindest im ersten Satz „Sir“ oder „Madam“ sagen, wenn es angebracht ist, sonst ist es unhöflich. Das wusste sie nicht. Sie fragt mich, warum ich denn nichts anderes machen wollte und ich stelle fest, sie hat von meinem Konzept keine Vorstellung. Ich bin Europas taxifahrender Schriftsteller, der berühmteste Taxifahrer der Welt und es gehört zu dessen tragischen Aspekten, dass er dies ist in einem Job – den er hasst. Nicht wahr, kein Größe ohne Tragik? (Genauso wie mein Liebesleben, das hat ja auch diese tragische Größe – oder besser gesagt, große Tragik.) Taxifahren… Stress, Abgase, Bewegungsmangel, die Pseudofreiheit, spät anzufangen und früh aufzuhören, dafür aber nur ein Viertel eines anständig bezahlten Jobs zu verdienen. Gefahr, Gestank und durchgeknallte Leute, ach was soll ich noch weiter dazu aufführen. Nein, sagt sie, den Job wolle sie auch nicht machen. Sagen ja alle. Der fliegende Holländer bin ich, dazu verflucht zu siegen oder unterzugehen, Taxi zu fahren bis ich Erfolg habe oder an Abgasen und Langeweile zu krepieren.

Zwei eher rüpelhafte Jungspunde morgens nach Zarten, er habe auch einen Rechtslenker, einen Vauxhall. Wie denn meiner, ein Renault, heißen würde, na Renault Clio, nur dass das anders ausgesprochen wird, so Englisch eben.

Jemand der nach Indien reist und viel in Taiwan und China unterwegs ist, beruflich, in England ist die Quittung nur so ein Fresszettel und hier so ein Bürokratenprodukt unserer korrektheitsweltmeisterlichen Geschäftsführung, er meint in Taiwan müsse man die Quittung selber ausfüllen!

Ein junger Typ, der zwei Monate Sprachschüler war in Torquay. Ich erzähle von England. „So ein aggressives Volk“, sagt er und kriegt sich schier nicht mehr ein, „die haben ja alle einen Dachschaden“, in einer Tour, er hört gar nicht mehr auf, „solche verfickten Arschlöcher… so was von aggressiv, hab ich in meinem Leben noch nicht erlebt, in Deutschland seien die Besoffenen wenigstens noch friedlich, aber dort können die mit Alkohol nicht umgehen, die ticken ja dann richtig aus, seien total krank im Kopf…“ eine richtige Tirade, ich sitze nur da und höre amüsiert zu, was habe ich ja jetzt 17 Monate erlebt, nicht wahr!? „Da kannst du froh sein, dass du wieder da bist!“ Ja, nicht wahr, bin ich ja. Teils. „Ich hab in meinem Leben noch nicht so viel Angst gehabt, wie da, wenn ich nachts allein unterwegs war.“ „Ja“, sag ich, „ich war ja in Brighton, das sich zusammen mit Blackpool den Titel größte Randalestadt Englands teilt! Ja, ja“, sag ich. „Brighton“, sagt er, „hab ich nur beim Durchfahren mit dem Bus gesehen, wie drei fette Tussen ’nen Typen zusammen geschlagen haben, dacht wo bin ich denn hier…“ Kommt hin, denk ich, die jungen Frauen dort (aus der Unterschicht) sind alle fett (und aggressiv). „Ich hab immer ’ne Eisenstange dabei gehabt, einmal sind da fünfzehn Jugendliche in den Bus reingekommen und auf mich los, da hab ich aber ordentlich mit meiner Eisenstange ausgeteilt! Dann kamen die großen Brüder, noch, von denen, die haben dann auch noch ordentlich abbekommen!“ Und ein Scheiß-Nazi sei man, als Deutscher. Na ja, ist nicht gerade meine Erfahrung, aber ich renn ja auch nicht mit ’ner Eisenstange herum, sondern bin ein Botschafter des Friedens, mit meinen vier Hasen. Und wie man in den Wald hineinruft…

KV-Arzt, er war bei einer Leichenschau, die sie nicht mehr auf KV Rechnung machen, sondern privat abrechnen. Ist ja ganz nett, der Mann, der da neben einem sitzt, hat gerade eben noch an einer Leiche herumgefummelt. Aber die Toten sind ja friedlich, die Lebenden machen ja die Probleme…

Fehlfahrt auf Kosten der Firma Djebbi. Ein Mercedes-Combi mit FR-DS… kommt mir vom Thermalbad entgegen, als ich dort einbiege, mit meinem Fahrgast drin. Diese Aasgeier, eigene Kunden haben sie nicht mehr.

In neun Monaten Brighton habe ich nicht ein einziges Mal einen Blitzer zahlen müssen, es wird nur ganz selten geblitzt und oftmals ist auch kein Film drin, aber hier gleich am zweiten Tag macht es Blitz! „The Blitz!“ Es sollte eigentlich eine Karte geben, wo in den 17 Monaten neue Blitzer aufgestellt wurden, extra für Leute wie mich.

Die Straßenbahn fasziniert mich, da es in England nur Stinkebusse gibt!

Mittwoch, 25.2.09

Besuch in Colmar, zum Abklären wegen dem Schein

Ich habe mich entschlossen den Schein für Frankreich erst nächstes Jahr zu machen, da ich für dieses zu spät dran bin. Die Schweiz wäre eine Alternative, aber die Schweizer sind ja noch viel größere Bürokraten als die Deutschen, sie wollen zum Beispiel einen Schweizer Führerschein!

Samstag, 21.2.09

Wieder in der Heimat!

„Flaggenparade“, die englische wird „eingeholt“ und die deutsche „aufgezogen“!

Habe ich gerade die Hemdglunker mitgenommen, oh shit, wo ich die doch nicht abkann!

Sehe ich den Gottschalk, den ja im Ausland keiner kennt, wie der was von Armut und Ungerechtigkeit erzählt…   Also, Armut ist für mich, wenn man wie ich 30000 Euro Schulden hat, und ungerecht ist, wenn der Gottschalk für jedes Gummibärchenlächeln noch mal ne Million nachgeschmissen kriegt, während ich ja wohl auch per Anhalter durch die Galaxis, Band 6, 2005 fertigeschrieben habe, dem Agenten von Douglas Adams davon erzählt habe – und jetzt 2009 offiziell eine Fortsetzung in Auftrag gegeben wird, ohne dass ich damals je überhaupt eine Antwort bekommen habe! Ein Kinderbuchautor wird genommen, der noch nicht mal im selben Stil schreibt – obwohl ich eine Neuübersetzung gemacht habe und schon vier Bände in seinem Stil geschrieben habe… Bei Armut und Ungerechtigkeit hört der Spaß auf, das ist sehr wohl war!

16.2.09

Ich setzte mit der Fähre über und fahre zurück nach Deutschland!

Einträge von August 2008 – Februar 2009 auf Englisch:

http://ejochenlembke.wordpress.com/

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Über Jochen Lembke

Europe's cab-driving writer
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