18.6. – 10.7.2009 (es geht in die Schweiz!)

Sonntag morgen, „live-post“

Mutter und Tochter zum Bahnhof. Hm, passiert ja wirklich sehr selten, aber ich finde die Mutter hübscher als die Tochter.

Freitag, 10.7.09

Der erste englische Fahrgast in fünf Monaten, seit ich wieder hier bin. Tja, wie ein Landsmann kam er mir vor, bin halt schon ein halber Engländer, hab das alles sehr vermisst. Ich denke auch, eine ganze Menge Dinge die mir dort gestunken haben, stinken mir hier erst recht. Die Leute hier werden immer bescheuerter!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Donnerstag, 9.7.09

Schaut mal was unsere netten englischen oder amerikanischen Freunde uns da hinterlassen haben, ist das ein Carepaket?

Also, auch unsere Schwachmatengeschäftsführung hat erkannt, dass man etwas tun kann um etwas Unbeliebtes in etwas immerhin Erträgliches zu verwandeln. Wer also jetzt Material oder andere so gut wie nicht bezahlte Scheiße fährt, der wird jetzt in einen Sonderraum gebucht und kriegt alle Aufträge aus dem Gebiet. Leute, am Ende, so vielleicht in fünf Jahren geht ihr doch noch auf meinen Vorschlag ein, dass die Klinikauswärtsfahrten Taxi Freiburg intern zu 20 % besteuert werden und so ein 5.20 Auftrag auf 10 erhöht wird. Es wird dann immer noch gerne auswärts gefahren, aber niemand rastet dann mehr in der Klinik aus, wenn ihm wie mir vorgestern so etwas geboten wird: der Patient ist noch nicht transportfähig und man kann dann ewig warten bis er von der Infusion befreit wird! Warum, weil die Zivis normalerweise so etwas fahren und der Patient dann ewig warten muss, so dass er oft genug noch Infusionen angehängt bekommt. Können die aber nicht, rufen die bei uns an und wir kommen sofort. Die geben aber nicht mehr auf Station Bescheid und so müssen wir dann warten.

Montag, 6.7.09

Sonntag, morgens um sieben. Zwei betrunkene Mädels sitzen vor dem Stand Tchibo am Boden und eine davon heult, es kommt ein ebenfalls nachtschwärmender Ausländer daher und setzt sich dazu. “Tschüss!”, schnappt die Heulende. Er steht wieder auf und steigt dann bei mir ein, ich fahre ihn nach Hause. Boy meets girl… why does it always have to be so complicated?

Wenn ich sage, ich kann nicht, krieg ich in diesem Land geholfen, aber woher nehm‘ ich denn jetzt 1000 Euro her? Einfach dumm stellen, dann kann man gut leben hier, aber Initiative wird nicht belohnt, sondern bestraft. Kein Wunder, dass Deutschland immer mehr absackt im internationalen Vergleich.

Nachdem ich mir so den Hintern aufgerissen habe bisher und dass mit dem Gesundheitszeugnis so schnell erledigt habe und nach Zürich geschickt habe, krieg ich den Brief zurück, ich habe ihn falsch frankiert. Ich bin so genervt und gestresst und überfordert, dass ich ständig Fehler mache, die mich wieder mehr Zeit kosten, seit sieben Jahren habe ich kaum eine Atempause gehabt. Und zudem hagelt es ständig Widrigkeiten auf mich herunter. Soll ich aufgegeben? Ich frankiere den Brief nach, werfe Münzen dafür in den Automaten ein. Eine 1.45 Briefmarke habe ich gewählt, ich zahle mit Kleingeld. Es werden eine ganze Menge Münzen. 1.43 habe ich eingeworfen, zeigt der Zähler, 2 Cent fehlen noch. Ich werfe sie ein, der Automat nimmt es nicht mehr an, er sagt die Höchstmenge von 15 Münzen ist erreicht. Ungeduldig breche ich ab. So kurz vor dem Ziel aufgeben? Ein Zeichen von Gott? Ich wähle neu und bekomme schließlich die Marke, frankiere und werfe den Brief in den Kasten, mit Sonntagsleerung, 12.00 Uhr. Viele Wege führen zum Ziel, wer weiß, wofür das alles gut ist.

Man hat den Taxischein in Freiburg erschwert, ein Schritt in die richtige Richtung. Aus einem Pool von 460 Straßen hat man nun schriftlich 6 Routen zu erstellen, das ist viel schwerer als damals. Dennoch, geschenkt, immer noch, im Vergleich zu Brighton.

Ein sehr netter Fahrgast bedankt sich bei mir, da denkt man, ein Taxifahrer, aber es kommt Goethe, sagt er. “Und Schiller”, sage ich frech. “Der schillernde Goethe”, improvisiere ich gleich dazu. Er erzählt mir, dass er im Senegal mal ein Taxi gebucht hatte für einen Tagesausflug. Er hatte allerdings vorher abgemacht, dass das Fahrzeug klimatisiert sein soll. Das Taxi dann war absolut heruntergekommen, mit durchgesessenen Sitzen, völlig verdreckt, (also etwa wie in Freiburg) und als er sagte was jetzt mit der “climatisation” wäre, kurbelt der die Fenster runter und sagt: “voila, la climatisation!” Und dann will er ihm noch seine hübsche Frau abkaufen, für seinen Harem, er hätte zwar schon drei, aber noch keine so exotische, blonde! Tja, deutsche Männer, sage ich nur, nehmt euch ein Beispiel…

Sattsehen an Sonnenuntergängen?

Schwüle bedingt gibt es Zeitphänomene, wie man hier an diesem Taxi aus den Sechzigern sehen kann.

Mit dieser Uhr kann abgerechnet werden, auf Mark und Pfennig genau!

Freitag, 3.7.09

Santo „is dead“ und wird bei uns angeschlossen! Ein Santofahrer erzählte mir, dass von den 20 Santolizenzen anteilig zum Auftragsvolumen 9 bei uns am Funk angeschlossen werden. Ein Schritt in die richtige Richtung, doch bleibt die Überkapazität somit, anstatt dass Lizenzen eingefroren werden. Jeder Unternehmer kann natürlich aus 10, zu 80% ausgelasteten Fahrzeugen genauso viel herausholen wie aus 8, zu 100%, nur die Fahrer verdienen dann halt auch dementsprechend weniger. Nur ein Gedanke, auf mich hört ja eh keiner.

Ein originelles Foto, oder nicht? Leider ist die Situation weniger originell, ich steh halt vor‘ ner roten Ampel und wart mir n‘ Wolf… So „Renn“weg is dat nich…

Tja, hab ich doch in Deutschland bisher noch keine Fotos von Fahrgästen gemacht, weil einfach dann gleich wieder alles so piefig und normal hier wurde, aber wurde es nicht toll? Ein herzliches Dankeschön an euch, Leute, ihr ward fantastisch und ich habe einen kleinen Vorgeschmack bekommen, wie es bald sein wird, wenn ich von der Technik her soweit ausgerüstet bin.

Daraus hatte ich dann gleich dieses nette Poster gemacht.

Die Russenmafia ist hinter mir her, man hat mich identifiziert! (Siehe vor 2 Wochen) Leute, ich habe nichts gesehen und gehört! Ich kann euch nicht wiedererkennen! Das war eine Stradivari in eurem Geigenkasten und keine Kalaschnikow und das weiße Zeugs in der Plastiktüte war Backpulver, dass ihr direkt bei der Fabrik gekauft habt, nicht wahr? Und ich habe vier Hasen zu versorgen,

Zwei Schauspieler aus Zürich gefahren, sie sagte, sie seien nicht eitel, sie wollen nicht per Foto auf meine Webseite. (Ich war lange genug Hobbyschauspieler, dass ich weiß, dass in diesem Metier alle möglichst weit vorne ins Rampenlicht wollen.) Also, Leute, auf Wiedersehen in Züri… äh, wenn nicht… siehe oben. (Ich hab so Angst!)

Donnerstag, 2.7.09

Nun muss ich das Straßenverkehrsamt loben, denn sie sagten mir zu eine ärztliche Untersuchung in Freiburg anzuerkennen, was nicht selbstverständlich ist. So habe ich also gleich die Untersuchung für den Taxischein in Freiburg machen lassen, 103 Euro hingeblättert und das nach Zürich geschickt. Klappt es allerdings nicht, so bin ich angeschmiert!

Ach ja, weiß ich noch aus England, wo sich da alles hingezogen hat, wie ungeduldig ich da geworden bin! Wenn ich doch nur wenigstens den DSA (Fahrschultest) schon hätte, habe ich mir gesagt! Und dann habe ich ihn gehabt und bin auch noch neun Monate Taxi dort gefahren – wenn sich auch alles noch so zäh hinzieht, ich habe immerhin schon den DSA-test! (Lembke ist eben ein ungeduldiger Mensch, aber er zeigt auch, manchmal, Einsicht.)

Dienstag, 30.6.09

Dieses Bild hat damals einen wahren Vorfahrenflash bei mir ausgelöst und auch zu dem Buch im Buch in Band 2 geführt, es zeigt meine Vorfahren mütterlicherseits, entstand um 1900 und zeigt meine Urgroßeltern. Zusammen mit meiner Oma mütterlicherseits, eine der beiden kleinen Mädchen, ich glaube sogar das in der Mitte. Ich komme nämlich aus recht gutem Hause mütterlicherseits, schließlich war mein Opa (nie nannte er sich so, sondern er war immer der „Großvater“) Architekt und hat unter anderem den Anatomiesaal in der Neuburg erbaut, indem seine Tochter (meine Tante) und sein Enkel, ich, präpariert haben. Dann stieß das zusammen mit meinem „Oppa“, der war nämlich Polier auf’m Bau – und so erklärt sich meine Mischung aus proletarischem Charme, zusammen mit dem bildungsbürgerlichen Anspruch.

Beten kann ich auch, wie man sieht.

Die größten Unterschiede zwischen Zürich und Freiburg sind wohl der Fahrtenschreiber und die Tatsache, dass viele Taxistandplätze dort privat sind, während sie in Freiburg ausschließlich öffentlich sind. Es kann auch sein, dass ein Stand nur an eine bestimmte Taxifirma verpachtet wird oder an alle drei Großen in Zürich. Funklose können eh nur im Wesentlichen am Bahnhof stehen. Der Fahrtenschreiber nun reglementiert, dass Pausen eingehalten werden und sorgt für einen Ruhetag in der Woche mindestens. Es ist aber alles furchtbar bürokratisch und pingelig und wenn man ohnehin eine Stunde Wartezeit am Stand hat, ist das mit den Pausen eh fraglich. Am Flughafen Zürich-Kloten nun läuft es so, dass man da eine Prüfung für die Gesamtschweiz ablegen muss, wenn man da berechtigt sein will. Klar, das ist ja der Airport Nummer eins im Land, noch vor Genf, denke ich, und es werden da einige längere Fahrten von abgehen. Sind jedoch nicht genug “Elitetaxis” da, weil gerade ein paar Flieger abgeräumt haben, so kann auch das Zürcher Stadttaxi laden. Das wird durch eine “rote Airportlampe” reglementiert, brennt die nicht, so kann man hinfahren und laden. Taxis anderer Schweizer Städte dürfen aber nicht laden und der Lörracher oder Singener schon gar nicht. Klar, gerade Deutsche lassen sich gerne von ihren eigenen Taxis abholen, weil die rund die Hälfte billiger sind, aber das geht nur über (telefonische) Bestellung. Und zahlen müssen alle drei Franken!

Ich höre noch nichts von unserem OB, aber der war (ist) ja gerade noch in Kanada. Ich drucke deswegen gerade nochmal seine “Taxi-Impressionen” ab, die er mir damals exklusiv, so habe ich das verstanden, geschickt hat und bedanke mich noch mal dafür.

Montag, 29.6.09

Die Firma Omniprint hat mir einen schönen Flyer gesponsort, dafür ein herzliches Dankeschön. Ist das nicht ein schöner Beginn? Sicher wird auch Mercedes-Benz bald nachziehen und mir einen schönen neuen 500 SE schenken, denn “Europas taxifahrender Schriftsteller will sich ja schließlich stilvoll durch Zürich bewegen, wie sonst kann ich denn interessante Kundschaft gewinnen, wie etwa Farrah Fawcett.. ne, halt… Michael Jackson… nee, halt… ach, ihr wisst schon, was ich meine. (Seufz, es ist alles halt so vergänglich auf dieser Welt, nur der Tod ist unsterblich.)

Äh, nun soll also die Überschuldung, die zur Krise geführt hat mit neuen Schulden bekämpft werden, aaaah so. Hat man das also erst mal nicht verstanden, so tut man sich natürlich erst recht schwer zu verstehen, warum Unternehmen wie Schickedanzens Quelle oder General Motors‘ Opel von Eigentümern und Aktionären jahrzehntelang ausgeplündert werden können, wenn sie nur Gewinn abwerfen, für Verluste und Sanierung sind diese aber nicht zuständig, sondern die Staatskasse. Denn es stehen ja Arbeitsplätze auf dem Spiel. (Warum bekämpft man dann denn eigentlich die Mafia, man gefährdet doch auch nur Arbeitsplätze? Und jeden Sonntag gehen die auch brav in die Kirche… also, lasst die doch auch in Frieden.)

OB´s, die Bücher von unbekannten Autoren geschickt bekommen, müssen immer mit solchen Bettelbriefen rechnen, in denen dann auf „wichtige Projekte von europäischer Tragweite“ hingewiesen werden. Es kam jedenfalls keine Antwort.

Investiert lieber in mich, Leute, ich habe ein Konzept, dass gute Rendite verspricht, darf mich aber für 5 Euro die Stunde in einem miesen Job abplagen, anstatt mit meinen Sachen vorwärts zu kommen. Und dann haben wir aber Leute, die das, was ich mache ganz schlau einfädeln, nämlich über Ich-AG. Die kriegen dann also 1200 Euro pro Monat Staatsknete fürs Gemütlich-angehen-lassen, während ich mich hier abhampeln darf und hinten und vorne nicht weiß wie ich rumkommen soll. Ich habe jetzt etwa 15 lokale Medien per Email angeschrieben, für mehr, etwa ein ausgedrucktes Schreiben per Post, habe ich keine Zeit. Man muss eben alles in den richtigen Proportionen sehen, so auch die Freiburger Medien sich selber, was ihnen halt “e weng” schwer fällt. Ich werde, so Gott will (und politisch korrekt ausgedrückt, auch Allah und diverse andere selbstverständlich auch zu erwähnende Gott- oder Heiligkeiten), vielleicht wirklich einmal der weltweit berühmteste, heute lebende Freiburger sein (2011: ich lass diese Stelle nur drin, weil ich über mich selber lachen kann! Große Euphorie, damals!) und ich kann nicht mehr Zeit investieren als etwa für einen kleinen Artikel, den ich per Email an etwa die New York Times schicke. Denn die haben sogar eine kleine Kolumne für freie Beitrage, machen so nicht lokal, sondern global Werbung für einen und zahlen sogar Honorar – mit ein wenig Glück, versteht sich. Außerdem muss ich ja bald meine Medienkampagne in England anlaufen lassen, wo ich dann klar stelle, dass es für per Anhalter durch die Galaxis bereits eine ganze Menge “fan-geschriebene” inoffizielle Fortsetzungen gibt (äh, die beste davon ist natürlich meine) und kein Fan verstehen kann, warum die nicht berücksichtigt werden, sondern nun eine Lizenz zum Geldrucken, also ein offizieller sechster Band herausgegeben wird. (Ich gebe zu, ich hätte das ein wenig anders formuliert, wäre ich jetzt berücksichtigt worden und nicht Colfer.)

Deutsche Männer (ihr frauenverstehenden Schlappschwänze) nehmt euch ein Beispiel am Machismo eines Berlusconis etwa, der meint, er hätte nie für Sex bezahlt, er wolle sich doch nicht das Vergnügen der Eroberung entgehen lassen. (äh, übertreibt es aber nicht wie etwa ich, siehe mein “neustes Romanprojekt”, wenn es fertig ist.)

Das Tischtuch zwischen der Geschäftsleitung von Taxi Freiburg und mir ist endgültig zerschnitten. Auf eine Kritik und eine Beschwerde habe ich noch nicht einmal eine Antwort bekommen, ich habe ihnen „kleinklein“ vorgeworfen und sie antworten mir kleinklein, ich solle auf die Zentrale kommen, wegen dem Ausfüllen von Rechnungsbelegen. Ich füll die schon fast 20 Jahre aus und es gab nie eine Beschwerde. Die derzeitige Geschäftsleitung hat ein großartiges und erfolgversprechendes Konzept übernommen, eine funktionierende Großzentrale für Freiburg und was ist daraus geworden! Ich fordere die Geschäftsleitung also hiermit symbolisch auf einen Sanierungsplan für die Firma vorzulegen oder zurückzutreten! Von England kommend fällt mir dieses unprofessionelle Gewurschtel hier besonders auf, diese eigentümliche Mischung aus Resignation, südbadischem Phlegma und Langzeitstudententmief, einem intellektualisierendem Weltverbesserertum, das etwa aus einer Taxifirma eine Beschäftigungsmaßnahme für Asylbewerber gemacht hat (so kommt es einem jedenfalls vor) so nach dem Motto, wer wegen fehlender Deutschkenntnisse beim Hercher durchfliegt, den können wir doch nicht etwa ablehnen, Deutschland ist der Welt doch noch etwas schuldig! Zusammen mit den rostigen Autos kann man dann eben jenem zuschauen wie er stilvoll vor dem Colombi vorfährt und einlädt, während man sich dort auf den Termin einen Wolf wartet.

Samstag, 27.6.2009, „live-post“

Habe gerade Pierre Poissonet vom Zirkus Ronkalli gefahren, der mir nachvollziehbarerweise erlaubt hat ihn namentlich zu nennen – er ist Sänger und seine neue Single kommt jetzt raus. Ich habe ihm gesagt, dass ich noch kostenlos Werbung machen. Noch. Er hat mir auch erzählt, dass er im Kagan war, bei einer VIP-Party (sonst wär man da gar nicht rein gekommen, ach, nee…) und am Stand in ein Taxi gestiegen ist und der ihn zur alten Messe anstatt zur neuen gefahren hat. Was eine glatte Fehlleistung ist, ich sagte ihm, Nummer aufschreiben und nichts zahlen. Wir haben Leute, das glaube ich nicht. Und umgekehrt werden kreativen Leuten wie mir Steine in den Weg gelegt!

Freitag, 26.6.09

Wenn man hier „Gruezi“ mit einem schlichten „Guten Tag“ beantwortet und zudem etwas genervt über 57 Euro für eine unnötige Extrafahrt nach Zürich ist, kann man sehr schnell Schweizer Komplexe wecken, „das kleine Land, jederzeit bedroht von großen Nachbarn einverleibt zu werden“. Normalerweise sprechen die dort extra Hochdeutsch, in diesem Fall aber extra stark mit Schweizer Dialekt, so nach dem Motto, wenn du’s nicht verstehst, dann bleib doch daheim.

Ich kriege gerade einen Haufen Klicks von Leuten, die nach einem populärem Liedchen googeln, das ich noch nicht mal kenne. Seid gegrüßt Leute und wenn ihr hübsche Mädels seid, dann bedenkt, dass ich eine hübsche junge Frau suche, die mir alten Mann beim Erledigen von Kram hilft. Kann ich doch den Fahrplan nicht mehr lesen ohne Lesebrille und renne herum nach der Tram 31, dabei war das die 13! Ihr seht, Mädels, ich komme ohne Hilfe nicht mehr zurecht.

Mittwoch, 24.6.07

Üble Bürokratie in Zürich, die es erfordert, dass ich morgen extra hinfahren muss, um den Führerschein zu tauschen, was dann wieder bis drei Wochen gehen kann. Zuerst hieß es man kann den Führerschein zusammen mit dem Ausländerausweis bearbeiten, das ging aber nicht.

Sonntag, frühmorgens

Die Stimmung im Taxi ist müde, aber geil. Fahr zwei Typen, meint der eine, er wäre ja noch gerne mit dem anderen in den Puff gegangen, der habe aber keine Lust gehabt. Dann ein Pärchen, fragt der Typ mich, ob ich denn schon ein poppendes Pärchen gehabt hätte. „Nee“, sag ich, „aber wollt ihr den Anfang machen?“ Ich hätte aber dummerweise meine Kamera nicht dabei. (Das wär´s doch, Freiburgs-Porno-Taxi, da würde ich Klicks kriegen, das ist das was anderes als das intellektuelle Zeugs was ich da sonst schreibe und keiner kapiert!) Und eine Stunde später dann die Omis in die Kirche zum Beten. Oder wollen die nur Absolution, für ihre Sünden in ihrer Jugend?

Freitag, 19.06.09

Gestern habe ich eine sehr interessante Fahrt gehabt. Der Herr, etwa siebzig, sagte er sei 1958 ebenfalls Taxifahrer gewesen, während seiner Studienzeit! Lecker, was für ein Fund, will ich doch auch sehr gerne einen historischen Taxiroman schreiben, Jochen Lembke, Europas taxifahrender Schriftsteller, in Raum – und Zeit! Gerne würde ich etwas machen über den Zeitraum 1900 – 2000, so etwa anfangen und aufhören mit der jeweiligen Silvesternacht und auch etwas über die Firma Kern, Freiburgs ältester Taxifirma (die Autos sind schon seit Anfang an dabei) bringen, bei der ich ja fahre. Die handelnden Personen wären selbstverständlich Taxifahrer und der Alltag und Episoden aus 100 Jahren Fuhrknechtstum würden mit eingestreut, wär das nicht genial? Jedenfalls, er erzählte mir, er hätte damals beim berüchtigten “Konsul” Dettinger probefahren müssen, weil er mit den geforderten 2 Jahren Fahrpraxis (er hatte nur eine Isetta!) Schwierigkeiten hatte. Es sei ein richtiger “Hund” gewesen (ich meine, feudalistische Popanzen dieses Schlags sind heute eigentlich gar nicht mehr vorstellbar), der ihn die ganze Zeit angeschnauzt hat. So, dachte er, deine Dienstmütze kannst du dir gar kochen, bei dir fahre ich nicht (Die Fahrer mussten Uniform tragen und sich von ihrem Gehalt eine Dienstmütze abstottern!!!!) Er fuhr also beim “alten Santo”. Lohn hatten sie damals 1 Mark 25 plus Trinkgeld, wobei ich nicht weiß, ob sie dann die ganzen Einnahmen abgeben mussten, ich fürchte aber ja! Nach jeder Schicht wurde Wagen gewaschen, mit Schwamm und Schlauch! Und abledern! Das muss man sich heute mal reinziehen! Gefahren wurden die alten 180er Daimler, die “Pontons” von denen Herr Kern noch ein original Taxi in der Garage stehen hat, mit dem er bei Oldtimertreffen vorfährt und auf das ich ein scharfes Auge geworfen habe! Er hätte mal eine Fahrt gehabt, erzählte er mir, für 50 Mark in den Schwarzwald nachts, der Typ hätte dann durchs Fenster von Gasthaus abhauen wollen! (Ich meine, 50 Mark in Relation zum Verdienst von 1,25, das muss schon eine ordentliche Fahrt gewesen sein, damals, so wie wenn einer heute eine Fahrt nach Frankfurt Flughafen bekommt.) Jedenfalls, er konnte das zusammen mit dem Wirt verhindern und die Zahlung “veranlassen”. Da will der doch dann wieder abgeholt werden! Nee, sagt er, den holt er nicht wieder ab. Doch, sagt sein Chef, unbedingt, er selber sei ja gerade verhindert. Muss man sich erst mal vorstellen, das Ganze! Da findet sich doch dann ein zweiter Fahrer, der bei der Firma anfangen will und erklärt sich bereit mit zu fahren, da fahren die also zu zweit los, von Freiburg! (Da war ich schon nur noch am Lachen) Also, packen die den dann ein, besoffen wie ein Schwein, und tuckern zurück mit ihrem schwarzen 180er Mercedes. Sagt der zweite Fahrer dann, er will auch mal fahren, setzt der doch das Ding in den Graben! Die B-31 war natürlich auch noch nicht so ausgebaut wie heute, eine Fahrt da hoch muss schon abenteuerlich gewesen sein). Nun haben die ja damals schon Funk gehabt, bloß waren das so alte, schwache Röhrengeräte, die den halben Kofferraum beansprucht haben und sie sitzen also im Funkloch, die beiden Fahrer mit dem Besoffenen hinten drin, im Schwarzwald des Jahres 1958 und können zusehen wie sie die Karre wieder flott machen! (Kotzstories will er mir natürlich auch noch erzählen, aber die sind ja zeitlos, gekotzt wird auch heute. Nur mit dem Unterschied, dass das Auto dann damals 2 Tage mit offenen Fenstern auf dem Hof stand, nach Reinigung, und heute der, ausländische, Fahrer, mit dem ich das Auto damals teilte, mir das Auto vollgekotzt und nicht saubergemacht kommentarlos hinstellt – und die Kotze dann eintrocknet. Das sind die Unterschiede, zwischen damals und heute!)

Frau Goldschagg war Schuldirektorin und 20 Jahre Stadt- und Regierungsrätin und hat mir erlaubt sie namentlich zu nennen. “Millionär… berühmt… jaja, nun biegen Sie mal da links ab”, sagt sie und legt mütterlich ihren Arm auf den meinen.

“Rose, lass mich dein Gärtner sein”, sage ich gerne zu der so heißenden Kollegin. Naja, ein wenig verblüht ist sie leider schon und ich stehe halt auf zartere Blättchen. Das Schlimmste an meinem Alter ist, dass die Frauen so hässlich sind!

Dieses Land geht immer mehr den Bach runter! Wir können das Migrantenproblem nicht lösen, indem wir Leute ins Land holen, denen wir keine Jobs und billige Wohnungen bieten können! Und schon gar nicht wenn sie zwar nicht arbeiten, dafür aber betteln und stehlen können! (überall im Ausland wird genau gefiltert wer ins Land darf, also indische Computerspezialisten nach England und die unausgebildeten Strolche nach Deutschland, denn das hat der Welt ja was gut zu machen oder was?) In bestimmten Gebieten mit hohem Migrantenanteil, Ferdi-Weiss- oder Krozingerstrasse, heisst es schon am Funk “nachts den Wagen nicht verlassen!” weil es vorkommt, dass die Scheibe eingeschlagen wird, da viele Fahrer den Geldbeutel im Auto lassen. Oder der Beutel wird von hinten weggeklaut und ausgeräumt, leer wieder zurückgetan, während der vorne den Fahrer ablenkt. Dann wird ihm ein Zehner gegeben, passt so, dass der nicht nach dem Geldbeutel langt. Der Fünfziger fehlt dann aber! Wir haben andererseits auch Fahrer aus Ländern mit Kriegstrauma oder so rauen Sitten, zum Beispiel Russland, dass die Fahrer schon mal selber eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Da die aber sehr, sehr viel fahren, praktisch Tag und Nacht, sind sie bei den Unternehmern gern gesehen. (Dass die den Ruf ruinieren ist denen dann scheißegal, Hauptsache die Kohle zum Monatsende stimmt, so blöd sind die.) Ein Taxifahrer hätte nachts am Oli jemanden angefahren und ihm damit einen Oberschenkelbruch zugefügt, dann aber Fahrerflucht begangen. Die Leute, die mit ihm waren befanden sich dann in Lynchstimmung und haben sich dann das nächste Taxi geschnappt und durch das Fenster auf die Fahrerin eingeschlagen, bevor sie erst den Fehler merkten! Wenn ich jetzt sage, dass war einer aus so einem Land mit so rauen Sitten, so bin ich Rassist, so dämlich sind wir hier schon, also sage ich es nicht. (Die Iraner nachts am Bahnhof haben da aber nicht so Hemmungen, wenn da ein schwarzer Fahrer kommt, so sagen sie schon mal, geh doch in den Busch zurück, du Neger.) Ganze Romane könnte ich schreiben über Horrorstories, die mir Fahrgäste über schwarze Schafe unter ausländischen Kollegen erzählen. Aber Deutschland hat ja einen Wiedergutmachkomplex. Nun, England, z.B., hat den nicht, das kann ich nur bestätigen.

2017: Das war damals schon so!!!!

Apropos, gebe ich dem von hier stammenden Marketingdirektor eines weltweit bekannten Produkts, mit Wohnsitz London, mein Glückspfund, das ich noch aus England behalten habe, weil ich sonst nicht rausgeben kann. Er will mal schauen, ob er was für mich tun kann. Jaja, für eine Story bist du mir gut…! Was haben mir Leute nicht schon erzählt! Talk is cheap, sagt man in England. (Jahre später fuhr ich den noch mal, da konnte er sich gar nicht an mich erinnern!)

Den Taxischein in Freiburg kann man in sechs Wochen bei vier Stunden Arbeit machen, sagt mir einer, der vorher nie hier gewohnt hat, Brighton braucht man sechs Monate bei sechs Stunden täglich, sagte mir einer, der dort gewohnt hat. Ich brauchte fast ein Jahr! So haben wir also jede Menge Fahrer, die weder Deutsch können noch sich in Freiburg zurecht finden. Aber Moment mal, Hassan weiß doch vielleicht… San Diego sei fest in kurdischer Hand erzählte mir einer, die Taxifahrer sein fast alle von dort, wenn die nicht wissen wo, rufen die sich gegenseitig an und helfen sich.

Moment mal, eine qualifizierte Auskunft eines Taxifahrers ist mir doch 50 Cent wert, sollten sich die Leute eigentlich sagen. Ich habe Leutchen vor der Klinikpforte 20 Minuten rum irren sehen, weil ich ihnen keine Auskunft über’s Parkhaus geben wollte (ich gebe prinzipiell keine Auskünfte über Parkmöglichkeiten, die Leute sollen ihr Auto abschaffen), obwohl vor ihren Augen ein Pförtner saß, der fürs Fragen beantworten den dreifachen Jahreslohn eines Taxifahrers bekommt) bis sie den Klinikplan direkt vor ihren Augen gefunden haben. Es gibt eben Kollegen, die ohnehin nichts mit ihrer Zeit anfangen können, die geben gerne Auskunft, das sollte aber nicht dazu führen, wie gering manche Leute mich und meine Zeit einschätzen, “das ist ein Taxifahrer, der ohnehin nur rumsteht und nichts zu tun hat.”

Eine Radlerin mit ganz tollen, nackten Schenkeln steht neben uns, mein Fahrgast rollt die Scheibe runter und hängt den Macho raus. “Bring mich hier nicht in Verlegenheit”, sage ich und rolle sie wieder hoch. “Du kannst sie doch auch durch die Scheibe anspannen.” Man kann doch auch schweigend genießen!

Wie die Frenchies hier rumfahren, kriminell! Die vielen Schweizer fallen hier lange, lange nicht so unangenehm auf wie die Franzosen. Parkt ein ausländisches Auto auf dem Taxistand ist es immer ein Franzose (oder ein Belgier). Selten aber ein Schweizer. Erzählt mir ein Mensch in einem Taucheranzug mit Loch und Plastiküberzieher von der Klinik als Schuhersatz, der sich als verunfallter Radler entpuppt, er sei schuldlos von einem Auto auf die Haube genommen. Der schuldige französische(!) Fahrer schreit, man muss doch aufpassen, als Radfahrer!

“Sie sind doch der Businessman, ich bin doch nur der schlampige Taxifahrer, der es zu nichts gebracht hat”, sag ich zu jemand als Entschuldigung, dass ich meinen Kuli nicht finde. Er findet seinen aber auch nicht. “Dann bin ich eben ein schlampiger Businessman”, erwidert er.

Morgens, es wuselt und macht und säubert und liefert an, dass es einem ganz kribbelig wird! Abends, laue Luft, Flanierer, alle haben Zeit. Ich will nicht mehr Tags fahren (abends fährt man auch viel eher mal ein hübsches Mädel.)

Dem Entschluss ein Taxi zu nehmen geht oftmals eine innere Auseinandersetzung voraus, die dann erst zu dem Entschluss führt. Sind die Menschen alleine, ist das oft schon schwer genug mit sich zu ringen. Sind die Menschen zu zweit oder in Gruppen unterwegs, ist das oft noch viel komplizierter. Gut ist, wenn der Mann sagt, du lass uns mal ein Taxi nehmen und ich zahle, schlecht ist, wenn die Frau sagt, du, lass uns mal ein Taxi nehmen und du zahlst. Denn dann kann es oft passieren, dass das Taxi sozusagen in diese Auseinandersetzung hineingezogen wird, plötzlich Teil davon ist, als Argument, sozusagen, das die Taxi-haben-wollende Seite mit hinzuzieht, so etwa, “Sieh! Das Taxi ist ja doch schon da!”, oder “der Taxifahrer wartet doch schon!” Wenn die nicht-Taxi-haben-wollende Seite dann nämlich immer noch zögert, oder gar nicht will und sich schließlich durchsetzt, hat der Taxifahrer jede Menge Nerverei und wenn die Leute besoffen/aggressiv sind, immer das Nachsehen.

“Wenn ich all das aufgeschrieben hätte, was ich schon erlebt habe, wäre ich schon längst Millionär….” Ich kenne nur drei Taxifahrer, die bisher mit ihren Büchern Erfolg hatten und das waren Frauen. Das Märchen von den armen ausgebeuteten Frauen, die den Männern nachts schutzlos ausgeliefert sind, zieht halt. Frauen haben es im Grund wesentlich leichter, ja! Keiner erwartet von ihnen, dass sie Koffer tragen, dass sie sich auskennen, irgendwie in einer Weise kompetent sind und es gibt auch gar nicht so viel Grund mit ihnen Streit anzufangen wie mit einem männlichen Taxifahrer. Aber die armen, ausgebeuteten Frauen und die pöhsen Männer…

Am Stand “Tchibo”, auf der Zinnen lassen sich die Taxifahrer schon seit Jahrzehnten von den Autos, die kalt aus der Tiefgarage kommen vergasen, nur weil die Ampel, die auf den Rotteckring (?) führt nicht durch ein Stoppschild ersetzt wird, was der gesunde Menschenverstand sagen würde. Sie ist Tag und Nacht an und oft genug fährt in der ganzen Zeit wo man vor dieser Ampel wartet, nicht ein einziges Auto an einem vorbei. Andererseits, in Stoßzeiten, kann der Verkehr nicht abfließen, obwohl es immer wieder Lücken im Verkehr gebe. Diese Ampel ist typisch deutsch, in England hat es sehr oft Kreisverkehr und die Leute sind es gewohnt, sich in den fließenden Verkehr einzufädeln. Ich weise auch auf die “römische” Kreuzung Lorretto/Günterstalstraße hin, die bestens funktioniert, die Autos Ballett tanzen und jeder offensichtlich Spaß hat, am sich Durchschlängeln, warum also nicht auch am Tchibo. Und nun kommt es: auf einen Antrag seitens der Taxifahrer die Ampel abzuschaffen, wäre die Reaktion der Stadt gekommen, “es wird nichts daran geändert und ihr könnt froh sein, dass ihr den Stand habt, wenn es euch nicht passt, wird der Stand weggenommen. Ja, kann man es denn glauben? Aber andererseits, was ist denn das für eine lahmer Haufen, der sich so was gefallen lässt und es resigniert dabei bewenden lässt? Die jahrzehntelange Kohlenmonoxidvergiftung tragt schließlich Folgen oder was? Passiert so was in Brighton, kommt es, aufgrund der englischen Hitzköpfigkeit (siehe Fußballstadien) sofort zu wilden Streiks und Blockaden, die den Verkehr in der Stadt lahmlegen (und das Image der Taxifahrer weiter demolieren).

Was ist denn das für ein kunterbunter (und trist blaugrauschwarz) “Sauhaufen” hier, der das Erscheinungsbild der Freiburger Taxen prägt? (Gekrönt nur noch von Dreck, Rost und den Beulen im Kotflügel). Ich kann es nicht glauben! Da fragen mich Leute von auswärts, ob das hier so Sitte sei in Freiburg, man steigt aus dem Zug und kann die Taxis kaum erkennen, die hätten nur ein kleines Schild auf dem Dach und man traut sich gar nicht einzusteigen. Ja, wer hat denn da von der Stadt dem Quengeln von irgendwelchen südbadischen Sturköpfen nachgegeben, die nicht über den Tellerrand raus schauen können? Ein Auto, das mal Taxi war, verkauft sich ohnehin schlechter, wenn man es nicht verschweigt, und ein elfenbeinfarbenes wird dann eben als Taxi weiter verkauft, notfalls nach Auswärts, wenn sich in Freiburg kein Käufer findet. Aber so leichtfertig einen wichtigen Vorteil der Geschlossenheit preisgeben? Brighton zeigt wie es sein könnte, die Taxi sind alle in den Farben Brightons gehalten, weiß, mit aquamarinblauen Kofferraum und Motorhaubendeckel, sind eine richtige Touristenattraktion, der man gerne mal winkt. Warum zieht Freiburg nicht nach, bindet die Taxis mehr in den ö.P.N.V ein und macht die Taxis weiß, mit rotem Kofferraum und Motorhaubendeckel?

Aus meiner Beschwerde: “Die beiden Herrschaften sind mittlerweile so betagt, dass eine Beförderung mit dem Taxi schlicht nicht mehr zugemutet werden kann. Der Mann ist mit dem Rollstuhl von der Wohnung an die Treppe zu fahren, wo er sich dann am Geländer nach unten hangelt. Das ist hier durch die Gebrechlichkeit des Mannes bereits ein unzumutbares Sicherheitsrisiko, dass ich rund weg ablehne. Was passiert denn, wenn er stürzt? Dann ist er mit dem Rollstuhl ans Taxi zu fahren, in das er dann einsteigt. Hierzu, die letzte Fahrt verlief übrigens so: Der eine Reifen des Rollstuhls und der eine Schuh des Mannes war mit Hundekot verschmiert. Ich erbot mich den Schuh zu wechseln, musste ein Ersatzpaar aus der Wohnung holen, ihm dann im Taxi beide Schuhe anziehen. Dann erst sah ich, dass auch der Reifen verschmiert war, sonst hätte ich die Fahrt ohnehin abgelehnt. Ich erbot mich, da alles schon so weit war, den Reifen mit einer Plastiktüte abzudecken und lud den Rollstuhl in den Kofferraum. Unterwegs wurde mir aber klar, dass die Leute ja nicht in der Wirtschaft sitzen können, wenn der Rollstuhl verunreinigt ist. Ich sprach das an, mit Mühe, da der Mann mehr oder weniger so alt und gebrechlich, dass er sich auf die Frau verlässt, sie also für ihn zu entscheiden hat, die Frau aber äußerst schwerhörig ist. Wir beschlossen gemeinsam die Wirtschaft zu fragen, ob sie den Reifen mal eben mit einem Lappen abwischen kann. Die Wirtschaft war aber überlastet, so dass das Ganze an mir hängen blieb. Ich bekam ein Trinkgeld dafür und es ist bekannt, dass Taxifahrer unangenehme Dinge für ein Trinkgeld machen, für das andere ein Vermögen verlangen, zum Beispiel Transport mit dem Krankenwagen, so dass ich die Sache geduldig abhakte…”

Donnerstag, 18.6.09

Ist dieses Bild nicht genial geworden? Da basteln Designer tagelang an so etwas rum und alles was es dazu braucht ist chronisch knappe Kasse (und Farbpatrone).

Schnappschuss an der Ampel. So nutzen Taxifahrer die Wartezeit an der Ampel!

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Über Jochen Lembke

Europe's cab-driving writer
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