16.11. – 13.12.2009 (Taxifahren und Wohnen in Zürich)

Sonntag, 13.12.09

Drei Franzosen zum Flugi, ich muss gestehen mein Hörverständnis des Französischen ist im Vergleich zum Englischen, wo ich jedes Wort verstehe (wenn ich auch nicht immer so ganz 100 % davon die deutsche Bedeutung weiß) sehr schlecht.

Süßes blindes Paar, mit süßem Blindenhund, der sich sofort zu Füssen des Herrchen kuschelt und schläft. Wir unterhalten uns nett und witzeln gegenseitig über die verschiedenen Dialekte, er kann das Hochdeutsche recht gut parodieren, ich revanchiere mich. Im Hotel angekommen, haken sie sich bei mir ein und ich führe sie bis zur Treppe, sie hält mich hinten fest, er hält sie hinten fest und den Hund zieht er an der Leine, so schlängeln wir uns durch die Drehtüre, sicher ein witziger Anblick. (Für die Sehenden.)

Irrfahrt mit Taxi, mit Ziel Küsnacht. Er, sieht aus wie ein portugiesischer Bauernsohn (oder durch Landnahme zum Drogenhandel gezwungener brasilianischer Auftragskiller mit roter Narbe an der Schläfe) steigt ein und radebrecht was auf schlechtem Englisch mit amerikanischem Akzent zusammen, zwischenrein zieht er den Rotz hoch, gurgelt rasselnd und spuckt das Ganze dann durchs Fenster raus. (Mir ist eh noch schlecht von der Kotze, die vor dem McDonaldseingang lag, auf die ich das Personal aufmerksam machte, „ist doch keine gute Werbung“, wo sich aber keiner drum kümmert, „wo du gut kotzt, weil du gern kotzt….“) Wir fahren, er radebrecht und spricht in sein Handy, gestikuliert mit den Händen, dirigiert mich irgenwie im Seich herum. Nun gibt er mir das Handy und eine Frauenstimme nennt mir einen Adresse in Küsnacht, ich schaue im Navi, sie stimmt nicht. Sie meint, sie will nicht stundenlang mit mir telefonieren, schicke eine SMS. Er gestikuliert und radebrecht, lässt mich irgendwo anhalten, ist fünf Minuten weg. Die SMS kommt, Strasse und PLZ stimmen nicht. Ich sehe eine ähnliche Strasse, ist es die, ja. ich soll fahren, er gestikuliert und radebrecht. Wir fahren durch den Milchbucktunnel, sagt er ich soll wieder zurück nach Oerlikon! Seinen Freund abholen. Gut, sage ich, ich fahre bis zum Tunnelende und wende da und fahre die ganzen 5 km zurück. In Oerlikon gestikuliert und radebrecht er und schickt mich im Seich rum. Ich soll da fahren und da fahren, da stehe das Auto von seinem Freund, denke er, nein, er ist nicht da. Irgendwann sage ich, nun, es stehen 90 Franken auf der Uhr, ich wollte gerne die Strecke schon mal bezahlt haben (er erinnert mich irgendwie an den entflohenen Psychiatriepatienten, den ich mal gefahren habe, der am Schluss noch auf mich los ist.) Sagt er, er hat keines, die Frau sei sein Boss, sie würde zahlen! Ich sage, ich sei „worried“, er, nein, nein, es sei alles okay, Gut, sage ich (und schließe resigniert mit meinem Leben ab). Das Navi findet die Strasse nicht, ich finde sie auf dem Stadtplan, wir fahren, schweigend. An einer roten Ampel sage ich: „Everything will be fine?“ Jaja, sagt er und es kann mich aber nicht richtig überzeugen. Dann setzt sich aber das dumme Bärli durch und es hat dem bösen Mann gesagt, „gell, du bist aber ein lieber böser Mann und bringst mich nicht um“ und ich denke eben, es wird schon alles gut gehen, wie ich das eben immer denke und alle Möglichkeiten, die andere ausnutzen, die keine dummen Bärlis sind, auf Funküberwachung gehen, telefonisch Bescheid sagen und Beschreibung durchgeben, zur nächsten Polizeiposten fahren und sagen, ich fahre erst weiter, wenn Ihre Personalien aufgenommen worden sind, Gespräch anfangen und versuchen Informationen zu bekommen, die einen den Fahrgast besser einschätzen lassen, einen auf cool und stark machen, damit der andere nicht denkt er hätte leichtes Spiel mit einem… nein. Everything will be fine, sagt sich das dumme Bärli und siehe da, es wird es, es kriegt sein Geld am Ende und noch einen verachtenden Blick zum Schluss von brasilianischen Auftragskiller mit roter Narbe an der Schläfe, das es so ein Gewese wegen so ein paar Mücken gemacht hat, schlappe 165 Franken.

2017: Ich lasse das mal so denn ich hatte damals eben wirklich so eine dumme Bärli oder eben naiver Charme Phase und habe chronisch an das Gute geglaubt. Heute nicht mehr!

Sechs Leute vom Epilepsiezentrum, zwei müssen hinten auf die Notsitze krabbeln. Eine Betreuerin spricht deutlich… „Wo ist denn die deutsche Invasion da hinten her?“ tönt Lembke, schon wieder ganz munter und rotzfrech, „das hört sich ja ziemlich Norddeutsch an?“

Freitag, 11.12.09

Cooles Caddi-taxi

Auf den Spuren der Superreichen und anderer Wirtschaftskrimineller: Dies hier ist das Terminal für die Learjetleute, hierher fuhr ich zwei Deutsche von der deutschen Bank! Und wie schnöselig, die waren.

Ich bevorzuge doch Mercedestaxi, die beiden Wischerspitzen haben sich verhakt bei hoher Stufe und der Wischer stellte sich nach außen, bei Tempo 60.

Schnuffbär hat mir 300 Franken Weihnachtsgratifikation gegeben, ich muss ihn doch loben! (So kann ich all die Blitzer zahlen, die ich mit Tempomat vermeiden hätte können, so auch heute wieder, aaargh!)

Heute morgen habe ich das kleine Kaninchen (Käferchen) endlich zum Tierarzt bringen können. Ich muss Zürich doch loben, da war dann gleich eine Tieraugenärztin da zufällig und sie meinte, sie müsste gar nicht operiert werden. Sie meinte aber auch, sie könnte die Lider nicht mehr schließen (Kaninchen schlafen ja meistens ohnehin mit offenen Augen) und es sei deswegen entzündet, aber daheim konnte ich sehen, dass sie sie sehr wohl schließen kann, hm. Ich solle jedenfalls Salbe nehmen und weil die anderen sie immer wegschlecken, soll ich sie deshalb isolieren. Das kann ich aber nicht, die kuscheln doch den ganzen Tag immer. (Mein Männchen hat es gut, es hat drei Frauen zum Kuscheln.) Jedenfalls standen da eben drei junge, hübsche Frauen um mich rum und ich habe mir die Bemerkung verkniffen, Menschen seien eben nicht wie Kaninchen, wir würden ja jetzt nicht miteinander kuscheln… Mensch, hat es mein Kaninchenmännchen gut! (Na ja, obwohl, Schnippschnapp und so…). (2014: extrem teure und überflüssige OP an deren Spätfolgen es dann wohl auch ein dreiviertel Jahr danach starb.)

Donnerstag, 10.12.09

Ich komme rein und sage der Frau, meinem Fahrgast, ich muss nur noch mal eben aufs Klo. „Sind Sie kein Taxifahrer?“

Heute ist mein Wollishofentag, umheimlich viele Einkaufsfahrten bleiben eben im Stadtteil. Und Zürich kann in den Stadtteilen so provinziell sein! Am Stand dort steht immer ein Uraltaxifahrer, dem man auch schon bald beim Aussteigen behilflich sein muss. Er sei schon „berühmt“ und keiner kann ihn leiden, weil er den Omis nicht behilflich ist.

Am Tag fährt man hier ganz selten mal jünge hübsche Mädels…. die Taxi in Zürich sind ihnen einfach zu teuer.

„War for talents“ ist angesagt in der Messe, akademische Absolventen und solche die es demnächst sind, treffen auf Vereinigungen ihrer zukünftigen Arbeitgeber, das sei noch die Stufe vor den headhuntern…

Einen sehr netten deutschen Businessman fahre ich und beklage das ständige Verkehrsregeln, wenn Ampeln ausfallen, anstatt das man den Verkehr sich selber den Weg finden lässt wie anderswo, nirgends wo habe ich erlebt, dass so oft Verkehr geregelt wird! (Allerdings auch nicht, dass Ampeln ausfallen) Da würde sich der Schweizer Kontrolltrieb ausleben sage ich und er grinst. „Da sage ich mal nichts dazu“, sagt er nur, vielsagend.

Am Mittwochabend erzählte Wilde nun in der Sendung «Reporter» des Schweizer Fernsehens SF, warum sie vor zwei Jahren die Schweiz verliess. «Ungeliebte Deutsche – Vom Störfaktor zum Hassobjekt» lautete der Titel der Folge, und sie porträtierte neben Wilde andere Deutsche, die in Zürich leben oder gelebt haben. Sie sei gegangen, weil sie sich «nicht mehr wohl gefühlt» habe, sagte Wilde auf SF in die Kamera. Das ist diskret ausgedrückt: Katrin Wilde erhielt in ihrer Zürcher Zeit Dutzende Drohbriefe. Nicht erst, nachdem ein Unbekannter ihr Auto demoliert und sie bei «Focus» gesagt hatte, sie erlebe in der Schweiz viel Borniertheit. «Feg ihn weg, den deutschen Dreck», stand in einem der Schreiben, welche die SF-Kamera zeigte. «Die deutsche Energy-Moderatorin hat zwei Wochen Zeit, die Schweiz zu verlassen», in einem anderen. Sie habe sich nach einer Weile Sorgen gemacht. Es geschehe viel in der Welt, so Wilde, und es sei nicht zu garantieren, dass ihr nicht nachts jemand «eins über die Rübe» ziehe. Die Angst wuchs. «Meine Eltern haben sich Sorgen gemacht, meine Omas und Opas haben sich Sorgen gemacht, mein Freund hat 1000 Mal am Tag angerufen.» Wilde gab auf. Sie ging zurück nach Deutschland. Wilde ist nicht die einzige Deutsche, die in Zürich Erfahrungen mit Drohbriefen gemacht hat, wie die Sendung zeigte. Mehrere Anzeigen gehen offenbar jährlich bei der Polizei ein, wie Sprecher Marco Cortesi dem SF bestätigte. Eine von ihnen reichte eine Frau ein, die aus Angst vor Übergriffen nur anonym in der Sendung auftrat. Vier Monate habe sie Zeit, um das Land zu verlassen, stand in dem in der Sendung dokumentierten Brief, den die Frau nach eigenen Angaben erhalten und der Polizei vorgelegt hat. Dann werde ihr «eine Kugel in den Rücken gejagt». Die Frau lebt seit 30 Jahren in der Schweiz. Ich fahre jetzt seit knapp 2 Monaten hier Taxi. Ich kann sagen, dass es sicher eine Mehrheit der Schweizer gibt, die keine Probleme mit Deutschen hat, aber jene Minderheit der SVP-Wähler, die man fährt… also, man merkt es den Leuten deutlich an. Ich kann wirklich sagen, ich würde niemals für länger bleiben wollen in der Deutschschweiz.

2017: Ich kann aber heute auch wesentlich besser jene verstehen die eben keine deutsche Invasion wollen.

Der Zahn hat tatsächlich einen Riss, er hat jetzt einen Höcker abgeschliffen und gemeint, das alleine könnte schon mal helfen, mal sehen. Seine hübsche Helferin hat jedenfalls ganz fest ihren Schenkel an meinen Oberarm gepresst, so fest wie ich es bisher noch nicht erlebt habe. Mmmmmmhhh!

Mittwoch, 9.12.

Er fliegt nach Lissabon mit Swiss. „Die haben da jetzt total günstige Angebote“, sagt er. „Jaja“, sag ich, „extra zum Klimagipfel!“

Meine Videos rund um den Flugi aus der Zeit:

Eine Aargauerin sagt mir, die Zürcher sollten doch froh sein um die Aargauer, sie trennen sie schließlich von Basel. (Witzig diese Rivalität zwischen Zürich und Basel, aus deutscher Sicht, aber ein wenig so wie zwischen Badenern und Schwaben)

Grosse Aktion mit einer Antiquität, einem Medizinschränkchen aus den 20ern. Siehe Bildstrecke unten. Der Fahrgast erzählt mir, dass es einen phonetischen Test auf der Uniwebseite gibt, der anhand von nur ein paar Begriffen einem schließlich sagt aus welcher Region in der Schweiz man kommt, bis auf 10 km genau! Er hat es ausprobiert, es stimmt! Dann meint er noch das Züridütsch wäre am ehesten mit dem Hochdeutschen verwandt, also näher als Basel, ob das nun stimmt oder nicht.

Das Medizinschränkchen! Es ist so schwer, weil es auf Rollen ist und damit gegen das Umkippen geschützt!

In Luzern kann man vielleicht so parken, aber in Zürich versperrt man so den Weg. Ich muss die Spiegel einklappen und mich rechts vorbeiwinden!

Nun nur noch das Schild mit den Chäschüchli weg und dann „cha m’r links abbefahre“. Dann gilt es noch das Schränkchen 2 Stockwerke mit hochtragen und der Kunde ist sehr zufrieden!

Fahre sooooo süßes 18-monatiges Mädchen, kleine Maus hier und kleine Maus dort und kleine Maus zeigt ihren Spielzeuglöwen!

Gruppe Engländer von der FIFA, sie produzieren das offizielle FIFA-Computerspiel!

Der Chef präsentiert sich als Menschenfreund, ich zahle ihm 250 extra und das Zimmer bleibt leer. Er mache das aus reiner Menschenfreundlichkeit. Das ich nicht lache, Schnuffbär, zwei Zimmer separat vermieten, die mit einer losen Türe miteinander verbunden sind… also, das nenne ich calvinistische Zwinglistaatsgeschäftstüchtigkeit!!!!

morgens am Flugi

Das Marriot-Hotel war für mich bisher noch ein weißer Fleck, obwohl es so groß ist und viel los, ich habe weder Leute hingefahren, noch abgeholt. Nun steh ich hier und die haben zwei Taxistände so hingequetscht, dass man vorne die Tiefgarage nicht blockieren darf…

…und hinten die Rettungsdienstausfahrt! Die haben sich auch ausbedungen, dass unsere Zentrale den Stand Video überwachen muss, ob jemand falsch steht! Man ziehe sich das rein! Könnten ja die Bilderberger tagen, grrr!

Wieder gilt es warten bis der Lieferwagen fertig ist

Dienstag, 8.12.09

Zürich hat eine Attraktion von der ich auch was habe, der Wellnessbereich im Bad Altstetten. Für nur 6 Franken kann man gut schwimmen, es ist nie so besonders viel los und anschließend ins Thermalbecken mit Massagedüsen.

Das ist das (denkmalgeschützte) Haus in dem ich wohne, in der Wohnung mit der Sonnenpergola. Die hat es heute morgen abgerissen, weil ich sie zu weit ausgezogen gehabt habe. Aber man kann sie reparieren.

Heute spielt der FCZ gegen den AC Milan, nur wenige hundert Meter von meinem Fenster entfernt.

Montag, 7.12.09

Nun wissen wir ja, an was jener Herr da oben so interessiert ist, er will die provokanten Sprüche lesen, die Dame da versperrt ihm lediglich die Sicht!

Frauen schmieren die provokanteren Sprüche an die Klowand Frauen sind frecher, Männer sind selbstbezogen. Eine Basler Linguistin hat 249 Schmierereien auf öffentlichen WCs ausgewertetet. In Salzburg präsentierte sie erstmals ihre überraschenden Resultate. Christina Cuonz stellte ihre Studie im Rahmen des Workshops «Sex & Language» an der Universität Salzburg vor. Sie hat für ihre Magisterarbeit die Graffitis von öffentlichen Toiletten an Universitäten in Norwegen und Grossbritannien untersucht. Dazu kopierte sie in Frauen- und Männerklos die schriftlichen Botschaften, befragte Toilettenbenutzer und Facility Manager. Frauen schreiben in ihren Graffitis über Beziehungen, Sexualität und Alltagsphilosophie. Bei Männern dominiert Sex, gefolgt von Politik und Sport, hat sie festgestellt. Die Toiletten seien die einzigen Orte, wo Frauen und Männer wirklich streng getrennt seien. Deshalb eigneten sich die Graffitis gut für eine genderspezifische Untersuchung, sagte Cuonz. Überrascht hat die Wissenschafterin, dass gerade die als emanzipiert geltenden norwegischen Frauen auf den Toiletten Themen behandeln wie die Frage, wie man eine gute Hausfrau wird. Rassistische Statements waren auf Frauentoiletten zum Teil härter formuliert als jene von Männern, hat sie zudem festgestellt. Auch die für die Gebäude verantwortlichen Mitarbeiter, die für die Studie befragt wurden, bestätigten, dass Frauen auf den Klos zum Teil provokanter formulieren als Männer. Die Erhebung zeigt, dass Frauen in ihren Botschaften die gesamte Bandbreite von sozial weniger bis sozial akzeptierten Begriffen ausschöpfen, Männer hingegen meist die sozial weniger akzeptierte Form verwenden. Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es auch bei der Gestaltung der WC-Wände mit Graffitis. Frauen treten eher in Kommunikation mit früheren Graffitischreiberinnen. «Es bildet sich oft eine richtige Wolke an Botschaften, die aufeinander reagieren und ein Thema diskutieren», berichtete Cuonz. In einer Langzeituntersuchung hat sie festgestellt, dass so ein Diskussionszyklus nur wenige Tage oder Wochen dauert. Dann wird ein neues Thema auf die Agenda der Toilettenwand gesetzt. Zu den alten Graffitis kommen dann keine neuen Reaktionen mehr dazu. Männer hingegen kommunizieren weniger untereinander und schreiben ihre Botschaften eher als Listen.

Also, ich komm mir hier wirklich so langsam vor wie im Asylheim. Kam ich jetzt mit dem einen ganz gut aus, muss der wieder weg und nun schauen sich schon die nächsten das Zimmer an, so alle Richtung Balkan. Gibt es auch deutsche Asylbewerber, eigentlich? Ich hab dem Chef gleich 250 mehr angeboten, dass das Zimmer leer bleibt. Wenn ich nur irgendwie Zeit hätte! Zürich tut sein Bestes sich unbeliebt bei mir zu machen! Indes nicht mehr allzulange! (Pas trop longue.)

War beim Zahnarzt heute, habe aber gar nicht gewusst, dass der hier nicht auf Kasse geht, sondern das man alles privat zahlen muss (auch hier, wer man beim Sozialamt ist, ist fein raus) Nun kommen einige Zahlungen auf mich zu, Kassenbeiträge, mit einer Franchise von 500 Stutz, muss ich also erstmal vorstrecken die Rechnungen, und Zahnarzt, wobei ich da wohl lieber wieder zu meinem alten in Deutschland gehe. Ich habe seit 2 Jahren Probleme mit einem Zahn, der wohl durchgebrochen ist, heute hat man einen kleinen Riss ein wenig verkittet, mal sehen ob das wenigstens die richtige Richtung ist.

Dann erste Fahrt, eine 50jährige Balkanesin, die seit 18 Jahren hier ist, seit dem Krieg, in die Psychiatrie, sie hat Depressionen. Ganz typisch, das Schicksal von Millionen Frauen, die Flucht vorm Krieg in ein anderes Land, alleinerziehend, Kinder fangen an auszuziehen, das Alter rückt näher, Depressionen. Ich muntere sie ein wenig auf, jeder hat sein Päcklein zu tragen.

„Also, ich muss jetzt zum Ohrenarzt, vielleicht können Sie das ja jetzt für Ihre Bücher verwenden“, sagt eine Omi. „Das ist ja jetzt nicht so spannend“, sage ich belustigt, zuerst. Aber dann denke ich, warum nicht, das ist doch richtig goldig, oder? Sie hat es doch nur gut gemeint.

Unterhalte mich mit einer Bernerin, sie hat in Belgien gelebt, wo man ja auch drei Sprachen spricht, Flämisch, Wallonisch und Deutsch, und die Schweiz eigentlich so als Muster der Integration ansieht, der eine Landesteil will sich dort ja vom anderem ablösen. Wir kommen überein, dass die dezentrale Art der Schweiz und die Basisdemokratie dafür sorgt, dass nicht ein Teil den anderen unterdrückt. Die Schweiz als Muster für die europäische Integration! (Ich stell fest, wenn ich sage, ich versteh Schwiizerdütsch ganz gut, so gilt das nur für den Züridialekt.)

Sonntag, 6.12.09

Ja, keine Alpenfotos mehr, aber es hat doch so schönen Neuschnee

Süße Werbung

Was Carl Hirschmann sagt: „Habe niemanden zum Oralsex gezwungen…“ Was Carl Hirschmann meint: „Die Maidlis standet doch Schlange um mir ei‘ zu blasen!“ So, wie nun der Bogen zu Libyens Gaddafi, der nun sagt die Schweiz sei die Mafia der Welt? Kein Problem, wir machen es wie die Mafia, pardon, Berlusconi und machen einen auf bella figura, und hier ist nun mein Vorschlag um die Schweizer Geiseln rauszuhauen und die Sache mit Libyen ein für alle mal klar zu kriegen! (Trommelwirbel) Ihr Schwiizer, vergesst mal einmal eure Korrektheit und eure Bünzligkeit (und den Minarettbau natürlich) und denkt euch mal in so einen Nahostpotentaten hinein (oder in Berlusconi, von mir aus, passt auch), also, was muss die Schweiz machen? Richtig, sie macht es der amtierenden Miss Schweiz klar, dass ihr Titel nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten, auch das Repräsentieren im Ausland bedeutet und schickt sie Libyens Lüstling! (äh, dem Colonel, meine ich.) Für eine von tausend und einen Nächten im Beduinenzelt! Mit dem Colonel! Alleine! (Und schon schwärmt der nur noch von d’r Schwiiz!) Nein, halt, die ist ja so christlich und reine… was machen… na, dann nehmen wir halt ihre Vorgängerin, die hat doch schon mal mit dem Hirschmann…. Na also, was habe ich versprochen!

Was mich so boshaft macht? Na, fahr ich kaum 500 Meter heute morgen, werde ich schon geblitzt! Dann verreckt mir der Computer, muss ich das Auto wechseln, halbe Stunde verloren! Dabei sei ich doch gar nicht so verkehrt, wenn sie mich so ansieht, sagt mir eine süße Omi heute morgen, genau die, die hinten links einsteigt und ich mich wundere warum, (bis sie mir sagt, sie hat nur einen Arm und doch macht sie das Foto unten, von mir) Aber so sei das eben, immer schwierig mit dem anderen Geschlecht, ob verheiratet oder nicht, sie hätte ihrem Mann, der nun schon 9 Jahren nicht mehr ist immer noch nicht verziehen, dass er damals hat zweimal 250 Franken bezahlen müssen, wegen bei Orange über die Ampel fahren (sein Hintern wäre schon rot gewesen!)

Dieses Foto macht die süße Omi mit nur einem Arm!

„Und… die Schweizer kommen wohl nicht gut weg bei Ihnen..?“ fragen mich zwei Schweizerinnen lauernd (oder ängstlich, sagen wir mal ängstlich lauernd) über meine europäischen Vergleiche. Aber nein, liebe Schweizer, der Deutsche liebt den Schweizer, doch der liebt den Deutschen nicht) ich kann mich da schon hinein versetzen wie das so in einem Alpental ist (und die kommen von auswärts her, um uns das halbe Fondue und die ganze Tafel Milka zu klauen). Aber… was lese ich da über Mexiko… 20 Tote jeden Tag im Drogenkrieg? Und‘ Dütsche ond‘ Schwiizer machen sich die Förmchen im Sandkasten streitig, na, wer keine Probleme hat, der macht sie sich selber!

Adrian kommt aus Singapur, aber lebt in der VR China.

Nach der Minarett-Entscheidung in der Schweiz warnen Politiker von CDU und Sozialdemokraten vor Volksabstimmungen über Grundrechte – aus Sorge wegen gefährlicher Mehrheiten. Der «Club Helvétique», eine Vereinigung von 26 Intellektuellen, will laut einem Bericht gegen das Minarettverbot mobil machen – womöglich auf direkt-demokratischem Weg. Ja, deswegen bin ich andererseits eigentlich froh um die parlamentarische Demokratie in D. Viele Köche verderben den Brei und was für gräuliche Zutaten verwenden sie manchmal, direkte Demokratie in D. und es würde faktisch die Bildzeitung, das Blatt für Doofe regieren, schnell ein paar griffige Slogans, die auch noch die Dümmsten kapieren und zack, da ist die 60% Mehrheit der Unvernunft.

Freitag, 4.12.09

Licht und Schatten.

Heute mittag war Negativrekord, 2 Stunden ohne eine Fahrt! Und dann, die ganzen Schwamendinger, Seebacher, Oerlikoner und Oberstrasser Omis, so prickelnd ist das auch nicht! Aber hatte heute Testgespräch auf Französisch… ich meine, es reicht um mich verständlich zu machen, aber ich bin noch nicht soweit um dort Taxi zu fahren. Also, ich red hier nicht von dem Französisch, was man drauf hat bei einer netten Kaffeeunterhaltung, sondern von dem, was man drauf hat, wenn man mit Tempo hundert bei Regen und schlechter Sicht auf der Autobahn Richtung Flughafen donnert!

Aus dem Tagi: … zu dem Umgang der Türkei mit religiösen Minderheiten heisst, es gebe hier zwar leichte Fortschritte. Nicht muslimische Religionsgemeinschaften erlebten aber weiterhin häufig Benachteiligung und Schikanen bei ihren Gotteshäusern. Es gebe Gerichtsverfahren zu protestantischen Kirchen, Gebetsstätten der Zeugen Jehovas und Versammlungshäusern der Aleviten. Daneben dauerten Übergriffe gegen Minderheiten an. Im September 2008 wurden zudem in der türkischen Provinz Artvin 22 Christen aus ihrer Kirche heraus festgenommen und abgeführt – weil Anwohner und Sicherheitskräfte sie der «missionarischen Aktivitäten» verdächtigten… Leute, wir reden hier nicht von Mekka oder Teheran, das ist die Türkei, die den Anspruch hat ein europäisches Land zu sein und ein EU-Vollmitglied werden will!!!!

Donnerstag, 3.12.09

Endlich, wie lange schreib ich schon dran, heut habe ich das Manuskript, knapp 500 Seiten, per Email an mein liebes Schnufftier geschickt!

Aus dem Tagi: Köppel und der impulsive Friedman gerieten sich später nochmals in die Haare. Wobei Friedman die langsame Sprechart der Schweizer nachäffte worauf es für einen Moment ein wenig peinlich wurde. Ihr Schwiizer, seid’s doch nöööt so empfindlich, bitteschön! Ein bisschen gutmütigen Spott muss man doch abkönnen, auch wenn man einen Schweizer Pass hat, oder nicht? Davon abgesehen, als ich aus England kam, kam mir das Hochdeutsch schon wie zäh zu kauende Kartoffeln vor, wie nun erst recht das Schwiizerdeutsch, wo jede Silbe einzeln ausgesprochen werden will!

Diebische Freude beim Lembke, ich habe mir einen Radiator „organisiert“, der auf dem Speicher nutzlos rumstand. In diesem Kabuff hier hat es noch nicht einmal eine Heizung und ich habe immer mit Wasserkocher und Fön heizen müssen, aber das geht auf Dauer nicht. Ich bin ja bei allem Mut zum Chaos ein sehr korrekter Mensch, (oben liegen drei nasse Wäschehaufen rum, ohne dass sich einer drum kümmert, ich aber stelle mir die Stoppuhr und hole sie sofort ab.) Ich kann eben niemanden frieren sehen, auch wenn es bloß ich bin. 😉

Mittwoch, 2.12.09

Heute war mein alter Herr zu Besuch da, aber er will ja nicht, dass ich über ihn etwas hier schreibe, also tue ich es nicht.

Heute und morgen fahre ich nicht, sondern mache das Manuskript fertig.

Dienstag, 1.12.09

Habe mir wieder einen Virus eingefangen, aber nur leichtes Fieber. Fühle mich sehr einsam grad. Wenn ich Taxi fahre und Geld verdiene, dann geht’s, aber so halblebig daheim rumhängen… draußen ist’s grau und kalt und laut und Auto-verseucht. Ich habe niemand zum Kuscheln außer meinen Hasen, die freuen sich natürlich, wollen gar nicht mehr von Papis Schoss runter, aber ich hätt halt lieber eine Artgenossin zum Kuscheln.

Montag, 30.11.09

Wolle mir noöet noch ä chlin’s Minarettli erlaube, do iisch do scho eis…

Minarett (oder Moschee) in der Forchstrasse, (beim Abbiegen aufgenommen)

Große Empörung im Ausland über die Schweiz. Ich aber breche eine Lanze für diese Entscheidung und somit für die Mehrheit der Schweizer, obwohl ich am Liebsten mit ja, aber, oder jein, oder, sowohl als auch, gestimmt hätte. Ganz einfach, dies ist keine ausländerfeindliche Entscheidung, denn die Schweiz ist nicht ausländerfeindlich, angesichts 40% Ausländer in Zürich-Stadt wäre das lächerlich zu sagen, sondern eine Entscheidung der direkten Demokratie. Die gleiche Abstimmung in Deutschland hätte allenfalls noch ein klareres Ja zum Verbot gebracht, so weit lehne ich mich aus dem Fenster. Der Islam muss eben noch ein wenig an seiner Kompatibilität feilen und nicht nur an Toleranz des Westens appellieren, denn tolerant ist der Islam selber am Wenigsten und wilde Krieger mit Sprengstoffgürteln werden hier sicher nicht für grössere Akzeptanz sorgen, sorry. (Hierzu auch der untrige Auszug aus dem Tagi)

«In der Welt geht ein Gespenst um, es heisst Demokratie»: Weltwoche-Verleger und –Chefredaktor Roger Köppel.

Herr Köppel, «Die Schweiz fällt hinter die Aufklärung zurück», titelt heute «Die Welt». Als Sie dort noch Chefredaktor waren, wäre Ihr Kommentar wohl anders ausgefallen?

Ich hätte so etwas tatsächlich nicht zugelassen. Es ist eine unglaubliche intellektuelle Arroganz, die da zum Ausdruck kommt. Sie zeigt, dass der journalistische Mainstream Mühe hat mit demokratischen Volksentscheiden. Die Annahme der Initiative zeugt ja nicht, wie überall behauptet wird, von Ängstlichkeit und Schwäche, sondern von Stärke. Der Volksentscheid zum Minarett-Verbot ist Ausdruck eines offensichtlichen Unbehagens gegenüber dem politischen Islam. Er kam zustande, obwohl die Initiativgegner eine gewaltige Einschüchterungskampagne lanciert haben. Das Stimmvolk hat mit einem «Ja» Mut bewiesen.

Andere Zeitungen von Weltruhm sprechen von «einem perversen Votum» («Times»), «einer grossen Peinlichkeit» («NY Times») «einer Katastrophe» (Süddeutsche»), oder von einem «politisch feigen» Entscheid («Wall Street Journal»). Liegen sie alle falsch?

In der Welt geht offensichtlich ein Gespenst um: Es heisst Demokratie. Es wäre deshalb an der Zeit, dass unsere politischen Entscheidungsträger dem Ausland endlich einmal erklären, dass die Bürger in der Schweiz über wichtige politische Fragen selber abstimmen können. Bevor sich die Amerikaner und die Deutschen über unsere Demokratie entrüsten, sollten sie sich für mehr Demokratie bei sich zu Hause einsetzen. Ich wäre sehr gespannt, was eine Minarettabstimmung in Deutschland brächte.

Die Kommentare zeigen doch vor allem: Die Schweiz steht im Ausland einmal mehr sehr schlecht da.

Das sehe ich anders. Ist die gouvernemental-mediale Entrüstung, die da zelebriert wird, repräsentativ? Ich zweifle. Wie in der Schweiz schätzen die Medien auch im Ausland die Stimmung im Volk völlig falsch ein. Dabei sind in Deutschland 82 Prozent der «Bild»-Leser gegen Minarette, offenbar auch 78 Prozent der «Spiegel»-Leser. Und auch in Holland ergab eine Untersuchung, dass das Volk die Schweiz als leuchtendes Beispiel der Demokratie erachtet. In den Medienhäusern bestehen geringe Kenntnisse darüber, was eine direkte Demokratie ist. Da müssten der Bundesrat und unsere Diplomatie aufklärerisch dagegen halten.

Davide Orru ist italienischer Sommelier und zudem sehr humorvoll. Er geht im Dolder Grand zur Weinprobe! (Wie gut also, dass ich ihn darauf aufmerksam gemacht habe, dass er seinen Geldbeutel bei mir im Auto liegen hat lassen, oder nicht? (Tue Gutes und rede darüber.))

Fahre jemanden aus dem Baur zur Rothschildbank in der Zolliker. Das ist ja nun wirklich vom Reichsten, Feinsten und Diskretesten was man sich denken kann. Die haben noch nicht mal ein Schild draußen wer sie eigentlich sind, sind nur irgendwie in dieser Parkstrasse zu finden. (Der Portier pfeift mich wieder mal her wie ein Hund, behandelt mich auch so, ganz klar ein Fünfsterne-Hotel-Portier steht um Klassen über einem gewöhnlichen Taxifahrer im Uralt-Toyota. (Hehe, ich bin aber keiner in Wirklichkeit, ich bin der Wallraff unter den Taxifahrern, wart bis ich erst mal meine Reportagen verkauft krieg, dann kannst du mir den Schlag aufmachen! Die Reportagen über all die reichen Schweine in Zürich und das Rothschildimperium!)

Überall an den Briefkästen Werbeaufkleber, auch unserer Taxifirma. Diese Unsitte ist Negativwerbung und zu Recht von der Geschäftsleitung abgemahnt.

Fahre eine U-förmige Strasse von beiden Seiten an, mein Auftrag liegt genau in der Mitte und ist nicht anzufahren, da (Zürich) Baustelle. Ich melde Fehlfahrt.

Stehe eine Stunde am Hilton und erfahre schließlich schmerzhaft, dass die hoteleigene Taxis haben (Zürichtaxitarif, aber kein Schild auf dem Dach) und die dort den Vortritt haben. „Ich steh hier nie wieder hin“, schäume ich und fahre weg. Wofür ist denn dann unser Standplatz da, auf dem die auch stehen? Sollen die doch ihren Scheiß selber fahren, wenn sie sich nicht kollegial verhalten.

Weiterhin keine Liveposts auf dieser Seite, es lohnt sich noch nicht, da das Interesse an mir sich wirklich noch in Grenzen hält. Ich lerne lieber Französisch, das Büchlein ist viel handlicher als der Minilaptop.

„Hodahodahaodhodada“, sagt ein Portier am Spital zu mir. Ich, so, „häh?““Hodahodahaodhodada“, sagt er, noch mal, häh, ich nochmal. „Hodahodahaodhodada“, ein drittes Mal. Schliesslich, giftig: „Sprechen Sie Deutsch?“ „Ja, sag ich, „nur Schwiizerdütsch nicht so“. „Wönds ewwer hoole?“ (Kommen Sie jemanden holen?) hat er gesagt, fällt mir dann später ein. Liebe Lütt! Seid’s nicht gleich sauer, wenn man euren Alpenslang nicht sofort auf Anhieb versteht, denn oftmals liegt’s nur am Nuscheln!

Sonntag, 29.11.09

Sehr beeindruckend, diese direkte Demokratie in der Schweiz per Volksabstimmung. Heute waren schweizweit zwei Abstimmungen, über die Antiminarettinitiative und das Exportverbot von Kriegsmaterial. (Außerdem wurde in Zürich der SVP (Schweizerische Volkspartei) Kandidat für den Regierungsrat Ernst Stocker gewählt.) Weniger beeindruckend ist das Resultat. (siehe aber Montag)

«The Times» «Vergessen Sie das Bild ruhiger Alpweiden und Kuhglocken: Der auffälligste Ausdruck der Abstimmungskampagne war ein Plakat, das eine Frau in einer Burka zeigt, die neben Minaretten steht, die aus einer Schweizerflagge spriessen», schreibt die britische «Times». Die Initiative ist der Sonntagsausgabe des renommierten Blattes eine grossen Artikel wert.

Ernst Stocker attackiert Deutsche Von Edgar Schuler. Aktualisiert am 17.11.2009 Zulassungsbeschränkungen für die Uni Zürich sind wieder aktuell. Finanzdirektorin Ursula Gut hat den Numerus clausus als Sparmassnahme ins Gespräch gebracht. Gestern doppelte SVP-Kantonsrat und Regierungsratskandidat Ernst Stocker nach. 

Heute fahre ich tatsächlich den ersten orthodoxen Juden, einen spindeldürren, durch eine körperbehinderungsbedingte motorischen Störung zusätzlich recht schlacksig wirkenden Jugendlichen. Er wirkt aber sonst wie jeder andere auch, setzt sich sogar vorne neben mich, was hier, wie in England auch, weniger üblich ist.

Koks, was ein schussliger Dealer hat fallen lassen, oder Zucker?

Der MAN, er setzt sich rein, er ist so lässig, er ist so schwiizerisch, „wo mönt mr ahne fahre, baby?“ (wo müssen wir hinfahren, Säugling?), er ist in 10 Jahren ein großer Hiphopstar, er setzt sich vorne rein, lässt sich, von seinem Girl hinten, bekraulen, seufzt wohlig, er schnallt sich nicht an, das machen nur Schwächlinge, er duzt den Taxifahrer, der sein Vater sein könnte, er gibt dafür kein Trinkgeld, sondern will auf zwei zerknüllte Scheine noch einen Franken heraus und steigt grußlos aus – er kann mich am Arsch lecken, der MAN. Warum aber werden die Tussen nie schlau? Mädel, du hältst das für cool, für mich ist das ein Flegel ohne Stil, ohne Manieren und ohne irgendetwas drauf.

Gekrumpelte Frank“ch“en

Fahre Italienerin, deren Mann mit einer Jüngeren durchgebrannt ist, sie kann kaum deutsch. Da lerne ich gerade französisch und muss nun italienisch radebrechen, sie schwallt mich zu. Die gekränkten Frauen, sie sind gefährlich!

Samstag, 28.11.09

Wieder jede Menge Klicks auf meiner englischen Seite, wahrscheinlich wegen dem Colfer-Artikel.

Heute habe ich frei und bin ziemlich kaputt, werde ein wenig Bewegung suchen.

Freitag, 27.11.09

Der Chef hat heute morgen schlechte Laune, ein Taxi ist vollgekotzt und das ist dann wohl auch sein Job. „Riecht total süßlich, war sicher Wein.“

Wir haben in der Firma einige Hybridtaxis. Die Diskussion darum gab es schon vor 20 Jahren in Freiburg, aber nix hat sich getan. Sie sind für Taxi optimal, da hier ständig der Motor angelassen werden muss und man das beim Hybrid alles hin- und vorziehen mit dem Elektromotor machen kann. Man könnte ja soviel machen, aber siehe Welthungergipfel, siehe UNO (im Auftrag der FED), am Meisten profitieren davon die Nutten. All diese Gremien, all diese Konferenzen, es wird nur gefressen, gesoffen und gehurt, heraus kommt dabei nix. Ich könnt so vielen Leuten stundenlang in den Arsch treten, alles Heuchler und Nassauer, die ganze Bande.

„Zum Bahnhof, bitte!“ „Gerne. Und darf’s noch etwas mehr sein?“ (Da könnte man doch einen schönen Taxi-Cartoon draus machen)

Bild aus Onlinezeitung

Fahre Eva Nidecker, eine sehr nette, junge und natürliche Moderatorin von Radio Energy Zurich, sie will zum Hallenstadion, wo ein Riesengig läuft „Energy stars for free“, mit Namen wie Milow und Shakira. Gebe ihr meinen letzten Handzettel! Ich komm ja zu rein gar nichts, Stapel von Bücher wären zu schreiben, Tausende von Emails zu schicken, noch nicht mal Handzettel hab ich mehr, aber ich muss ja wohlhabenden und wichtigen Leuten den Schlag aufhalten, nicht wahr, anstatt selber Radio und Fernsehauftritte zu haben. Doch die werde ich noch, genug.

2017: wenn die feministische dreckjustiz nicht gewesen wäre

Fahre Kollegen hinterher, da ein zweites Taxi benötigt wurde. Er fährt zwei große Umwege!

Heute war mein karitativer Tag. Fahre erst zwei ziemlich heruntergekommene Leutchen in die Josefstrasse, dann hole ich jemand von den Sozialwerken Pfarrer Sieber dort ab, einen jungen Typen, der in irgendeinem Endstadium drin ist und nur mühsam mit Gehstützen laufen kann. Dann mache ich einen kleinen Umzug für den Herrn unten, den ich vergessen habe nach dem Namen zu fragen. Er hat Sachen bei irgendeinem städtischen Depot abgeholt, bei dem Wohnungslose Sachen deponieren können, bis sie es wieder abholen. Er hat jetzt eine Bleibe bei der Caritas, die sehr klein und ärmlich ist (aber ganz ehrlich, meine ist eher schlechter). Ich habe ihm geholfen zu schleppen und mir bei einem Fernseher schier den Bruch gehoben.

Er gehört sicher nicht zu Leuten vom Schlag eines Polanski oder einer Tina Turner, den Glanzlichtern der Limmatstadt, ob frei oder hinter Gittern.

Krücken und abnehmbare Schiene. Auch das gehört zum Job, Leute ums Eck fahren, die das normal bequem laufen könnten.

Heute habe ich vom Flugi bis heim nur 20 Minuten gebraucht, am Freitag Nachmittag mit Regen!

Donnerstag, 28.11.09

Sind das Sterne, die ich da sehe oder der Hönggerberg, von meinem Fenster aus?

Tina Turner wird heute 70 und sie ist natürlich der Weltstar, auf den Küsnacht stolz ist ihn zu seinen Einwohnern zu zählen. Ich glaube, heut steigt auch was im Dolder, mit jeder Menge Weltprominenz, aber ich bin ja Tagfahrer.

Heute morgen gleich als erste Fahrt einen sehr netten Mann, der früher Slam-poetry gemacht hat, also eine Art Dichterlesungswettbewerb und dann gab’s eine Flasche Whisky als Preis. Den muss man dann auf Ex trinken, scherze ich. Er hat heute eine Band und nennt mir seinen Namen beim Abschiedshändedruck, aber ich habe ihn nicht genau verstanden. Ich kann hier sehr viele Leute haben, die immer mit mir fahren wollen, aber ich bin zurückhaltend, mich verlangen über Internet und Bestellung mit Aufpreis ist okay, aber sonst ist man so verpflichtet. Aber so machen das alle, die guten Leute abwerben und die anderen können dann die Arzt, Frisör- und Einkaufsfahrten machen.

Dann einen sehr exaltierten holländischen IT-Firmenchef im Turnschuhstyle, der „jeden Tag auf den Flughafen“ muss. Er erzählt mir vom Amsterdamer Discotaxi und ich revanchiere mich mit Stories, als wir vor 30 Jahren, in meiner Freakzeit, mal Shit kaufen wollten in Amsterdam und im Park gepennt hatten. Er gibt mir 5 Zweifrankenstücke zurück, weil er das nicht in der Tasche haben kann, in Wien, wo er jetzt einer Bank „in den Hintern kriechen muss“, sagt er auf Englisch, er spricht kein Deutsch. „They think they’re so fucking important the sun comes shining right out of there arses“. Aber er geht im Nonkonformistenlook dorthin, da kennt er nix.

Kaum sinniere ich mit einer Frau, die ich, wie viele jetzt schon, das zweite mal fahre, „ah, Sie sind ja der Schriftsteller!“ darüber, dass die orthodoxen Juden hier gerne für sich bleiben, im Kreis 3 (dem Warschauer Ghetto, wie ich es für mich, toootal geschmacklos und politisch unkorrekt, (Lembke!) nenne), fahre ich welche! (Obwohl nicht orthodox und außer Hebräisch sprechen sie nur Englisch.) Mir passieren ständig so Sachen.

Um 5 fahre ich noch einen deutschen Wirtschaftskapitän aus dem *****Hotel Baur au Lac zum Flugi, er hat wirklich diese Autorität, die einem viele Jahrzehnte Führungskraft geben, man kneift unwillkürlich den Hintern zu in seiner Nähe, so wie ja auch die Portiers vom Baur. (Aber, Kompliment, ich habe schon zweimal dort eine Flugifuhre bekommen, anstatt dass sie, Hand aufhaltend, jemand kommen lassen.) Aber er scheint menschlich ok zu sein, er will ja auch meine Seite besuchen und sei hiermit gegrüsst. Heute fahre ich zurück über Regensberg, aber brauche wieder dreiviertel Stunde bis ich am Büro bin. Katastrophe, der Verkehr in Zürich.

Ich stehe Langstrasse und schaue ein wenig dem Treiben zu, welche Mädels herum laufen und wie so das Treffen mit den Herren stattfindet. Ich filme heimlich ganz kurz, aber will mir keinen Ärger einhandeln.

Auf diesen beiden videos zu sehen, glaube ich

Heute habe ich zwei unangenehme Erlebnisse mit Schweizer Kleinkariertheit: Drei recht angeheiterte Rentner aus der Sonne (Langstrasse) kommen mir sehr ekelhaft mit versteckten antideutschen Ressentiments und beschweren sich über den Weg, den ich nehme. Aber anstatt mich konkret anzuweisen, wie ich zu fahren habe, machen sie nur blöd, bis es kurz mal laut wird, als ich ich auf „du bisch der Taxifahrer“, antworte, „ja, und du bisch es nicht“. Hinterher wird sich dann über den Fahrpreis beschwert und dann wird auf einmal eine konkrete Routenalternative genannt. Ich prüfe sie nach und tatsächlich, sie ist kürzer, also fahre ich extra zurück und lege ihm 12 Franken auf den Tisch. (Das hätten wir aber alles viel einfacher haben können, ich verlange nie einen höheren Fahrpreis, wenn ich weiss es gibt einen kürzeren Weg, da bin ich immer fair.) Schau ich mich um in der Beiz, da sind wirklich alle (Schweizer) Skatbrüder-Nationalisten von Zürich versammelt, grusig! (Die Deutschen sind schon schlimm genug!)

Dann muss ich pinkeln am Büro und habe entweder die Wahl zur Toilette dort zu gehen, zweihundert Meter oder in die Wohnung rauf (drei Stockwerke oder im Dunkeln mal dort eben ins Laub zu pinkeln. Kommt natürlich aber gerade jemand! „Hasch du da aneprunzt?“ fragt er mich herausfordernd. „Ja“, sage ich, der kann mich doch mal, soll er sich doch um seinen eigenen Kram kümmern und erkläre ihm, ich habe extra und bewusst aufs Laub gehalten und das wäscht der Regen weg. Flippt er aber aus, das sei Kram von der Kneipe, wo ich dagegen gepisst hätte und wird richtig aggressiv. „Verpiss dich!“, sagt er, unfreiwillig komisch. (Ja, wie soll ich das denn, wenn er mich dabei stört?) „Nein“, sage ich, ich wohne hier. Wir bauen uns Brust an Brust voreinander auf…

Mittwoch, 25.11.09

War heute in Baden

Das ist Guido, ein sehr netter, humorvoller englischsprechender Italiener. Er versprach ein grosser Fan von mir zu werden. Prompt habe ich mit ihm verfahren, er sagte, es sei nicht schlimm, er müsse um 9 da sein, zu einem Termin und es ginge dabei ja nur um seine Karriere. (Wir kamen nur 15 Minuten zu spät.)

Das Foto hat eine sehr nettes Maidli aufgenommen, das ich dafür angehauen habe, aber ich weiß nicht, ob sie auf meiner Webseite schaut, sie war so ein bisschen im Ipod-Tran.

Hier fährt der bisher unverschämteste Zürcher, er erinnert mich ein bisschen an das Lieferwagenpack in Brighton.

Verspreche, das werden die letzten Alpenfotos, aber heute war wirklich wieder tolle Fernsicht und Sonne.

Dienstag, 30.11.09

Bei mir müssen die Schweizer nicht mehr lange diskriminierend daher reden, denn ich als Deutscher werde ihr Land nach 10 Jahren verlassen. 10 J. Humorlosigkeit, 10 J. Diskriminierung, 10 J. teure Miete für die letzten Löcher, 10 J. Coop und Migros (Gähn), 10 J. Kleinkariertheit, 10 J. fette Kohle für zu lange Arbeitszeiten und zu wenig Ferien, 10 J. das Gefühl lebendig begraben zu sein!! Tschüss!! Obiger Beitrag zum Thema Zuzug von Ausländern aus dem Tagi. (2011: das trifft den Nagel auf den Kopf!) Da habe ich mal kurz lachen müssen.

Generell sieht man derzeit in der Schweiz wie anderswo auch in Krisenzeiten den Zuzug von Ausländern eher negativ, man hat schlicht Angst um den Job, die Schweiz, die Arbeitslosigkeit eigentlich gar nicht kennt, hat inzwischen auch vier Prozent, was natürlich nix ist, das ist einfach die Anzahl von Leuten, die entweder nicht arbeiten wollen oder können, und man fürchtet einfach vor allem die besser qualifizierten Ausländer, genau wie in D. und anderswo auch. Es gibt hier tatsächlich sogar Stimmen, das Leute sagen, die Schweiz will es ja immer dem Ausland recht machen, (das ich nicht lache) deswegen die Personenfreizügigkeit. Nur vergisst man gerne, dass die Wirtschaft in Boomzeiten nicht ohne Ausländer auskommt und man die Leute nicht an oder ausschalten kann, wie man es gerne hätte.

Montag, 23.11.09

Das World Trade Center in Zürich in der Leuschenbachstrasse steht noch, obwohl in Flughafennähe, wohl da es nur vier Stockwerke hat. Aber lieber Minarette bauen in der Schweiz, sicher ist sicher!

Heute wieder geile Fernsicht!

Mein Fahrgast heute morgen lässt mich zurückfahren, etwas zu holen. Sag ich, gut, ist Alltag sowas bei uns, der Rekord liegt bei zweimal. Kurz vorm Haus findet er es aber doch. „Darf ich schmunzeln?“, frage ich ihn und wir lachen beide, tja, das ist mal eine interessante Variante des „Fahren Sie bitte zurück, ich hab etwas vergessen.“ Er sagt, die Schweiz sei zurückhaltend mit Europa, weil es nicht basisdemokratisch genug sei und „entweder mit Europa oder dagegen“, sei ein typisch deutscher Standpunkt. Es gibt ja noch die Schweizer Variante des Sich-die-Rosinen-rauspickens, sag ich mal dazu. He, ich bin auch nicht bei Brüssel auf der pay-roll, ich find auch nicht alles gut was in dem Laden läuft.

Beim Französisch-Lernen sehen ich, wie unglaublich häufig es fast identische französische und englische Worte es gibt, die nur anders ausgesprochen werden.

„Woher aus D. kommen Sie“, fragt er mich, etwas provokant. Hab ich nur einen Satz gesagt! Wir necken uns dann ein wenig gutmütig, die Deutschen kenne sich am Anfang noch nicht aus, seien aber dann ja recht bald Experten… Ich geh vielleicht auch in die italienische Schweiz, sage ich, hier, Kennzeichen LU vor uns, Lugano sage ich und bin stolz auf meine italienische Ausprache. Luzern, ist es aber, der Tessin hat nur das eine Kennzeichen TI. Wir lachen uns einen ab über mich. Das mag er dann, Deutsche, die über sich selber lachen können und nicht nur alles besser wissen.

Etwas nordöstlich von Züri sehe ich die Flieger beim Landen heute bedenklich in der Luft wackeln, wegen dem Wind. (S)einer hätte morgen durchstarten müssen deswegen, erzählt mit mein Fahrgast.

„Mo muss viel go prüntzli“ der Beitrag im Radio über Blasenschwäche. In Mundart ist eben alles viel herziger und gemütlicher, das Hochdeutsche klingt schon alleine viel distanzierter. / Auf einem Clo finde ich einen Smiley, der markiert wo man hin „soll piesle“, wenn man ihn erwischt, verfärbt er sich hellgelb, normales Spülwasser färbt ihn nicht.

Nennt sich der Flugi hier Unique, dabei hat der so dämliche runde Spülknöpfe in den Clos, dass man daran abrutscht und sich dann die scharfe Kante unter den Fingernagel schiebt. Und das wo ich mir hier in dem Job ohnehin ständig die Finger quetsche, an Türen, Koffern, Gehwagen, Kinderwagen… Auuuu!

Ein Österreicherin sagt, die Schweiz erinnert sie schon ein bisschen an „Asterix bei den Schweizern“.

Sonntag, 22.11.09

Heute lief es richtig gut, aber ich bin nur den halben Tag gefahren, weil ich einfach ziemlich kaputt bin. Gestern habe ich den Artikel bei Douglas Adams Continuum aufgeladen und auch an Joanna Prior geschickt, was ist sie noch mal, bei Penguin, irgendeine sehr wichtige Funktion hat sie dort und ich habe ihr schon dreimal was über Facebook geschickt, ich habe zwar nie eine Antwort bekommen, aber es ist wie bei meinem Schnufftier, Wirkung zeigt es trotzdem. So bin ich sicher, mein Artikel erreicht auch Colfer und noch wichtiger, die Leute um Ed Victor, Penguin und Pan McMillans. Ausserdem werde ich das und Feedbacks, die ich sammele endlich an die britischen Medien schicken, sobald ich dazu komme. Alles in allem bin ich sehr optimistisch, dass meine Version irgendwann einmal doch noch die Leute erreicht, wahrscheinlich wird es ja Hand in Hand mit meinem übrigem Erfolg gehen.

Der so lange nicht mehr auf sich warten lassen wird, heute habe ich einen Redakteur, den Reimer Plöhn von den Kieler Nachrichten gefahren, ihn natürlich eingeladen etwas über mich zu bringen (und dabei aber auch gemerkt, ich laufe den Medien nicht mehr hinterher, wie noch zuletzt in Freiburg, ich brauch das gar nicht mehr, wenn ich das alles weiter so schnell durchziehe wie jetzt, in zwei, drei Jahren laufen die mir hinterher.) Er stimmt mit mir überein, was die Deutschen und Schweizer angeht und ich sage noch mal, herrjeh, den Schweizern fehlt einfach ein wenig das Selbstvertrauen, sie könnten doch jetzt total auftrumpfen und sagen wir, die Schweizer, zeigen euch Deutschen, Franzosen und Italienern wie man ein gemeinsames Zentraleuropa formt, wir machen das nämlich schon sehr lange, wir werden die Hefe im Teig Europa sein – anstatt sich nur in Vereinahmungsängsten zu ergehen und weiter immer nur neutral und für sich bleiben. Europa wächst zusammen, bloßer Konservatismus Appenzeller Milchbauern bringt uns hier nicht weiter. Auch die Iren und sogar die Österreicher merken in Zeiten der Krise wie wichtig eine starke Gemeinschaft sein kann.

2017: das wäre auch so gekommen aber wie gesagt, die Justiz hat mir das alles kaputt gemacht

Sag ich zu einem Fahrgast der einsteigt, „hi, there!“, ein sehr gebräuchlicher umgangssprachlicher Gruss in England. Grad wo ich Colfers Buch gelesen habe und gestern den Artikel schrieb, hab ich wirklich manchmal Probleme zu realisieren, dass ich nicht mehr dort bin, zudem ich ja auch so viele Angloamerikaner hier fahre und ständig Englisch spreche.

Fahre Deutschen, der seine frisch kennengelernte Freundin abholt, er sitzt vorne neben mir, sie ist sehr angeheitert und gleich im Taxi geht das Geschlabbere los, zehn Zentimeter rechts neben meinem Ohr, dass mich auch schier die Zunge streift.

Freitag, 20.11.09

Die Schweinegrippe für Colfer!!!! Ich kaaaann es nicht fassen, dieser Haufen Bockmist, den ich heute fertig gelesen habe, ist nun der offizielle sechste Anhalterband???? Na ja, das gibt mir doch noch eine Chance, denn mein Buch ist nicht 100mal besser, sondern sein Buch verhält sich in etwa, was die Qualität angeht, wie ein kleines Stück Apfelstrudel in Grösse zu einer ganzen Galaxie. Ich werd noch mehr dazu schreiben, nur soviel, ich bin wieder im Rennen! Die Klicks auf meiner englischen Seite haben sich wieder normalisiert. International zieht das eben weitere Kreise, einfach auch weil es ja viel mehr Leute auf der Welt gibt, die Englisch sprechen, aber kein Deutsch.

Fahre wieder meine Freundin mit dem Zuspätkommtick. Wieder lässt sie mich 10 Minuten warten! Wieder hat sie es sooo eilig! Und das Schärfste, ich frage sie ehrlich interessiert, ob sie denn den Zug noch bekommen hat, wann war das, vor einer Woche oder so, sagt sie: „weiß ich gar nicht mehr, ich muss ja ständig auf den Zug hetzen.“ !!!!! Zieh sich das mal einer rein! Solange sie funktioniert, schickt die keiner zum Onkel Doktor, aber da gehört sie doch hin. Natürlich verliert sie ihr Handy in meinem Auto, aber das ist ihr bei dem Beinaheunfall aus der Tasche geflogen. Denn ich habe heute zwei Beinaheunfälle, nur durch meine trainierten Reflexe konnte ich sie verhindern, das eine mal mit ihr, die zwei Autos vor mir touchieren sich, aber ich und ABS konnte es verhindern mit dabei zu sein. Das andere Mal auf der Autobahn mit 100, die Autos vor uns stehen, aber die Bremslichter sind nicht zu sehen, da grelle Sonne.

Tue Gutes und rede darüber: Ich laufe jemandem nach, er kriegt noch 50 Franken Rausgeld von mir.

Fahre hübsche Äthiopierin, die mit einem Deutschen verheiratet ist. Wir fassen noch einmal zusammen, es gab wieder aktuell Presse gegen die Deutschen hier, sie seien arrogant, aggressiv und zu laut, das, was man eigentlich immer hier hört, die Teutonen eben (Warum nicht gleich Hunnen, wie uns manche Engländer schimpfen?) Also, mir ist natürlich klar, wenn ich sage, was soll das, wir seien doch eigentlich alle gleich, dann ist das in den Augen der empfindlichen Schweizer natürlich wieder typisch deutsch, „der will die Unterschiede ja gar nicht sehen“. Okay, stattgegeben. Also, dann ist das eben so. Aber, sie sagt auch, die Deutschen seien ihr lieber, die sagen was sie denken (komisch, das ist genau das was die Engländer auch von uns sagen, die „deutsche Direktheit“ und komisch auch der vornehme Teil der Engländer, nicht die Hooligans, sagt auch nie was er denkt (die Hooligans schreien es einem ja in die Fresse)), die Schweizer seien hintenrum. Tja, sage ich, ist ja eigentlich weibliches Verhalten, Frauen sagen ja auch nie direkt, was sei denken. (Wenn sie fragen, „gehst du morgen in die Stadt, Schatz? Wenn ja, dann kannst du mir doch vielleicht das und das noch mitbringen“, dann ist das keine Frage, sondern eine direkte Aufforderung ihr, und zwar heute noch, das Gewünschte zu bringen, will man nicht alleine schlafen.) Dann fällt mir auf, Moment mal, das ist ja genau wie in England, sobald die Leute merken, dass ich auch Ausländer bin, fangen sie an über die Einwohner herzuziehen! Nur in Deutschland haben Ausländer bei mir im Taxi nicht über die Bewohner des Landes hergezogen, sondern über andere Ausländer, komisch…

Steh ich auf dem Heimweg auf der Autobahn im Stau, hör ich im Radio über die peruanische Bande, die menschliches Fett an Pharmakonzerne verkauft hat (und wahrscheinlich für das Verschwinden von so ein paar peoples verantwortlich sind) da kommt der Jingle des Sponsors. Irgend so eine Liposuction-Klinik! (Ist diese Welt nicht fucking…) Darf man dieses Fett eigentlich weiter verwenden?

Vielleicht werde ich ja eine traurige Berühmtheit hier, jetzt trudeln die Liebesbriefe von der Stadtpolizei ein.

Blick auf den See und (Kirche) Enge, vom Bellevueplatz aus

Überall in Züricher Klos, der Einwurf für gebrauchte Spritzen

Donnerstag, 19.11.09

Bin auf Seite 100 von 335 Seiten in Colfer’s Buch. Wie befürchtet ist das Buch schlecht, meins ist hundertmal besser, obwohl ich es ehrlich gesagt noch mal um einiges besser hätte machen können. Da, wo Adams richtig nervig, langweilig und wirr wurde (und ich diesen Mist in der Neuübersetzung gerne gekürzt habe), macht Colfer gerade weiter, ohne gescheiten Plot, ohne roten Faden und total wirr daher geschrieben. Irgendwo sind da Parallelen, der Verlag gibt einem schlechteren Autoren den Verzug, weil der sich besser verkauft und die Frau, die ich liebe einem Freund, der nichts taugt und gar nichts von ihr will -weil der sich besser verkauft. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ist diese Welt nicht fucking crazy?

Meine Züricheuphorie hat weiter nachgelassen. Fahre Schweizerin aus dem Tessin. Diese fühlen sich schon vernachlässigt, „echte Schweizer sind nur die Deutsch-Schweizer“, aber man empfinde sich trotzdem aufgehoben in diesem Land und sie berichtet von ähnlichen Spannungen zwischen Tessinern und Italienern. Wie sie ja sicher auch zwischen Romands und Franzosen sind. („Le racine d´Ammenasse“)

Mittwoch, 18.11.09

Dann spricht man auch immer groß von Unterschieden zwischen Schweizern und Deutschen, das sei eine ganz andere Kultur… also, Leute, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Amerikaner etwa einen Unterschied zwischen den beiden finden könnte und auch ich nicht, ganz ehrlich, ich finde die Deutschen unverschämt und ich finde die Schweizer unverschämt, so wie ich sie bisher erlebt habe, hier in Zürich, und auf dem Land sind die Leute auch in D. noch wesentlicher ruhiger und bodenständiger. Also, diese Haarspalterei lasst doch bitte, Leute und arbeitet zusammen die Probleme dieser Welt zu lösen!

Die NZZ hat in ihrer Beilage immer eine Reihe, in der sie Taxifahrer porträtiert, vielleicht macht sie das ja auch mal über mich, ich meine, wer bin ich denn schon…

Gott, hab ich schon Klagen von Fahrgästen über Kollegen gehört! Heute auch wieder, wir kommen darauf, weil sie meinte, es sei ihr neulich schier schlecht geworden, wie da einer fährt, so anfahren und kurz vor der Ampel Vollbremsung und dann sagte, ich klar, manchen mangelt es eben an der nötigen Sensibilität, die sind im Allem so und das öffnet erst recht Türen bei ihr, jaaa, die Schwiizer, gerade wenn sie älter sind, die seien unmöglich als Taxifahrer, einer hätte sie am Bahnhof weg geschickt, weil ihm die Strecke zu kurz wäre, sie soll doch hinten bei dem Neger da einsteigen… sie steigt schon gar nicht mehr ein dort, sondern ruft lieber bei uns an, oder, sie kann nicht hinten einsteigen wegen ihrer Behinderung, jaja, das müssen Sie aber probieren da rein zu kommen (nur weil der zu faul war vorne die Zeitungen weg zu räumen), oder, einer weigert sich eine Katze im Korb zu transportieren, obwohl Zentraleauftrag und sie ihm anbot sie in den Kofferraum zu tun, so dass sie den Termin bei der Tierklinik verpasst hat oder einer wollte sie mal in den Swingerclub abschleppen „da kann man tanzen“ (nur weil er halt eine Frau braucht, um da rein zu kommen und kaum wäre er drin würde er sie ja gar nicht mehr beachten.)

Heute habe ich fünf Riesenkoffer und fünf Taschen an den Bahnhof gefahren, für 15 Stutz! Vorher konnte ich nicht ans Hotel, weil ein Handwerker auf Stundenlohn die Strasse versperrt hat, so musste ich eine Einbahn verkehrt hinauf und auf die Toilette durfte ich im Hotel auch nicht!

Eine mindestens 90-jährige mit Krücken wird ungeduldig! „Wenn das jetzt noch lang geht, steig ich grad wieder aus!“ Weil ich eben lieber kurz auf den Plan schau, bevor die Uhr läuft. Zum Schreien!

Heute habe ich zwei Fahren mit Leuten gehabt, die ich schon zum zweiten Mal fahre, insgesamt drei!

Habe Colfers Buch kurz durchgeblättert. Er hat ein paar Figuren verwendet, die auch ich genommen hatte, aber seine Story nimmt einen ganz anderen Verlauf als meine, geklaut scheint er nicht zu haben. Aber die Chance all die losen Enden aus den fünf Bänden zusammen zu weben und einen befriedigenden Abschluss zu finden wie ich das getan habe, scheint ihm nicht gelungen, aufs erste Durchblättern deucht alles recht wirr und Fantasy-lastig. Colfer eben. Sprachlich scheint es aber ansprechend zu sein, ich konnte ja auch deswegen nicht überzeugen, weil ich kein Geld für eine Korrektur meiner eigenen Übersetzung ins Englische hatte, selbstverständlich kann meine englische Version so sprachlich nicht überzeugen. Aber wenn jemand nur 500 Euro in mich investiert hätte, wer weiß?

Die Taximisere ist hausgemacht! Überall in Europa wurden während des Booms viele Lizenzen herausgegeben, wobei die Stadt daran gut verdient hat und nun werden sie nicht mehr zurück genommen. Die Folge, der Verdienst sinkt, die Folge ein ruinöser Preiskampf, die Folge, der Verdienst sinkt weiter, die Folge, die guten Fahrer springen ab, schlechte Leute, zb. Ausländer mit fehlenden Orts- und Sprachkenntnissen werden vermehrt eingestellt, die Folge, die Qualität kann nicht mehr gesichert werden, die Folge, die Kunden bleiben weg, die Folge, der Verdienst sinkt weiter… Teufelskreis! Was kann man machen? Öffentlichkeit, Druck, Kooperation mit der Stadt, Lizenzen werden zurück gekauft, Verdienst steigt, Qualitätssicherung durch härtere Prüfungen und Kontrollen, Kunden steigen wieder aufs Taxi um. Der ökologisch- und ökonomische Blödsinn der Zersplitterung in viele Einzelzentralen muss wegfallen, die Bedienzeiten werden so kürzer, die Leerfahrten weniger, die 24/7 Funkzentralen weniger – das eingesparte Geld kann über Tarifsenkung dem Kunden weiter gegeben werden, ergo: trotz Krise könnte in diesem Gewerbe richtig gut verdient werden! Warum findet das nicht statt? Weil das Taxigewerbe weltweit eine Nische für sture, eigenbrötlerische Schafsköpfe ist!!!!

Dienstag, 17.11.09

Weiss auch nich‘, Zürich nervt mich gerade. In so eine blöde, überflüssige und höchst provinzielle Auseinandersetzung Deutsche/Schweizer hineingezogen werden, wo ich mich eigentlich nicht mehr als Deutscher sondern als Europäer fühle… ich lerne mit Hochdruck Französisch, kann ich nur dazu sagen. Und, auch in der Romandie muss man in den kleinen Städten keine Ortskunde machen, sondern kann mit dem permit de conduire Suisse, categorie D1 (den ich ja habe) gleich anfangen. Voila!

Montag, 16.11.09

Seh ich am Samstag ein Pärchen im Hallenbad, stehen die heute bei uns auf der Matte, er will Taxi fahren und die Ausbildung machen.

Find ich meine Aufzeichnungen nicht mehr von heute, kann mich an nichts mehr erinnern, ausser an Stress und Hektik!

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Über Jochen Lembke

Europe's cab-driving writer
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2 Antworten zu 16.11. – 13.12.2009 (Taxifahren und Wohnen in Zürich)

  1. af schreibt:

    Künftig wird das sowieso mit selbstfahrenden Auto kein Problem mehr darstellen, dann gibt es auch keine Taxifahrer mehr. Aber ich denke die Vernetzung wird in den kommenden Jahren das Straßenbild komplett ändern. In London werden die freien Parkplätze schon mit Sensoren erfasst. Der erste Schritt ist getan!

    • Jochen Lembke schreibt:

      Hallo, Af und danke. Ja, die Einzeltechnik besteht schon überall und ich denke diese Technik hätte schon viel früher realisiert werden können, wenn das Autofahren nicht sehr vielen Menschen so sehr Spaß machen würde (mir nicht mehr 😉 ) Ja und gerade das Taxi wird wohl der erste gewerbliche Einsatzzweck für den Selbstfahrer werden und ja, auch da gerade London! Denn dort lässt sich der Vorteil der automatischen Navigation am Profitabelsten ausspielen!

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