8.9. – 29.10.2009 (Taxischein Zürich und große Euphorie!)

Donnerstag, 29.10.09 

Ab heute kann ich wieder liveposts machen, ich hatte noch ein Stromkabel für Ziggianzünder aus England und brauchte nur einen Adapter. Die Bedienung von diesem Winzcompi macht mich aber verrückt, ich muss jetzt einen ganzen Abschnitt neu schreiben, bin an irgendwas gekommen und alles war wieder weg, rückgängig ließ es sich nicht machen. Heute ist es wieder extrem ruhig, ich habe, 8.40 Uhr, nur zwei Fahrten gemacht, seit 7.00. Eine so süße Omi, die gleich von ihren Enkelkindern erzählt hat!

Nachzutragen ist noch, dass Zürich sehr wohl den Ruf hat die teuersten Taxitarife der Welt zu haben! Ebenfalls mein zweiter Strafzettel hier, nach Abzug von Toleranz war es noch 1 km zu viel, 40 Stutz. Ja, sind wir denn hier in der Schweiz?

Nettes Haus in der Stampfenbacherstrasse

10.00 So läuft das im Taxigewerbe, man schaut nach einem Café, (dann nach einem Platz zum Pinkeln). Gerade als ich mir bei einer italienisch-sprechenden Griechisch-Türkin (gegenüber war auch eine Art Café, aber da stand alles auf Arabisch so dass ich nicht genau weiß) ein belegtes Brötchen vom Vortag aufschwätzen lasse und sie mich fragt ob ich aus der Türkei bin, (alle Taxifahrer sind von dort) und ich sage nein, die Gastarbeiter von heute kommen aus Deutschland, entgeht mir ein Auftrag und ich muss mich neu einbuchen. Nun stehe ich Schaffhauser (ohne Termin) und habe eine ganze Stunde nix verdient und kriege so langsam diese Existenzpanik, die so vom Po unten nach oben zieht. Hier bin ich ja schon mal eine Stunde gestanden und leer weggefahren.

11.38 Zwei Fahrten hintereinander. Ein Fahrt für 12 Franken, für die ich 12 Verkehrsregeln brechen musste und eine sehr nette Dame, die heute Nachmittag auf meine Seite schauen will. (Sie schreibt selber Gedichte. Oh welch Not, fährt Sie ein Chaot.) Bei ihr habe das erste Mal diese komische Ritschratschmaschine bedienen müssen, für Kreditkarte, da ich keine neue mit GPS, dabei habe. Nun stehe ich Engstrasse als erster, ohne Termin, und habe die Sihlcity vor mir. Der Nebel ist weg und die Sonne scheint sehr schön.

12.17 Die Freuden des GPS-Datenfunks, man steht eine Viertelstunde in einem Raum, dann wird man auf einmal als Letzter in einen anderen gebucht, die gestandene Zeit kann man abschreiben. Dafür krieg ich dann eine KF, Kinderfahrt, ein kleines, süsses fünfjähriges Butz, namens Anne-Marie, vom Kindergarten in eine, hm, Vorschule oder so. War etwas abenteuerlich, weil ja keine erwachsene Person dabei war und ich aufpassen musste, dass sie da auch wirklich richtig war. Aber soo süß, das kleine Butz!

Steh am Bahnhof Uetlibergstrasse und warte mir einen Wolf

Dachte es ist eine gute Idee, meinen Brighton Taxiausweis mitzunehmen. Im Display aber ein Zürcher Raum.

13.58 Indes, wie wollte ich eins ernähren, wenn das mit der Krise (hier) so weiter geht, der Taxifahrer ist am Schlechtesten dran in einer solchen. Habe ewig warten müssen, dann aber zwei Fahrten hintereinander, einen Eiligen, nach Altstetten, dann zwei nette amerikanische Geschäftsleute ins Hotel in der Schiffbaustrasse. Einer erzählte mir die nette Geschichte eines New Yorker Taxifahrerin, über Leute, die davon rannten, ohne zu zahlen. Sie hätten eine sehr nette Unterhaltung gehabt und der junge Mann hätte sehr viel von sich erzählt, bevor er dann ohne zu zahlen abhaute. Sie musste also nur die Polizei anrufen und ihnen das Gespräch schildern und sie schnappten ihn sich!

14.33 Zumal ich mehr für Kaffee ausgebe als ich verdiene, gerade wieder 3.90 in dem Hotel vor dem ich immer noch warte. Dafür konnte ich ein wenig mit der hübschen Hotelangestellten flirten. Sie kommt von der Insel Rügen, also von gerade der anderen Ecke Deutschlands wie Freiburg.

15.02 Aus Freiburg sind auch meine nächsten Fahrgäste, allerdings Freiburg, Schwiiz. Sie steigen am Hotel ein und ich muss mitten im Satz abbrechen. Am Bahnhof, klein-Afrika, bleibe ich nie stehen. Nun stehe ich am Central als zweiter und Funkdritter. Hier ist Kaffeehaus-Atmosphäre, der Stand ist direkt neben den Leuten, die ihren Espresso schlürfen, fast möchte man sie ermahnen nicht zu schlürfen und zu schmatzen, in jedem Fall kann man sich an den Gesprächen beteiligen.

15.51 Endlich wieder 55 an den Flugi mitgenommen, dank vier koreanischen Geschäftsleuten. Ich lobe mich inzwischen Japanisch, Koreanisch und Chinesisch auseinanderhalten zu können. Als sie dann an den Schalter Korean Airways wollten, bekam ich die Bestätigung. Nun probiere ich es mal am Mövenfick, pardon, pick, als zweiter, was ain chline Risiko isch. Termin hat es nich und von hier an den Flugi bringt es nur 12 Frankche. Wir sahen einen Hummerfahrer mit dem Natel am Ohr und die fragten mich ob es hier keine Polizei hat. Doch sag ich, die sind alle mit Taxifahrerkontrolle beschäftigt. Ich bitte doch, Standzeiten bis zu einer Stunde, weil die Stadt keine Konzessionen zurücknimmt und dann soll man noch Pausen einhalten, das ist doch lächerlich, de facto… Moment mal kurz… wird doch der Fahrtenschreiber beim Warten auf Pause gestellt. Wer das Offizielles hier liest, der kann mich doch mal!

19.00 Feierabend. Ich habe vom Mövenfick, pardon pick, das Flughafengefängnis gekriegt! Klar, denk ich, fahr ich den Polanski, aber es waren Leute, die einen in Abschiebehaft einsitzenden Balkanesen besucht haben und sich für ihn stark machen. Es droht ihm daheim mindestens Haft! Sie meinen, ich sei ein guter Ausländer, sie hätten auch schon Leute gehabt, die sagen: „ich farre, du sagge!“ (Wo du wolle) Kennen wir alles. Wir haben eine sehr lustige Fahrt zum Bahnhof, wobei ich natürlich am Meisten lache, das Mövenfick, (pardon!) hat sich also gelohnt. Sie bringen mir Schwiizerdütsch bei!

Dann kriege ich noch ein Fahrt und das hat wohl so sein müssen, ein Autor aus Freiburg fährt eine Frau, die in Freiburg ihre Bücher verlegt hat, sie lebt in Italien und ist beim Herderverlag verlegt! Die Welt ist klein!

Gegen 18.00 quäle ich mich eine halbe Stunde durch den Stau in Höngg nach Hause ohne einen verfickten Frankchen. Fazit: Wie immer, auch heute, ein Taxifahrer leistet Übermenschliches, für einen Hungerlohn.

Hier stand ich 15 Minuten im Stau. Im letzten Bild der Rückstau im Rückspiegel

Mittwoch, 28.10.09

Kommt der Chef heute Morgen mit einem Sack voll Klamotten für mich in die Wohnung, er kriegt immer so viele Sachen von Asien mitgebracht und ob ich sie gerne haben wollte. Er ist so ein süßer Knuffbär, ich habe ihn schon fest ins Herz geschlossen!

Die Schulung war beeindruckend, der Geschäftsführer persönlich hielt sie und ich fand ihn sehr überzeugend, man sieht einfach, er steht mit seinem ganzen Herzen hinter der Sache. 444, ein Genossenschaftsbetrieb, aber auch AG, rund um überzeugend für mich, ich kann mich voll und ganz mit dem Laden identifizieren und diese Nummer empfehlen. Wirklich Glück, dass ich auch nach England gleich bei der richtigen Firma gelandet bin. Vor allem, weil jeder richtige Leser hier weiß, wie wenig ich von der derzeitigen Geschäftsführung von Taxi Freiburg halte. 444 ist von ’93 an von einem kleinen Laden von Außenseitern zum Marktführer aufgestiegen und wenn man sieht, bei 350 Lizenzen wirft man jedes Jahr 20 Fahrer raus, so muss ich sagen, diese 6-7% Ballast werden in Freiburg leider immer mitgeschleppt. Und dass man sich hinstellt und gleich sagt von 11 Fahrern bei der Schulung hat man bei dreien Zweifel – gesunde Härte, muss ich sagen. (Und das obwohl in Zürich Fahrer knapp sind.)

Dienstag, 27.10.09

Heute arbeite ich nicht, da krank. (Es geht aber wieder aufwärts.) Morgen ist eine Schulung dran.

So wie ich das also verstanden habe hat die Schweiz den Gaddafi-Sohn verhaften lassen, nachdem der sich mit Hilfe seiner Leibwächter in Genf einen rechtsfreien Raum geschaffen hatte, indem er nach Herzenslust Leute verprügelte, die ihm nicht passten und Polizisten krankenhausreif dabei geschlagen wurden. Und daraufhin hat Gaddafi sich aus Rache einfach zwei Schweizer geschnappt und hält die fest. Und die internationale Gemeinschaft schaut weg, weil er das Öl sprudeln lässt und die Mullahs in Schach hält.

Montag, 26.10.09

Gestern ist bei uns im Büro eingebrochen worden und wahrscheinlich hat man die Zürcher Konjunktur geklaut, heute erhob sich jedenfalls großes Jammern und Wehklagen bei den Zürcher Taxifahrern und bei mir, na ja, von mir ist man das ja ohnehin so gewöhnt. Das einzige Mal, dass ich heute wach wurde war als ich geblitzt wurde (unweit der Stelle, wo der Dreijährige aus dem Auto geschleudert wurde und ums Leben kam, es sind ganz viele Blumen dort.) Na ja, was erwartet man, wenn man sich trotz Angina zur Arbeit schleppt. Mir ist als wüte ein Wolf in meinem Hals, ohne Schmerzmittel kann ich gar nicht sein.

Weissauchnich, ich kenn mich einfach nich aus in Zürich, fahre nur verpeilt rum und das wird sich das Jahr auch wohl nicht ändern. War heute an einem Migros in Schwamendingen und kenne nun wohl seine Anfahr- und Lademöglichkeiten. Aber, jammer, die Stadt geht von Wallisellen bis, wie heißt das, Kilchberg und von Affoltern bis Zollikon…

Ein Tag zum Selbstauslöserfotos machen.

Lembke, bei seinem 444 Taxi

Tote Hose am Central. Es gibt nicht einmal mehr Parkplätze…

…aber wenigstens interessante Fahrgäste! Sag ich, ich hab gestern jemand vom Fernsehen gefahren, sagt sie mir darauf, sie wären auch beim Fernsehen. So ist das in Zürich, die Hälfte aller Fahrgäste sind reich oder berühmt!

Sonntag, 25.10.09

Bin mit Angina aufgewacht, obwohl ich gar nicht mit ihr ins Bett gegangen bin. Ich weiß also gar nicht ob ich überhaupt mit ihr geschlafen habe, aber ich denke schon. Sie ist jedenfalls sehr feurig und arbeitet besonders mit dem ganzen Hals. Ich wäre jedoch sehr froh, ich bin sie wieder los. Hoffentlich bleibt sie nicht lang.

Tja, was der Lembke ist, so nimmt er eine Schmerztablette und kriecht ins Taxi, da kann man sich ja dann ausruhen. Aber gelohnt hat es sich heute schon, nicht wegen dem Umsatz, der war eher bescheiden für Zürich, sondern wegen den Leuten heute. Zürich ist einfach geil von den Leuten, die man fährt, was hab ich gesagt, ich mach mich schamlos an die Wirtschafts- und Finanzleute und Medienmogule heran? Tja, mach ich ja auch! Heute hat ich zweimal Medienleute, einmal Redakteure vom Schweizer Fernsehen (Robbie Williams war hier, aber er ist gleich wieder verschwunden, haben sie mir erzählt), von der Sendung Giacobbo Mueller, dann einen Kameramann (von welchem Sender hat er mir nicht gesagt, er war in Eile), dann Mel Collins, der in der Harald-Schmidt-Show-Band mitspielt.

Mel Collins

Dieser Zürcher Taxifahrer holt nicht nur gerne Leute beim Schweizer Fernsehen ab, er fährt auch gerne dort hin. Am Liebsten natürlich einmal zu einer Sendung über ihn!

Ich denke auch, dass das Verhältnis Deutsche/Schweizer so viel Satirematerial hergibt, dass ich einfach froh bin hier zu sein! (Die Schweizer Rachenkrankheit, sie chriege alle no ömal Chelchopfchrebs!) Hab mich schier krank gelacht, als ich erfuhr, dass d’Schwiiz sich ja zuerst gegen die Sommerzeit gewährt hat, wie sie sich ja gegen einfach alles zunächst wehrt, was von außen kommt. Die Bergbauern hatten gemeint, es würde ihre Kühe durcheinander bringen!!!! Also standen die Reisenden im Transitland Schweiz jahrelang im Chaos, weil ihre Bauern, die sehr stark im Parlament vertreten sind, das neumodische Zügs erst einmal verdauen mussten (Ich glaube, Schweizer Kühe sind ein Musterbeispiel an Flexibilität und Innovationsfreudigkeit, verglichen mit einem Appenzeller Milchbewirtschafter.) Was hab ich lachen müssen, weil das einfach so typisch für d’Schwiiz ist!

Heute morgen war ich auch schon in der „Balkanstrasse“, eine Straße mit von hauptsächlich Jugos bewirtschafteten Beizen. Aber gefährlicher als die Jugos seien für die Schweizer eben die Deutschen, eben weil sie nicht nur Taxifahrer oder Gastronomen hier sind, sondern auch die Schweizer Führungsschicht unterwandern und so natürlich massiv Schweizer Vereinahmungsängste wecken. So sagt es mir ein dütscher Hotelier heute Morgen.

Süß fand ich auch die beiden Zürcher Omis heute, ich sagte ihnen, sie möchten mir doch eine Story erzählen für mein blog und ganz so nebenbei ergab sich eine ganz wunderwunderwunderbare. Wir kamen am Schauspielhaus vorbei, dort hatte sie einen „Renner“ (Zürcher Dialekt für Rendezvous) mit ihrem Mann. Dann kamen wir an einem Bänkli vorbei und dort hat ihr Mann ihr einen Heiratsantrag gemacht. Dann kamen wir an einem Chirchli (Kirche) vorbei und dort haben sie dann geheiratet.

Samstag, 24.10.09

Da ich krank bin fahre ich heute nicht. Ich habe aber ein wenig die Zeit verwendet um das Blog umzustellen und habe die Einträge aus Brighton zeitlich einsortiert. Auch wenn sie auf Englisch sind, denke ich, wertet das das Blog um einiges noch auf, da doch jeder genug Englisch kann, um sich wenigstens durch zu blättern.

Freitag, 23.10.09

Weissauchnich, ich steh ja dazwischen, wenn Deutsche mir sagen, wie spießig d’Schwiizer sind und ich sehe wie großkotzig so manche Deutsche sich hier geben, besonders die mit Kohle und das haben viele Deutsche in der Schweiz, ja. Dieser Arsch von gestern kann mich jedenfalls mal, da kann er sich das Dolder leisten und gibt mir 2 Franken Trinkgeld, nachdem ich „hopphopp“ doch mal eben illegal abbiegen sollte. Aber so sind die mit Kohle eben, nix Neues.

Ich fahre süße Türkisch-Schweizerin und mache die Uhr im Stau bei 40 Franken aus. Sie macht dafür ein Foto von mir! Ich lade es aber nicht auf, weil ich alt und fett darauf aussehe und wie einer, der zweieinhalb Monate TIERISCHEN Stress hinter sich hat.

Unterwegs in Sachen „süße Rezeptionistin aus Deutschland“ im Swisshotel! Gehe mit Handzettel hin, aber sie ist nicht da!

Das Swisshotel und seine Standplätze. Es hat nur zwei und steht man als Dritter wird man weggeschickt. Dann kann man zum Bahnhof Oerlikon vis-a-vis, aber da dürfen nur jeweils zwei einer Firma stehen, siehe Foto. Es dürfen hier also jeweils 2 Taxi 444 stehen, zwei Züritaxi und zwei Taxi Jung.

Messe: Exclusiv Taxi 444

Urbane Tristesse am Bahnhof Oerlikon.

Unser Auftragscompi. Ich bin also „Swisshotel“ als Zweiter von Dreien eingebucht.

Ich fahre im Schnitt 30% Dütsche und weitere 20% englischsprechende Ausländer. Mein Englisch rostet hier jedenfalls nicht ein und ich bin sehr stolz auf meinen gepflegten „British accent“.

Ich bin krank und werde morgen nicht fahren. Genf sei dreckig und voller Araber, sagen mir alle. Ein Grund mehr hinzugehen oder nich?

2017: Heute ist D dreckig und voller Araber!

Habe bei meiner Facebook-Freundin Melissa Plaut auf ihre Wall geschrieben, dass wir einen Wettbewerb machen sollen, wer der berühmteste Taxifahrer der Welt ist und ich sei „way ahead of you, baby!“

Donnerstag, 22.10.09

Fahre wieder verpeilt in Zürich-Nord herum, wo ich schon mit Stadtplan Schwierigkeiten hab irgendwas zu finden!

Als letzte Fahrt heute meine erste ins Dolder Grand und ich beiß mich in den Hintern, dass ich wieder keinen Foto dabei habe. Fuck! Das bisher beste Alpenpanorama, die ganze Kette der schneebedeckten Berner Alpen im Lichte der Abendsonne, vom Plateau des Dolder Grand aus – hier wäre es gewesen, mein würdiges Zürcher Foto, ein Portier hätte es gerne von mir gemacht, er ist ja „Promis“ gewöhnt dort. Mann, es wird wirklich Zeit jetzt so langsam! Fahre ich einen (sorry für’s Lauschen, aber das machen alle Cabbies), nach eigenen Aussagen stinkreichen Deutschen, hole ich natürlich gleich meinen Handzettel raus, er möge mich doch sponseren, sagt er klar, er sponsert ja alle, „sogar auch Waffenhändler“. Na, nu mach dat auch ma, Junge! Ich bin es Leid mein Talent zu verschwenden, nur weil mich keiner fördert wie andere, ich will endlich Kohle machen! Hier hab ich doch wie kaum wo anders die Chance wirklich reiche Leute zu fahren und hier wird es auch stattfinden!

2017: So war dat damals

Hier, vor lauter Wut habe ich heute einen Züribus gestreift.

Das Dolder steht halb leer. Das Fünfsternehotel am Zürcher Adlisberg kämpft – die anderen Luxushäuser auf dem Platz Zürich allerdings auch.

Ende März 2008 hat das neue Dolder Grand seine Türen geöffnet, und es kämpft noch immer mit einer tiefen Auslastung: Die Zimmer waren in der ersten Hälfte 2009 lediglich zu 43 Prozent ausgelastet und dies trotz Sonderangeboten, bei denen Gäste bei einer Übernachtung eine weitere geschenkt bekamen. Zwischen April und Juni – nur für diese Monate liegen Vergleichszahlen vor – wurden gar etwas weniger Zimmer verkauft als 2008. Die Auslastung wäre gar noch tiefer, wenn alle Zimmer in Betrieb wären. Laut Direktor Thomas Schmid sind ständig 24 der 173 Zimmer nicht benutzbar, weil die Wände gestrichen, hartnäckige Flecken in den Teppichen entfernt oder andere Reparaturen vorgenommen werden müssen. Das Dolder sei eben ein aufwendiges Haus, bemerkte er. Die Top-Suiten – sie kosten zwischen 6000 und 14’600 Franken pro Nacht – waren im Durchschnitt gar nur an jedem dritten Tag belegt. Laut Schmid ist es nicht aussergewöhnlich, dass die Auslastung von Suiten tiefer ist als die von Standardzimmern. Im Frühling hatte eine amerikanische Familie die Maestro-Suite für 14’600 Franken aber gleich für 6 Wochen gebucht. Es gab auch Interessenten, die über längere Zeit dort wohnen wollten, was das Dolder Grand aber abgelehnt hat; man wollte nicht so lange auf ein wichtiges Aushängeschild verzichten. Auch den anderen Zürcher Luxushotels läuft es kaum besser. Zahlen gibt zwar kaum eines bekannt; gemäss den Daten von Statistik Stadt Zürich waren sie in der ersten Hälfte 2009 aber nur zu 47 Prozent ausgelastet. 2008 waren es im ersten Halbjahr 62 Prozent. Das Dolder Grand gab sein Comeback zu einem denkbar ungünstigen Moment: Schon bei der Eröffnung kriselte es in der Finanzbranche, und kein halbes Jahr später kollabierte die Wirtschaft um ein Haar. «Wir mussten zudem bei null beginnen», sagte Schmid. Das sei harte Arbeit. Gerade weil der Start harzig war, fand sich das Haus dauernd in den Schlagzeilen wieder. Das sagten die Verantwortlichen am gestrigen Pressefrühstück dazu: «Für 1,5 Milliarden ist das Dolder zu haben.» Laut Thomas Schmid denkt Besitzer Urs E. Schwarzenbach nicht daran, das Luxushotel zu verkaufen. «Er sieht das Dolder als generationenübergreifendes Engagement.» So habe er auch seinen Sohn in den Verwaltungsrat geholt. Bereits ein Jahr nach der Eröffnung hatten Gastroprofi Martin Candrian und Ex-Miss-Schweiz Silvia Affolter den Verwaltungsrat verlassen. «Wohnung für 1 Million im Jahr zu mieten.» Seit über einem halben Jahr sucht das Dolder Grand Mieter für seine zwei Luxuswohnungen – und sucht noch heute. Die Wohnungen sind 480 und 560 Quadratmeter gross, werden nach Vorstellung der Mieter mit jedem Luxus ausgestattet und verfügen über Hotelservice. Monatsmiete: ein «hoher fünfstelliger Betrag». Man stehe kurz vor Vertragsabschluss, hiess es einmal. Bis heute ist er nicht zustande gekommen. «Das Hotel Dolder ist zur Hälfte geschlossen.» Laut Vanessa Flack, Medienverantwortliche des Dolder Grand, sei der Golfflügel vorübergehend geschlossen worden. «Andere Hotels nehmen ein ganzes Stockwerk ausser Betrieb, wir einen Flügel.» Das sei nicht aussergewöhnlich bei einer schwachen Auslastung; es vereinfache die Arbeit, und man spare Energie. Geht es mit dem Dolder Grand bald aufwärts? Eine Prognose wollte Thomas Schmid nicht abgeben: Die Gäste buchten zurzeit sehr kurzfristig, die Entwicklung lasse sich kaum abschätzen. «Wir werden Ende Jahr aber besser dastehen als 2008», sagte er. Letztes Jahr musste Urs E. Schwarzenbach bei einem Umsatz von 44 Millionen Franken einen Verlust von 22,9 Millionen hinnehmen. Schmid hat nun die Zahl der Stellen (inklusive Dolder Waldhaus) von 440 auf 400 abgebaut – dank der Fluktuation ohne Kündigungen. Auf die Frage, ob das Dolder Grand aus der Talsohle heraus sei, sagte er: «Wir sind noch in der Talsohle.» Zumindest was das Prestige seiner Gäste anbelangt, kann Schmid zufrieden sein: Letztes Wochenende war US-Aussenministerin Hillary Clinton im Dolder abgestiegen und hat dort gleich einen ganzen Flügel gebucht, gestern zählte er viele «Männer mit starken Beinen» zu den Gästen – die Fussballer von Olympique Marseille, die am Abend gegen den FC Zürich angetreten sind.

Mittwoch, 21.10.09

Ansonsten, na ja, fühlt man sich als Deutscher nicht wohl in Zürich, so kann man sagen, fühlt man sich als Deutscher auch nicht wohl in Deutschland, jedenfalls zurzeit!

Montag, 19.10.09

Heute habe ich sicher schon das dreifache von in Freiburg verdient, hatte aber schweinemäßig Glück am Flugi laden zu können, es ging von dort nach Zollikon und von dort (!) bekam ich binnen fünf Minuten wieder einen Flugifuhre. Danach war aber wieder recht zäh.

Als erste Bilanz aber, ich denke es ist eine schlechte Zeit als Deutscher in Zürich zu sein, ich vermisse aber auch das chaotische, abgefuckte Brighton, das mich am Anfang so auf die Palme brachte. Aber das sind jetzt nur vier Tage, außerdem hat der Herbst ja immer Tristesse.

Claudio ist Italo-Schweizer. Für ihn läuft das Leben in der Schweiz wie nach einem Schweizer Uhrwerk ab. Ich sage immer die Deutsch-Schweizer sind deutscher als die Deutschen, aber sicher ärgert sie das. (Heheh…)

Taxistand Bellevueplatz, ein Caddy-cab vor mir.

Sonntag, 18.10.09

Die Verbrecher unten im Haus haben wieder brüllend laut Musik an. Gut, dass ich heute fahre. Ich muss sobald es geht hier raus, sonst dreh ich durch.

Herbstwetter. Graupel, zwischenrein Sonne.

Fahre einen argentinischen Pianisten zu den Flyers

Bahnhof Enge

Heute Morgen, ein deutscher Taxifahrer fährt eine Österreicherin in der Schweiz zum Bahnhof!

Das lobe ich mir in Zürich, man steht, dann aber kriegt man mit zwei Fahrten 115 Stutz, nach Norden, von dort aus wieder nach Süden!

Egal wo (nicht gerade in England, wo es die anscheinend gar nicht gibt) beim Puff heißt es zweimal klingeln, damit man nicht mit einem zahlenden Kunden verwechselt wird.

Heute war ich schon in der verruchten Langstrasse, wo dann ein wahnsinnig süßes Mädchen von ihrem Begleiter nicht zu Überreden war bei mir einzusteigen. Schade.

Ich habe schon in drei Ländern Alkohol an Leute ausgeliefert, heute Sekt nach Kirnach. Dann soll ich ihn auch noch aufmachen! „Aber mit Gefühl… hat es gespritzt?“ Ach, Herzchen (Dame Mitte 60), das iss’aber schon ne Weile her bei dir, das letzte Mal mit Gefühl… und etwas hat gespritzt, hm? Tja, kann ja immer noch auf Europas taxifahrender Gigolo umsatteln, wenn’s mit’m Schreiben nix wird.

Heute habe ich das erste Mal richtig gut verdient, war gleich zweimal am Flugi.

Samstag, 17.10.09

Heute hab ich frei. Ich bin auch ziemlich mürbe, da ich mich ja schon mit der Prüfung so abgehetzt hatte. Morgen und Montag fahre ich nochmal und dann gehe ich Dienstag nach Freiburg, zum ersten Mal seit 2 Monaten und komme Mittwoch zurück. Ich werde mich dann beim Einwohnermeldeamt und Krankenkasse abmelden. Die nächste Zeit werde ich immer fünf Tage a 11 Stunden fahren. Werde zunächst erstmal keine Liveposts mehr machen, sondern mich erstmal hier eingewöhnen.

Paradeplatz

Die Abschaffung des Bankgeheimnisses, so erklärt der Direktor des Forschungsinstituts BAK Basel Economics heute gegenüber «Le Temps», könnte die Banken in der Schweiz rund ein Viertel ihrer Einkünfte kosten. In diesem negativsten Szenario würden alle im Ausland bei Schweizer Banken deponierten Vermögen zurückgezogen, erklärte Urs Müller. Was Müller nicht direkt sagt, daraus aber gelesen werden darf: Jeden vierten Franken verdienen die Schweizer Banken dank dem Bankgeheimnis, das ihren Kunden die Angst vor dem indiskreten Staat nimmt. 2011: Will heißen die Schweiz verdankt ihren Reichtum dem Bescheißen. Deswegen lieben wir sie ja all so sehr.

Freitag, 16.10.09

8.30 Uhr. Heute habe ich meinen Winzcompi dabei, kann also „live“ posten! „Die einzigen, die in Zürich Taxi fahren würden sind die Nutten, denn die haben das Geld“, sagt mir eine Dame aus Deutschland, „so haben mir das Taxifahrer hier erzählt“, einigermaßen angemessen verlegen-augenzwinkernd. Ich grüße sie hiermit, wenn sie das hier liest. Tja, los ist auch in Zürich nicht viel, das kann ich schon jetzt sagen. Man verdient aber dennoch ganz gut und natürlich stimmt das, was sie sagt nicht ganz, es hat ja sehr viel Business hier und so kommt das Geld doch irgendwie rein.

9.30 Es ist wirklich absolut nix los. Ich bin mit den Räumen noch nicht vertraut, glaube aber, wo ich hier stehe, Bändlistrasse, kam der letzte Auftrag noch zu Zeiten Zwinglis herein. Gähn. Es kommt gerade eine Unfallmeldung, ansonsten kann ich mich daran ergötzen, oder besser aufregen, dass Dan Brown mal wieder abkassiert, während für die meisten Autoren Autobiographien Armutsbiographien sind. Diese Welt ist fucking crazy, ich wiederhole mich. Da, ich habe einen Auftrag!

10.30 So läuft das hier, erst eine Stunde nix, dann aber gleich 70 Stutz zum Flughafen, den ich in meiner gerade andauernden infantilen Phase „Flugi“ taufe. Zuerst war’s aber hektisch, weil die Zentrale mir die falsche Hausnummer gegeben haben. (Zweimal habe ich heute Sprechkontakt mit ihr.) Nun stehe ich am Airport im Raum, obwohl da wohl nix reinkommen wird, und habe den Fahrtenschreiber auf Pause, man muss ja eine Stunde Pause nachweisen, und schaue den Fliegern beim Abheben zu.

11.00 Am Meisten geht eben in der City und deshalb rät es sich „reinzufahren“, was ich auch getan habe. Dann muss ich Standplätze suchen, weil ich keinerlei Ahnung habe, wo es hier Standplätze hat, außer den bekannten. Ich habe jetzt hier ein kuscheliges Plätzchen an der Urania Sternwarte gefunden und bin hier auch gebucht. Warten! Schade, dass Winter ist, man kann also nicht hübsche Mädels kucken.

11.56 Schon wieder Dütsche gefahren. Ich kriege den Eindruck, den man ja auch an den Autos ablesen kann, dass es sich bei den 40000 Deutschen in Zürich, plus Besucher, auch ein bisschen so um eine beruflich erfolgreiche, gut ausgebildete Elite handelt und man von daher, von diesem Standpunkt aus, auch die Überfremdungsangst der Schweizer ansehen kann, vielleicht auch immer ein bisschen Neid dabei? Nun steh ich mitten in der City an der Fraumünsterkirche! Am Funk bin ich „Savoy, 1“. Da, habe schon eine Fahrt!

12.40 Will jemand in Enge kostenlos aufs Klo? Der Code bei McDonalds ist 2008. Aber wahrscheinlich wechseln sie immer. (2010: Nein!) Es gibt jedenfalls so unendlich schweinereiche Firmen in Züri, so dass es selbst in größten Krisen immer etwas zu fahren hat. Gerade war es ein (irischer) Banker, aus einem Altstadtgässchen. Jetzt habe ich hier schon wieder Boden verloren, weil ich mich nicht auskenne, war zuerst zweiter, stehe jedenfalls jetzt als vierter in Enge. Am Bahnhof Enge ist aber hoffnungslos, es gibt keinen Platz mehr sich hinzustellen.

13.40 Zwei Fahrten hintereinander! Zuerst, äh, fast ist es mir peinlich, liebe Schwiizer, schon wieder eine Dütsche. Ins Savoy, wo ein Portier für sie den Schlag öffnete. Sie lebt normalerweise im Tessin und ist sicherlich richtig reich. Dann nach Oerlikon… wo ich schon wieder eine Fahrt habe, diese Hektik!

19.00 Tja, da war dann der Akku alle… nachzutragen bleibt meine schandvolle Stunde im Raum Schaffhauser, aus dem ich schließlich doch leer weg bin (und hinterher vor ihm gewarnt werde) und natürlich meine Episode in einem großen Hotel hier, gegen 14.00 Uhr. Da habe ich dann einen kleinen Blackout und schaue zuerst in dem Hotel nach dem Fahrgast, weil ich mit Displayangaben durcheinander komme und da treffe ich eine sooooooo süße Hotelangestellte, der man auch sofort anhört, dass sie aus, na, woher wohl kommt, und mit der ich ein wenig flirte. Ich erzähle ihr, dass ich schon drei (von sieben, glaube ich) Fahrten mit Deutschen hatte und dass das ja schon fast peinlich wäre. Und sie soll doch mal auf meine Seite schauen! Sie errötet so süß und da ist es ja schon fast um mich geschehen, kleine süße Frauen mit blauen Augen, die erröten… hmmmmm, da schmelze ich eben dahin!

Donnerstag, 15.10.09, mein erster Arbeitstag in Zürich!

Mein erster Fahrgast in der Schweiz! Ist auch aus Deutschland und will gleich zum Flughafen. Er gibt mir seine Karte, weil ich mit dem ersten Fahrgast im neuen Land immer etwas Besonderes vorhabe, das soll so Tradition werden über die vielen Stationen, aber prompt verschlamp‘ ich sie und den Vornamen hab ich vergessen. Er fliegt in die Dominikanische Republik, wo er eine Druckmaschine anschaut, die eine unklare Reparatur braucht und fliegt einmal im Monat von Zürich ab, in die Welt.

Dann ein Amerikaner, es werden zwei Touren mit Amis, heute.

„Hat es denn in Deutschland keine Arbeit?“, fragen mich meine ersten Schweizer Fahrgäste, besorgt, ich kläre sie auf, ich bin ein besonderer Taxifahrer.

Ich arbeite an meinem Schwiizerdütsch, in einem Monat oder so will ich es einigermaßen mit den Fahrgästen reden können, es ist sonst irgendwie komisch. (2011: *ironisch lach*) Im Moment kann ich aber damit immerhin schon meine Fahrgäste erheitern, wenn ich anfange es nachzumachen. So habe ich auch gleich gute Unterhaltungen. Ein (Schweizer) sagt mir, die Westschweizer würden die Deutsch-Schweizer „le Fritz“ nennen (und umgekehrt wären es die „Russen“. Diese Frotzeleien erinnern mich irgendwie an das Verhältnis Ossi/Wessi.) Und in Genf hätte es sehr viel Araber. „Die zieht es alle nach Genf.“

Irgendwie hänge ich dann immer im Norden Zürichs rum, also ausgerechnet da, wo ich mich null auskenne.

„Wir“, also die Schweizer Nazi, äh, pardon, das wird ja nur so ausgesprochen, geschrieben wird es ja „Nati“, sind für die WM qualifiziert, ein großes Thema im Radio heute. In Deutschland ist ja immer das Erreichen des Viertelfinals Pflicht, so wachsen die Ansprüche mit dem Quadrat der Möglichkeiten. Dann kommt eine Meldung im Radio, Zürich sei die zweitteuerste Stadt Europas – nun, wir Taxifahrer tragen sicher mit dazu bei. Insgesamt mache ich wenig Fahrten, aber wenn, dann müssen die Leute immer gleich ganz schön bluten! Dann heißt es, die Armee braucht mehr Geld, wenn man die Kampfjets nicht bezahlen kann, sonst sei der Luftraum nicht mehr gesichert. Recht so, sonst kommen noch mehr Dütsche ins Land!

Einen Zürich-Aufreger habe ich schon, das ist, dass wir am Flughafen nicht stehen bleiben können. Sondern da regiert exklusiv das „Airporttaxi“, mit, Schweizer Pingeligkeit, Zusatzausbildung für die Gesamtschweiz, obwohl die zu 95 % nur nach Züri rein fahren. Wir fahren also leer zurück, die leer raus. Vergeudung von Ressourcen, pur!!!!

Der US-Finanzkonzern JP Morgan Chase hat den Quartalsgewinn massiv in die Höhe geschraubt. An der Schweizer Börse gehören die Banken-Titel zu den Gewinnern. Unter dem Strich verdiente die Grossbank im dritten Quartal 3,6 Milliarden Dollar und damit weit mehr als von Experten erwartet. Ein Jahr zuvor hatte der vergleichbare Überschuss lediglich 527 Millionen Dollar betragen. Pro Aktie verdiente die zweitgrösste US-Bank 82 Cent, Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 52 Cent gerechnet. Für den überraschend hohen Gewinn sorgte nun besonders das Investmentbanking, das die hohen Verluste im Kreditkartengeschäft sowie bei anderen Privatkundenkrediten überlagerte, wie JP Morgan am Mittwoch mitteilte. Die Aktie legte im vorbörslichen US-Handel kräftig zu. Im Sog notierten auch UBS (3,3 Prozent) und Credit Suisse (3,8 Prozent) am frühen Nachmittag deutlich fester. Gleichzeitig kam aber die Meldung im Radio heute, die UBS hätte noch für 25 Milliarden Franken „vergiftete“ Wertpapiere, für die die Zentralbank und somit die Allgemeinheit aufkommt, die Verantwortlichen dafür kommen ungeschoren davon. So läuft das in unserer Wirtschafts- und Finanzwelt, die Gewinne werden abgeschöpft und die Verluste „abgeschrieben“, der Allgemeinheit, also den kleinen Leuten aufgebürdet. Dann drücken die noch 10 % an Schmiergeldern und an ihre Anwälte ab und so rechnet sich dann die legale Kriminalität. Und die Kleinen hängt man dann dafür, die sich diesen faulen Apparat nicht leisten können, ich habe 150 Euro Busse zahlen müssen, weil ich Fristen beim Arbeitsamt versäumt habe, aus Überforderung eigentlich, und man steht dann gleich als Betrüger dar, obwohl kein Vorsatz nachzuweisen ist, eigentlich rechtswidrig, die ganze Sache. Dann noch genügend Brot und Spiele und Verdummung für die Massen und das ist also das System in dem wir leben (und uns langsam zu Tode schuften, für die Bosse).

Mittwoch, 14.10.09

Leider kriege ich den Taxiausweis erst in einem Monat zugeschickt, aber man kann auch mit der Quittung dafür schon fahren. Heute bin ich schon mal kurz mit jemanden mitgefahren und morgen dann das erste Mal! La toute premiere fois oder so ähnlich (my French sucks).

Das gibt’s auch nur in Zürich, jemand der in der Tram ein ganzes Huhn mit Messer und Gabel isst!

Geh ich doch ins Minarett, weil mein Kreuz mal wieder zwickt, nein, halt ins Hallenbad, meine ich, und rechne schon halb mit einem Kopftuchzwang, äh, Bademützenzwang, da seh ich das hier stattdessen der Pieselmann des „Knaben“ vor den begehrlichen Blicken böser Männer ganz und gar geschützt ist – deren Dusche darf kein Erwachsener betreten, gegen Androhung von Strafanzeige und die Umkleide auch nicht. Gibt es denn so viele Knabenliebhaber in der Schweiz oder ist das alles e weng g’schamig hier?

Das Bad (plus Pädos) kontrolliert aber dafür nur ein Badewärter! In England waren das sechs, die dann alle nur rumlungerten. Personalintensive Lösungen gibt es eben nicht in der Schweiz, das merkt man überall.

Dienstag, 13.10.09

Souverän bestanden! Und das, wo ich jetzt erst erfahren habe, letztes Jahr haben nur 20 % die erste Prüfung bestanden und dieses Jahr auch nur 65 %. Und die meisten davon waren Zürcher!

Montag, 12.10.09

Es ist soweit, eine Frau und ein Homosexueller regieren Deutschland. Herzchen, Herzchen es wird Zeit, dass ich auswandere. Ach halt, das bin ich ja schon vor 2 Jahren.

Der neue Migros in der Nähe hat aufgemacht und hmmm, ist da eine herzige Verkäuferin. Aber schon in England bin ich da auf einen vielversprechenden Flirt nicht eingegangen, weil ich gedacht habe, oh nein, nicht schon wieder, jemanden an der Kasse kennen lernen.

Ein Tag vor der Prüfung. Bin ich aufgeregt? Nicht besonders, ich bin eigentlich im Vorfeld, wenn ich noch etwas beeinflussen kann, nervöser, so kurz davor werde ich eher fatalistisch. Ich krieg den Schein hier, entweder morgen, oder eben ein paar Wochen später.

Sonntag, 11.10.09, zwei Tage

Zitat des Tages, Dieter Bohlen: Der Steuern wegen in die Schweiz umziehen will er nicht. Er habe «keinen Bock», in «so einem spießigen Kanton zu hausen». Da send Schwiizer aber beleidigt, Dieter, kann ich nur sagen! Sie sind es nämlich schnell. Und, Dieter, ich breche hier eine Lanze für sie, das ist nämlich eine typische Bohlenbemerkung, es gibt wohl keine Heimeligkeit ohne ein bisschen Spießigkeit. Und mir gefällt es hier, ich finde es hier eben sehr heimelig. Außerdem habe ich lange genug ein Land mit dir geteilt, Dieter. Zweckoptimismus, Strahlemanntum, zu seinen Fehlern nicht mehr stehen können – du hast das Land gründlich amerikanisiert, Dieter, so fuck off, about that.

Ist das nicht heimelig? Schwiizerdütsch lernen will ich ja ohnehin, vielleicht nehm ich ja auch noch einen Jodelkurs! Gibt es das „Jodeln für Dütsche?“

Über 600 Fahnenschwinger aus der Schweiz und vier anderen Ländern trafen sich auf dem Aletschgletscher zum grössten und höchsten Fahnentreffen, das jemals stattgefunden hat. 1/5 Die Fahnenschwinger kamen in 3500 Metern Höhe zusammen. Auf dem Jungfraujoch im Berner Oberland haben sich am Samstag 626 Fahnenschwinger aus verschiedenen Ländern getroffen. Trotz Schneefall und Wind formierten sie sich und schwangen auf 3500 Meter über Meer ihre Fahnen in die Luft. Das Fahnentreffen bildete den Auftakt zum Festival Interfolk Jungfrau. Rund die Hälfte der Fahnenschwinger oder -träger stammte aus dem Ausland, wie Festivalspräsident Beat Wirth auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Es nahmen Gruppen aus Belgien, Holland, Deutschland, Italien und der Schweiz teil. Die Darbietung dauerte rund eine halbe Stunde. Unter den Fahnenschwingern habe es auch Frauen gegeben, sagte Wirth weiter. 193 Kinder aus der Region zeigten die Flaggen der Uno-Länder. Alphornbläser sowie eine Trommler- und Pfeiffergruppe begleiteten das Fahnenschwingen musikalisch. Das Festival Interfolk Jungfrau startet am kommenden Mittwoch und dauert bis am Sonntag, 18. Oktober. Das Festival findet zum ersten Mal an mehreren Tagen und an verschiedenen Orten in der Region statt. Auf dem Programm stehen Volksmusik sowie Einblicke in Bräuche und Handwerk.

Die Aussenminister der USA, Russlands und Frankreichs sowie der Chefdiplomat der EU im Wartestand in der Universität Zürich – drei Stunden hingehalten von der Delegation Armeniens. Sie alle warteten auf die Unterzeichnung zweier Protokolle, die nach 16 Jahren Eiszeit zwischen der Türkei und Armenien wieder etwas Normalität und einen Krisenherd weniger auf der Erde bringen sollte. Es war schliesslich US-Aussenministerin Hillary Clinton, die es durch stundenlange Telefondiplomatie ermöglichte, dass die gut einjährige Schweizer Vermittlungsarbeit nicht umsonst war. Die Dokumente wurden unterzeichnet – Applaus von allen Seiten. Schon die Vorbereitung der Zeremonie liess darauf schliessen, dass die Einigung nicht einfach werden würde. Noch bis zum späten Freitagabend gab es keine offizielle Bestätigung der Schweiz, dass das Treffen auch stattfindet. Dabei waren Koffer der Chefdiplomaten bereits gepackt, Clinton auf dem Weg zu einer Europareise und zunächst mal Richtung Schweiz. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sah man dann am Samstag in Zürich die Anspannung an, als sie ihre Kollegen Bernard Kouchner (Frankreich), Sergej Lawrow (Rusland) sowie EU-Chefdiplomat Javier Solana mit Küsschen begrüsste. Vor zwei Jahren hatten die Türkei und Armenien in der Schweiz angeklopft, ob Bern die heikle diplomatische Aufgabe übernehmen könne. Ein Jahr harter diplomatischen Kleinarbeit folgte. Dann die Vorbereitungen für die Zeremonie in der völlig abgesperrten und von allen Studenten und Mitarbeitern geräumten Universität Zürich. Erst waren fast alle da, doch die Armenier fehlten. Clinton liess ihr Auto wenden und fuhr zurück ins unweit, hoch über Zürich gelegene Luxushotel Dolder. Dort soll sie nach Beobachtungen von Reportern eine Stunde lang aus dem Auto telefoniert haben, während ihre diplomatischen Mitarbeiter mit den Delegationen Armeniens und der Türkei berieten. Es folgten Einzelgespräche Clintons – schliesslich erfolgreich. Die armenische Seite, unter starken Druck der Opposition im Land und in der Diaspora, stiess sich an Passagen der vorbereiteten Reden, die nach der Unterzeichnungszeremonie gehalten werden sollten. Der Kompromiss lautete schliesslich: Es werden keine Reden gehalten. Die Unterschriften folgten drei Stunden später als geplant, die Dokumente wurden besiegelt. Ohnehin müssen die Abkommen über die Aufnahme der seit 1993 eingefrorenen diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern noch von den Parlamenten ratifiziert werden.Die Schweiz jedenfalls hatte zwei Wochen nach der Verhaftung des Starregisseurs Roman Polanksi endlich mal eine gute Nachricht aus Zürich für die Weltpresse. Die Blamage, dass einige der mächtigsten Diplomaten der Welt um ein Haar umsonst zu den Eidgenossen gereist wären, blieb ihr nun erspart. Die Gesellschaft Schweiz-Armenien (GSA) sieht in den in Zürich unterzeichneten Protokollen ein Produkt von machtpolitischen Überlegungen. Sie stellten einen unwürdigen Kompromiss dar, kritisierte die GSA in einer Mitteilung. Das Dekret des armenischen Präsidenten vom Samstag zeige auf, dass eine Unterzeichnung dieser Protokolle noch nicht reif war. Eine nachhaltige Vertrauensbildung zwischen zwei, mit einer traurigen Vergangenheit belasteten Völkern, bedürfe einer vertieften schrittweisen Aufarbeitung.

Na, da wären ja die Kurse von Schweizer Aktien gesunken, wären die hier brüskiert worden. Aber so ist ja alles in Ordnung. Irgendwann um 10 abends haben dann auch die Lautsprecheransagen vor meinem Haus wegen Sperrungen aufgehört und die Hillary ging dann ja wohl ins Dolder zurück. Vielleicht fahr ich der Kavalkade ja heute dann noch über den Weg, beim täglichen Rundfahren, nur noch zwei Tage!

Samstag, 10.10.09, drei Tage

D’Schwiizer kümmert es, dass die Amis sie nicht von den Schweden auseinander halten können. Luet, solang euch die Amis nicht mit Afghanistan verwechseln und die Zürcher mit den Talibans, (ich meine, wie aber, bei all diesen Antiminarettplakaten hier, uff, Gott sei Dank) und ein paar Bömbchen hier abregnen lassen, der „Bande von Oslo“ zum Trotze…Heute könnten „sie aber die Hillary, vom Clinton treffen… dabei ist doch schon alles abgeriegelt, hier vor meinem Fenster nerven sie die ganze Zeit mit Durchsagen über Umleitungen des Tram.

Bei den Probefahrten muss der Guener entfernt werden

Bei meinen Testfahrten braucht es keine Kleideretikette

Ein Lob der Schwiiz, sie kann auf dem internationalem Parkett wieder Punkte wettmachen, „kleine Schweiz versöhnt grosse Feinde“ titelt der Tagi. Und: „Zürich im Zentrum der Weltpolitik“ Allein, wo sind die Armenier? Sind sie etwa auf dem Flughafen Zürich verhaftet worden, so wie der Polanski? Oh, je bloss wieder keine Blamage für meine neue Wahlheimat! (I’m an alien, I’m a legal alien, I’m a dütsche man in d’r Schwiiz…) man hört ja schon den Gaddafi lachen…

18.30: Die Journalisten im Gebäude der Uni Zürich warten auf Informationen über das weitere Vorgehen. Selbst die armenischen Medienschaffenden haben keine gesicherten Informationen. Einige Journalisten haben begonnen, das WM-Qualifikationsspiel zwischen der Schweiz und Luxemburg zu verfolgen (nach der ersten Halbzeit führt die Schweiz 3:0).

18.15:«Ein Streit über Formulierungen hat die Unterzeichnung eines Annäherungsabkommens zwischen der Türkei und Armenien in letzter Minute hinausgezögert». Dies meldet die Nachrichtenagentur AP. Es gebe armenische Bedenken angesichts der Wortwahl in der Schlusserklärung der Türkei, verlautete aus Diplomatenkreisen in Zürich. Wegen der Verzögerung sei unter anderen die US-Aussenministerin Clinton in ihr Hotel zurückgekehrt. Das Abkommen besteht aus zwei Verträgen, die die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und die Wiedereröffnung der Grenze zwischen beiden Ländern vorsehen.

18.00: Um welche Art von «Schwierigkeiten» es sich handelt, die die Zeremonie verzögern, konnten offizielle Stellen der Veranstaltung auf Anfrage nicht bekannt geben. Tatsache ist, dass man immer noch auf die Delegationen von Armenien und USA wartet.

17.45: In der Zwischenzeit mussten die Journalisten, die in die Aula der Universität vorgelassen worden waren, den Raum wieder verlassen.

17.30: Der Beginn der Zeremonie zur Unterzeichnung der türkisch-armenischen Protokolle hat sich am Samstag verzögert – wegen «Schwierigkeiten» in letzter Minute, wie ein Vertreter der US-Delegation laut der Nachrichtenagentur SDA erklärte. Laut einem Einsatzleiter der Zürcher Stadtpolizei läuft aber alles nach Plan. Die Lage sei ruhig. Zur Zeremonie an der Universität Zürich waren die Aussenminister Hillary Clinton (USA), Sergej Lawrow (Russland) und Bernard Kouchner (Frankreich) angereist. Auch EU-Chefdiplomat Javier Solana gehört zur Polit-Prominenz in der schwer bewachten Aula. Gastgeberin ist die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Die Schweiz hatte die angestrebten Vereinbarungen der beiden verfeindeten Länder vermittelt.

17.15: Unter grössten Sicherheitsvorkehrungen sind die Türken angekommen. In einer der 20 Limousinen sass auch der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu. Als Nächste sind die Armenier angekündigt. Über dem Uni-Quartier kreisen Helikopter.

17.00: Die Vertragsunterzeichnung verzögert sich, weil die Delegationen von Türkei und Armenien immer noch nicht eingetroffen sind. Gemäss Zeugen vor Ort soll eine Delegation kurz vor der Uni wieder umgekehrt sein. Um welche Delegation es sich handelt, ist unklar.

16.45: Die Delegationen der Länder, die bei der Vertragsunterzeichnung zwischen Türkei und Armenien anwesend sind, fahren mit Limousinen ein. Zu sehen sind die Fahnen von Schweiz, Frankreich und Russland, nicht aber von der Türkei. Armenien und den USA. Die prominenteste Person, auf die alle warten, Hillary Clinton, ist noch nicht eingetroffen. Sie dürfte durch einen geheimen Eingang ins Gebäude gebracht werden, wo die Zeremonie um 17 Uhr beginnen soll.

16.15: Kurz vor Beginn der feierlichen Zeremonie hat Armeniens Präsident Sersch Sargsjan die Protokolle verteidigt, die Armenien und die Türkei in Zürich unterzeichnen wollen. Dies meldet die Nachrichtenagentur SDA. Die geplante Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit der Türkei sei «zeitgemäss und alternativlos», hielt Sargsjan in einer in Eriwan veröffentlichten Erklärung an die Nation fest. «Allerdings können jedwede Kontakte zur Türkei nicht über den Fakt des Völkermordes an den Armeniern (1915 im Osmanischen Reich) hinwegtäuschen», erklärte Sargsjan weiter. Die Dokumente sollen heute am späten Nachmittag in der Universität Zürich von den Aussenministern der beiden Länder, Edouard Nalbandian und Ahmet Davutoglu, unterschrieben werden.

16.00: Etwa 50 Schaulustige stehen entlang der abgesperrten Rämistrasse an der Uni Zürich. Es herrscht gespanntes Warten auf den prominenten Gast aus den USA: Es wird vermutet, dass Hillary Clinton im Hotel Dolder Grand abgestiegen ist. Sechs Streifenwagen sowie sechs Töffs der Zürcher Stadtpolizei sind inzwischen in Richtung Dolder gefahren.

15.45: EU-Chefdiplomat Javier Solana hat Armenien und der Türkei als Folge des Normalisierungsabkommens verbesserte Beziehungen zur Europäischen Union in Aussicht gestellt, wie die Nachrichtenagentur SDA meldet. Kurz vor der Vertragsunterzeichnung in Zürich sagte Solana, es gebe «keinen Zweifel» daran, dass das Abkommen wichtig für das Verhältnis beider Länder zur EU sei. Die Vereinbarungen seien für alle Seiten «sehr gut». Seine Anwesenheit in Zürich sei Zeichen der «Zufriedenheit» der EU über die geplante Annäherung zwischen beiden Ländern. Er hoffe, die Parlamente Armeniens und der Türkei würden den Verträgen schnell zustimmen.

15.30: Drei Zürcher Jus-Studenten mischen sich unter die Schaulustigen. Ramazan Oezgür, der mit einer türkischen Fahne erschienen ist, sagt: «Wir sind glücklich darüber, dass die Türkei und Armenien ihre Feindschaft beenden.» Und er lobt die Schweiz: «Die Schweizer Diplomatie hat gute Arbeit geleistet.»

15.15: Vor der Universität Zürich stehen etwa 100 Medienschaffende aus aller Welt. Der armenischstämmige Robert Karayan, der in einer Plakataktion gegen den Friedensvertrag protestiert, gibt den Journalisten Auskunft. «Es ist falsch, dass die Türkei, die den Genozid an den Armeniern begangen hat, Bedingungen für den Vertrag stellen konnte», sagt der 41-jährige Mann, der in der Schweiz lebt und dessen Eltern aus Armenien stammen. Er kritisiert auch, dass der Vertrag zwischen der Türrkei und Armenien heimlich ausgearbeitet worden sei. «Das war alles andere als ein Meisterstück der Diplomatie», meint Karayan

15.00: Die Stadt Zürich ist heute Schauplatz für ein historisches Ereignis zwischen der Türkei und Armenien, mit dabei ist auch Hillary Clinton. An der Uni wurden Institute geschlossen, Polizisten patrouillieren. Für die Polizei bedeutet dies Grosseinsatz, das Gelände um die Universität wird streng bewacht. Die verfeindeten Länder Türkei und Armenien wollen an der Universität Zürich ein Abkommen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen unterzeichnen. Die Schweiz wurde als Ort dafür ausgewählt, weil sie seit zwei Jahren im Annäherungsprozess zwischen den beiden als Vermittlerin tätig war.

Freitag, 9.10.09, vier Tage

Gestern war ich beim Fahren am Irchelpark und bin kurz Füße vertreten auf den Aussichtspunkt, von dem man gute Sicht auf den Norden Zürichs hat und die Flieger beim Abheben beobachten kann, wow! Zwei Startbahnen, eine nach Westen und eine nach Osten und alle dreißig Sekunden hebt ein Vogel ab. Hab nicht gewusst, dass der Flughafen hier so busy ist, (obwohl ich selber hier schon zweimal abgehoben habe.)

Bestienhaft laute Musik wenn ich schlafen will, zum Beispiel, wie gestern. Bin müde und knatschig, niemand wage sich in meine Nähe!

Heute war ich wieder vier Stunden unterwegs, noch so ein wenig die weißen Flecken auf der Landkarte tilgen. Seefeldstrasse z.B., dickste K… von Zürich, eine einzige Baustelle, aber vielleicht schickt er einen ja gerade da hinein. Eigentlich müsste ich bestehen, aber es ist alles möglich. Von souverän bestehen bis komplett versieben.

Der Schuhwerfer von Bagdad kommt in’d Schwiiz! Die Nachricht über ihn geht ein wenig unter, wegen: Barack Obama neuer Friedensnobelpreisträger! Meine Meinung dazu: Obamas Friedensbemühungen sind noch ein wenig eine Baracke – da ist wahnsinnig viel versprochen worden, aber bisher wenig gehalten.

Donnerstag, 8.10.09, fünf Tage

Tjaaaaa. Alkohol macht dick und dumm nicht wahr. Gott, setzen bloß zwei Bier an, wie soll ich denn Frauen beeindrucken mit so einem Hefespoiler? …Außerdem, liebe Schweizer, ich zieh halt über jedes Land her in dem ich bin. Vor allem, war mir England zu schlampig, ist mir die Schweiz jetzt zu korrekt, also nehmt mich bloß nicht allzu ernst. Ich meine, ist aber auch ein Sprung, vom schlampigen England in die saubere und korrekte Schweiz („there’s always Switzerland, the better Germany“, habe ich meinen Fahrgästen dort immer gesagt, wenn die sich bewundernd über Deutschland geäußert haben), auch wenn’s Zürich ist, was nicht allzu sauber und korrekt ist. Doch die Sache mit dem Blitzen, die ganze Zeit drüben bemängel ich das, das nicht geblitzt wird, so dass Schulkinder nicht ohne Warnweste und guard die Straßen überqueren können und kaum bin ich in einem Land, wo das konsequent durchgeführt wird, ist’s dem Lembke auch nicht recht.

Aus der Baslerzeitung: Adolf Muschg schiesst scharf gegen die Schweiz In einem Essay, der morgen in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» erscheint, lässt der Schweizer Schriftsteller kein gutes Haar an seinem Heimatland. Am nächsten Sonntag ist wieder einmal eidgenössischer Dank- Buss- und Bettag – ein Anlass für den Schriftsteller Adolf Muschg, für die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» einen Essay zur Schweiz zu verfassen. Allerdings zeigt sich Muschg darin weder besonders dankbar noch besonders demütig. Entschuldigend schickt er voraus: «Bettagsbetrachtungen sind keine politischen Leitartikel.» Was dann aber kommt, ist nicht nur eine intellektuelle Analyse zum aktuellen Zustand der Schweiz, sondern auch eine politische Standpauke für sein Heimatland: «Ein Land, das so wenig Freunde hat, braucht keine Feinde mehr», heisst es da etwa. Er schiesst gegen die Politiker, die prinzipienlose Geldwirtschaft, die orientierungslosen «Sachwalter des Staates». Der Schweiz, so stellt Muschg fest, sei die Selbstachtung abhandengekommen. Die Gründe dafür formuliert er so: «Eigentlich befindet sich die Schweiz schon seit dem Bergier-Bericht, spätestens seit dem Grounding der Swissair in einem kollektiven Dauerschock, an dem vielleicht das Typische, aber auch das Bedenklichste seine Verleugnung ist. Wenigstens hat die Schweiz das Problem nicht mehr, vor dem sie Keller 1862 noch glaubte warnen zu müssen: sich auf dem Lorbeer auszuruhen, den ihr andere spenden. Muschg weiter: «Die immer noch reiche Schweiz erlebt etwas, was sie sich nicht leisten kann: Isolation. Die Rechthaberei der Glücklichen, an denen Krieg und Elend ohne eigenes Verdienst vorübergegangen sind, schlägt auf sie selbst zurück. Ob es uns passt oder nicht: Jetzt sind wir dabei – nur nicht in bester Form und unverhofft einsam. In unserem Selbstverständnis hat sich eine Lücke geöffnet, durch welche eine unverstandene Welt verdächtig mühelos einbricht, ohne einer soliden Selbstachtung zu begegnen. Die alten Grenzbefestigungen waren schon lange brüchiger, als ihre Verteidiger wissen wollten. Dass das Land sich 1992 gegen die EU so dicht wie möglich gemacht hat, war ein Fehler – was in der Politik bekanntlich schlimmer ist als ein Verbrechen. Ein paar Dutzend bilaterale Verträge sind, bei aller nötigen Pfiffigkeit, kein Ersatz für ehrliche Teilnahme und ehrenhafte Beteiligung.» Die Schweiz, so fordert Muschg, müsse wieder in Bewegung kommen, mehr Gemeinsinn entwickeln, mehr Vorstellungskraft. Denn diese sei nicht das Vorrecht der Dichter, sondern erste Bürgerpflicht.

Die deutsche Einwanderungswelle und ihre Wirrungen, eignet sich doch vorzüglich als Kabarettisteneinlage, oder? So auf der Klaviatur Schweizer Empfindlichkeiten spielen, aber auch die Dütsche kräftig dabei auf die Schippe nehmen… an meinen Fahrgästen kann ich das ausprobieren. wie ich mich kenne ziehe ich mit den Schweizern über die Dütsche her und mit den Deutschen über’d Schwiizer. es gibt auf jeden Fall viel zu lachen! Wie wär´s denn mit: „Ach ihr kriegt hier gar keine Punkte beim zu schnell fahren? So was, ich dachte wer hier zu schnell fährt kriegt auch Punkte in Flensburg…“ Und um noch draufzusatteln: „na ja, kann man ja darüber nachdenken, so im Zuge der Eingliederung der Deutschschweiz als neues Bundesland, wenn’s dann so weit ist, der „Gaddafi-plan“… Oder: „Hach, den Osten habe wir ja auch gepackt, da nehmen mir’d Schwiizer halt auch noch an Bord. Die Bayern versteht man ja auch nicht immer gleich beim ersten Zuhören…“

Mittwoch, 7.10.09, nur noch sechs Tage!

Ich bin heute nicht Auto gefahren, nur ein bisschen mit dem Fahrrad

Lebensmittel gehen, aber Dienstleistungen in d’r Schwiiz, schweineteuer! Taxifahren kostet schon das doppelte wie in D., aber Frisör! Das dreifache!

Polizei kontrolliert Autos vor meinem Fenster

Mein erster Strafzettel in Zürich, das muss gefeiert werden, mehr Bier her! Ich meine, nur um das mal klarzustellen, da fahre ich in Brighton 9 ganze Monate Taxi ohne einen einzigen Strafzettel (außer das eine Mal abgeschleppt werden in Heathrow) und in diesem Polizeistaat hier… ups… zahle ich schon (das fünffache wie in Deutschland übrigens) bevor ich überhaupt angefangen habe Taxi zu fahren. Ich habe schon die schlimmsten Stories gehört, wie Taxifahrer hier bluten dürfen!

Hier, ihr superkorrekten Schweizer, Europas Musterknaben, hier seht ihr mal wie man in Brighton fährt! Das hier ist keine Einbahnstraße, übrigens! Ganz am Ende sieht man ein Auto, das muss eben warten, bis ich durchgefahren bin.

Habe das zweite Bier aufgemacht und bin am Schmollen. die Schweiz kann mich grad mal. Höre BBC2 auf Web radio, schaue meine englische Webseite an und schwelge in Erinnerungen!

Kirche Werd

Dienstag, 6.10.09

Zürich hat seinen neuen Boulevardfall, der wohl von Polanski ablenken wird, ein 22-jähriges Model, das ihren Vater erschossen hat. Sex and crime pur.

Der angeforderte Schweizer Strafregisterauszug ist gekommen und ich bin nicht eingetragen. (Offensichtlich gibt es hier gar kein Führungszeugnis, das nur Strafen über 100 Tagessätze registriert, sondern hier erfährt der Arbeitgeber gleich alles.)

Zur Prüfung: Zwar bin ich total matschig im Kopf, aber es sieht weiterhin gut aus, wobei es leider eben sehr subjektiv alles ist. Losgehen und enden tut die Prüfung immer von/an der Gartenstr. 14, dem Taxi-Büro, sowie es ja auch in Brighton war, von der Hove Town Hall. Wir müssen 10 Objekte und Straßen finden (ohne Ausnahme und alle auf dem kürzesten Weg), wobei 2 oder 3 aus einer Liste sind, die wir auswendig wissen müssen und für den Rest dürfen wir den Stadtplan benützen. Das hört sich aber einfacher an als es ist, denn find mal was, wenn man dreimal links und rechts abbiegen muss, wenn man sich nicht auskennt. Und wir dürfen nur einmal schauen! Zusätzlich ist man (Schweiz) äußerst pingelig. Beispiel unten: die Fuchsiastrasse (im blauen Kreis). Man kriegt eine bestimmte Hausnummer und denkt, klar doch, Fuchsia geht von der Flüala ab (freut sich schon, weil das garantiert keine Einbahn ist) und der weiße Strich auf der anderen Seite, das ist eben noch Soldanela und Enzian… aber, von wegen! Obwohl nicht markiert geht die Fuchsia bis auf die Dennler durch, nur fahren kann man es nicht, also, Hausnummer nicht gefunden, Prüfung nicht bestanden! (Je nach Prüfer eben.) Gott, bin ich heute verpeilt gefahren, ich habe nicht einmal mehr den Weg aus einem Parkhaus gefunden, indem (Zürich!) gebaut wurde.

Fuchsiastrasse

Die deutsche Invasion – Arbeitslosigkeit, dauerhaft schlechte Wirtschaftslage, niedrige Löhne und hohe Steuern in der Heimat, zusammen mit der Personenfreizügigkeit ab 2007 führen dazu, dass es hier von Deutschen nur so wimmelt, nicht immer nur zur Freude der Einheimischen.

Dazu der folgende Artikel aus dem „Tagi“: Ab November haben Deutsche in der Schweiz eine eigene Zeitung. Die «Deutsche Wochenzeitung» soll integrieren. Doch wie nötig ist dies? Chefredaktor Ole Glausen im Interview. Deutsche haben Italiener überholt: 23,6 Prozent aller Ausländer in Zürich haben einen deutschen Pass. «Deutsche Wochenzeitung Schweiz» Die «Deutsche Wochenzeitung Schweiz» erscheint das erste Mal am 6. November und möchte die Wahlschweizer besser mit den hiesigen Gepflogenheiten bekannt machen. An dieser Aufgabe arbeiten zwei deutsche und zwei Schweizer Journalisten von zu Hause aus. Zusätzlich werden die Leser über eine Agentur mit News aus Deutschland versorgt. Verantwortlich für den Titel zeigt sich der dänische Acoma Verlag. Der Verlag visiert eine Auflage von 25’000 Exemplaren an. Der Versand erfolgt an interessierte Firmen, Hotels, Vereine, Verbände und Privathaushalte. Die 50 Ausgaben jährlich kosten 50 Franken. (sda) Ole Glausen, eine Zeitung für Deutsche in der Schweiz. Braucht es das wirklich? Diese Frage habe ich erwartet. Ja, die braucht es. Es gibt so viele Vorurteile und Klischees, die es zu beseitigen gilt. Viele Schweizer haben Angst, die Deutschen würden ihnen Jobs wegnehmen. Ich habe schon selber einige deutschfeindliche Situationen erlebt. Im Spital beispielsweise, wollte sich ein Patient nicht von einem deutschen Arzt behandeln lassen.

Die Vorurteile sind da – das lässt sich nicht bestreiten. Aber ist es die Aufgabe einer Zeitung, sie zu beseitigen?

Wir sehen es als eine unserer Aufgaben und wollen integrativ wirken. Die Deutschen sollen die Gepflogenheiten der Schweiz kennenlernen, wenn sie hierhin ziehen.

Integration via Zeitung. Wie soll das gehen?

Nur schon sprachlich sind die Unterschiede zwischen Deutschen und Schweizern enorm. Ein Deutscher geht in eine Bar und sagt: «Ich krieg ein Bier». Auf einen Schweizer wirkt dies arrogant. Er würde niemals so direkt ein Getränk bestellen. Oder nehmen wir die Vergangenheitsform: «Ich war es nicht», sagt der Deutsche. Der Schweizer kennt keinen Imperfekt, er sagt: «Ich bis nöd gsi». Mit solchen Themen möchten wir Deutsche, die in die Schweiz kommen, aufklären und sensibilisieren.

Viele Schweizer Zeitungen sind ja bereits in deutscher Sprache verfasst. Wäre es nicht die bessere Integration, wenn Deutsche die hiesigen Zeitungen lesen würden?

Nein, die Schweizer Zeitungen behandeln das Thema einseitig. Die deutsche Minderheit in der Schweiz hat einen besonders schweren Stand. Gerade weil die Ähnlichkeiten gross sind, werden Deutsche oft mit härteren Massstäben als andere Ausländer gemessen. Wie jede ausländische Gemeinschaft haben auch die Deutschen ein Recht auf eine eigene Zeitung.

Was bietet die Zeitung noch, abgesehen von Vorurteilsbekämpfung?

Es gibt ganz pragmatische Themen, wie der öffentliche Verkehr. Wo bekomme ich ein Halbtax oder was kann ich mit einem Halbtax genau tun? Aber auch News aus der Heimat erscheinen in unserer Zeitung.

Sie sagen, die Zeitung richte sich auch an Schweizer. Warum soll ein Schweizer die «Deutsche Wochenzeitung» lesen?

Das ist eine philosophische Frage. Als Schweizer hat man täglich mit Deutschen zu tun: Im Tram, im Spital, im Gastgewerbe, Tag für Tag. Wenn wir uns für unsere Mitmenschen interessieren, gehören die Deutschen dazu.

Der grösste Teil der deutschen Gemeinschaft arbeitet und lebt in der Region Zürich. Inwiefern orientiert sich die «Deutsche Wochenzeitung» an Zürich?

Der regionale Bezug ist extrem wichtig. Ein Thema sind beispielsweise die VBZ-Chauffeure. Immer mehr kommen aus Deutschland. Ein wichtiges Thema für unsere Zeitung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz

Kommentare dazu:

Na Super, nun auch noch das! Können sich die Deutschen nicht irgendwo niederlassen, ohne sich sofort mittels eigenen Medien (ich erinnere an das „Inselradio“ auf Mallorca), eigenen Lokalen und eigenen Vereinen sofort breit zu machen? Kein Wunder, gibt es entsprechende Vorbehalte gegen diese Art von Kolonialisierung und v.a. gegen deren Protagonisten…………..

Je mehr Aufhebens und Worte über die sogenannten Unterschiede und Gepflogenheiten von Schweizern und Deutschen gemacht werden, um so schwieriger macht man die Integration. So eine Zeitung braucht es wirklich nicht!

Jaja, genau so hat es in Mallorca auch angefangen. Als Nächstes folgen eigene Radio- und Fernsehsender, Restaurants mit Jürgen Drews als Alleinunterhalter und Metzgereien mit echten Deutschen Fleischwaren (und nicht dieser Schweizer Kram). Und im nu wird die Schweiz nach Mallorca (Nr. 17) zum 18. Deutschen Bundesland. So weit sind wir davon gar nicht mehr entfernt.

Das hat uns ja gerade noch gefehlt! Unsere Zürcher Regierung sollte die deutsche Welle endlich stoppen.

Ja immerhin hätten sie dann eine anständige Zeitung, die in der Schweiz für die Deutschen gedruckt wird. Diese BILD-Zeitung, auf die die meisten schwören, ist doch ein Witz.

Wahrhaftig elementare Themen! Wieviele Bünde es wohl braucht, um alle Billetautomaten in und um Zürich zu erklären. Irgendwann sind dann auch alle deutschen Buschauffeure portraitiert. Schwamm drüber, ich mache mir deutsche Freunde, aber auch solche aus Österreich, Slowenien etc. gehören dazu. Das ist Integration.

Witzig auch dieser Auszug aus dem Tagi: «Wenn Qadhafi doch recht hat, würden wir die Schweiz vermissen?», titelt die «Los Angeles Times». Statt vor Schweizer Botschaften zu demonstrieren oder Ricola zu boykottieren, sei es vielleicht doch besser, die Schweiz auf die umliegenden Staaten aufzuteilen, schreibt ihr renommierter Kolumnist Lionel Beehner augenzwinkernd. Dass nun plötzlich alle so «Anti-Swiss» eingestellt sind, (in Amerika) wundert ihn nicht: Nach allem seien die Schweizer mit ihrer Ordentlichkeit und ihrem übertriebenen Hochhalten des Gesetzes ein echter Ablöscher. Sie starten keine Kriege, foltern keine Gefangenen und verschmutzen nicht den Planeten. Sie sind gesund und sehen gut aus. Sie sind wohlgesittet und mehrsprachig. Und sogar die Armeemesser sind viel cooler als die amerikanischen. «Warum also sollte man sie nicht hassen?»

Montag, 5.10.09, neun Tage

Wie dem auch sei, ich stelle fest, neun Tage vor der Prüfung, ich kenne mich in Zürich aus! Ich weiß auch ohne Stadtplan wie ich zu fahren habe, ich kenne Schleichwege, notorische Staustraßen, die zu meiden sind, weiß wie ich von einem Ende der Stadt ins andere komme.

Einer der glücklichsten Tage in meinem Leben war der Tag als ich endlich den Schein in Brighton in der Hand hatte, bald werde ich den von Zürich haben! Ich freu mich so sehr! Wenn ich nun bloß daran denke in Freiburg fahren zu müssen… was für eine Strafe! Für sechs Euro vom Hotel Stadtgarten zum Bahnhof, kotz!

Sonntag, 4.10.09

Zehn Tage bis zur Prüfung!

Fand ich witzig heute, die Meldung vom Letterman, der auf 2 Mio erpresst wurde, sonst würde verraten, dass er Sex mit einer Reihe von Mitarbeiterinnen von der Show hatte. Geht der her und macht das alles selber öffentlich und spart sich so 2 Mio!

Zebrastreifen, sowohl in Deutschland wie auch in England heißen immer anhalten, Fußgängerüberwege an den Ampeln sehen immer anders aus. Hier sind aber auch Fußgängerüberwege an den Ampeln mit Zebrastreifen, was heißt, mal anhalten, mal nicht. (Nervig) Was auch wiederum dazu führt, dass die Fußgänger sehr vorsichtig sind, keineswegs erwarten, dass die Autos auch wirklich halten wie in Deutschland, aber auch England.

Heute wieder drei Routen gemacht

Blick von Fluntern auf See

Samstag, 3.10.09

Aber ich bin wirklich jetzt sehr fit und kenne mich so gut aus, dass ich 100 % bestehe, es sei denn ich habe großes Pech, sagen wir mal so, man kann es eben sehr schlecht kalkulieren diese Sache, da auch sehr subjektiv. Na ja, aber ich fahre schließlich auch schon seit 25 Jahren immer mal wieder Taxi, da lernt man eben Auto zu fahren und sich zu orientieren.

Man merkt auch an den Ladenschlusszeiten, dass die Schweiz ein sehr konservatives Land ist, besonders wenn man aus England überall kleine und auch ganz große 7/24/365 Laden gewöhnt ist.

Polanski hat hier wirklich eine Riesendebatte ausgelöst, ganz klar, man ist natürlich über diesen gewagten Schritt ein wenig unsicher und gespalten. Spötter haben es hier auf den Punkt gebracht, in einem Satz, liefert der USA das Bankgeheimnis aus, nicht den Polanski. Polanski, sage ich, das kleine Bauernopfer auf dem Parkett der großen Politik, aber ich will ja nicht werten. Schließlich hätte er ja irgendwann einmal reinen Tisch machen könne und die Sache wär schon längst ausgestanden, anstatt immer nur davor zu fliehen, das kann man ihm in jedem Fall ankreiden.

Faszinierend finde ich, wenn im Radio Interviews laufen mit Deutschen, die hier im Land und arbeiten, Kulturschaffende oder profilierte Wissenschaftler. Niemand spricht dann Hochdeutsch mit ihnen, sondern ganz normal Schwyzerdütsch, aber umgekehrt traut sich auch keiner der Deutschen dann ein wenig Dialekt, sondern ganz korrekt und akzentuiertes Hochdeutsch, hört sich alles zum Schießen an. Ich habe mich aber sehr mit dem Schwyzerdütsch angefreundet, muss ich sagen, obwohl ich da meine Zweifel hatte am Anfang, finde es ausgesprochen sympathisch! Irgendwie „herzig“, halt. Umgekehrt wird aber Hochdeutsch geredet, wenn man mit den Romands (Westschweizern) spricht. Diese, oder zumindest, den ich gehört habe, sprechen kein Schwyzerdütsch. Ist das nicht alles zum Schießen? D’Schwiizer wiegern sich’s gäggäüber’d dominierede Dütsche Hochdütsch z’redde und die Romands weigern sich gegenüber den dominierenden Deutschschweizern Schweizerdeutsch zu reden. Ist diese Welt nicht fucking crazy?

Freitag, 2.10.09

Mein Zimmernachbar übt sich im Russisch sprechen mit seiner Familie über Skype, wie jeden Abend und den ganzen Abend! Und unsere Zimmer sind durch eine Türe verbunden… aber da gibt es doch noch Webradio, oder nicht? Ich natürlich, gleich SWR3 aus der Heimat… okay, demnächst nur noch Schweizer Sender… oder aber BBC2, natürlich, England ist ja jetzt auch alte Heimat für mich.

Heute bin ich vier Stunden mit dem Auto durch die Stadt gefahren, ohne Pause, am Anfang war ich schon nach zwei Stunden völlig platt! Nervig nur die „deutsche Invasion“ hier, die völlig verpeilt herum fährt… und über die ich, der Zürcher Taxichauffeur, sich dann aufregen kann (grins).

Polanski und kein Ende. Nach spontanen Sympathiebekundungen für ihn rudern nun alle zurück, betroffen über sich selbst. Ich halt mich da völlig raus, was da damals wirklich war, im Land der Bibeltreuen und dem gleichzeitig grösstem Pornohersteller der Welt, ich weiss es nicht. Witzig finde ich nur, dass hier wieder die Klischees einmal mehr funktionieren, Österreich, verlottert und eh bissel eh wurscht, wie eh und je und meine neue Heimat, ordentlich und sauber, wie eh! Irgendwie witzig, oder?

Einst der Rote Teppich, jetzt die Zelle: In Wien wurde Polanski empfangen, wohin er danach reiste, will in der österreichischen Hauptstadt niemand wissen. (Bild: Keystone/2006 in Warschau) Es war ein rauschendes Fest in den Arkaden des Wiener Rathauses. Politiker, Künstler und sehr viele B-Promis kamen am Abend des 16. September, um den grossen Roman Polanski zu bewundern. Der war an diesem Tag extra aus Paris nach Wien gekommen, um bei der Wiederaufnahme des nach seinem Film inszenierten Musicals «Tanz der Vampire» im Wiener Ronacher-Theater dabei zu sein. Danach tanzten die Vampire noch in die Morgenstunden. Polanski dürfte nicht ganz so lange dabei gewesen sein, denn er gab am nächsten Tag Interviews. Dass Polanski auf einer internationalen Fahndungsliste stand, war während seines Wiener Aufenthalts kein Thema. Zwischen Österreich und den USA gibt es zwar ein Auslieferungsabkommen, doch vor einer Verhaftung werde zuerst mit den «primär Betroffenen» Kontakt aufgenommen, erklärt Paul Hefelle, der Sprecher von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Wie alle anderen Länder hatte Österreich 2005 einen in den USA ausgestellten internationalen Haftbefehl gegen Polanski erhalten. Danach habe man Kontakt mit Polen und Frankreich aufgenommen, da der Regisseur beide Staatsbürgerschaften hat. Aus Polen kam die Antwort, dass der Fall verjährt sei. Bei Frankreich seien noch «Rückfragen offen geblieben». Wohin reiste er weiter? Als Polanski am 16. September in Wien landete, sah die österreichische Justiz deshalb keinen Anlass, einzuschreiten. Von amerikanischer Seite habe es keinen Kontakt zu österreichischen Behörden gegeben, sagt Hefelle. Die Österreicher wollen sich in diesem Fall auch nichts vorwerfen lassen: Polanski sei schliesslich jahrelang in ganz Europa herumgereist. Da stelle sich doch die Frage, warum er ausgerechnet jetzt verhaftet worden sei, wundert sich der Justizsprecher. Und er vermutet, dass die Amerikaner den Schweizern «weitere Unterlagen zukommen liessen». Wohin Polanski nach dem 17. September reiste, will in Wien niemand wissen. Das sei Privatsache des Künstlers, sagt eine Sprecherin der Vereinigten Bühnen. (Tages-Anzeiger)

Donnerstag, 1.10.09, 12 Tage

Nur noch 12 Tage! Nun hängt alles noch an meiner Gesundheit, hatte ein halbes Jahr keine Grippe mehr, aber sie geht gerade bös hier um und ich habe auch mit ihr zu kämpfen, obwohl ich heute wieder erfolgreich und lange mit dem Velo unterwegs war. On va voir, wie der Franzose sagt.

Mittwoch, 30.9.09, 13 Tage

Der russische Milliardär Viktor Vekselberg überlegt sich einen Wegzug aus dem Kanton Zürich. Grund dafür sei die dortige Abschaffung der Pauschalsteuer, sagte der Investor in einem Gespräch mit der «Handelszeitung» vom Mittwoch. (sda) «Wir prüfen derzeit mehrere Möglichkeiten», hielt Vekselberg fest, der seit 2004 im Kanton Zürich lebt und eine Pauschalsteuer entrichtet. Er denke jedoch nicht daran, die Schweiz zu verlassen, sagte der Investor, welcher den Industriekonzern OC Oerlikon kontrolliert und eine namhafte Beteiligung am Technologieunternehmen Sulzer hält. Die Stimmberechtigten des Kantons Zürich hatten im Februar entschieden, die Pauschalsteuer für reiche Ausländer abzuschaffen. Dies hatte eine Initiative der Alternativen Liste (AL) verlangt. Regierung und Parlament hatten die Vorlage abgelehnt

Beobachten und analysieren, so werde ich das in jedem Land machen! Dieses geniale Wetter zurzeit! Auch heute wieder Lernmarathon mit Testfahrt mit Chef und anschließend mit dem Velo. Ich habe wieder sehr trainierte Oberschenkel bei dieser ganzen Stramplerei.

Dienstag, 29.9.09

Heute erste Testfahrt mit dem Chef, sehr spannend! Er meinte aber, ich müsste es schaffen, aber ich muss mich jetzt richtig ranhalten!

Ein ist sicher, Skandale machen Auflage, das kleine Zürcher Film Festival hat nun seinen PR-Schub.

Calmy-Rey kritisiert Mangel an Feingefühl. (ap) Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat bei der Verhaftung des polnisch-französischen Starregisseurs Roman Polanski einen Mangel an Feingefühl eingeräumt. Die Einladung an ein Filmfestival, auf dem auch noch der Kulturminister sprechen solle, zur Verhaftung zu nutzen, sei als unsympathisch empfunden worden, sagte Calmy-Rey am Dienstag vor den Medien in Bern. Dabei verwies sie auf ihre Telefonate mit Regierungskollegen aus Frankreich und Polen, denen sie den Vorfall hatte erklären müssen. Ihr Departement sei nicht vorgängig über die Verhaftung Polanskis informiert gewesen, sagte die Aussenministerin auf eine entsprechende Frage. Sie hielt aber auch fest, dass die Verhaftung in juristischer Hinsicht korrekt gewesen sei. Und sie widersprach – wie schon Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf – heftig der Einschätzung, dass die Schweiz mit der Verhaftung einfach den USA einen Gefallen erwiesen habe.

Montag, 28.9.09, 15 Tage

Das Wetter war ja genial! Ebenso diese Skater da an der Landiwiese, hab ein bisschen zugeschaut, absolut akrobatisch was die da in der halfpipe angestellt haben, besonders wenn es sie, regelmässig, vom Board gewischt hat. Dann kurz Knochen sortieren und weiter!

Tja, was hat er denn getan, der Polanski, hat er Rosemarie ein Baby gemacht und die war erst 15, oder was? Na ja, kommt er doch nich‘ zum Festival, das Gezerre um sein mögliche Abschiebung dürfte meine derzeitige Heimat aber noch lange im Blickfeld der internationalen Medien halten. Internationale Fernsehteams vor dem Bezirksgericht? Da kann es sich doch nur um den Polanski handeln. Die Reaktionen hier reichen von, recht so, in der Schweiz kriegen auch renommierte Künstler keinen Kinderschänderfreibrief, bis zu, hier wurde sich der USA angedienert und die Schweiz hat erneut ihrem internationalem Ansehen geschadet. Je, nach wie das Delikt selber in den Augen des Betrachters gewertet wird, wohl.

Zurich Film Festival: „A Tribute to… Roman Polanski“ Abend findet trotz seiner Abwesenheit statt Pressemitteilung, 27. September 2009 – Die für heute Sonntagabend vorgesehene Preisverleihung an den Filmemacher Roman Polanski findet statt, auch wenn er persönlich nicht anwesend sein kann. Der zu den grössten Filmregisseuren unserer Zeit zählende Roman Polanski hätte heute in Zürich den Preis für sein Lebenswerk entgegennehmen sollen. Er ist jedoch gestern Samstag bei seiner Einreise in die Schweiz aufgrund eines Begehrens der US-Behörden im Zusammenhang mit einem Haftbefehl aus dem Jahre 1978 festgenommen worden. Die Leitung des Zurich Film Festival hat mit Bestürzung und grosser Betroffenheit von dieser Festnahme erfahren. Sie hat entschieden, die für heute Sonntag angesetzte grosse „Tribute to Roman Polanski“-Retrospektive mit ausgewählten Werken von Roman Polanski gemäss Programm durchzuführen.

Roman Polanski arrested in Switzerland over sex with underage girl. Roman Polanski, th Oscar-winning director, faces extradition to the US after being arrested in Zurich on a 31-year-old arrest warrant for having sex with an under-age girl.

Roman Polanski has been arrested in Switzerland Photo: AP He was in the Swiss City for the Zurich Film Festival and dü to receive an award on Sunday. But detectives took the 76-year-old into custody after raiding his hotel.

The Swiss justice ministry said on Sunday that Mr Polanski was being held under a 2005 international alert issued by the US government related to a 1978 arrest warrant. He will not be sent to the US until extradition proceedings were complete, the ministry added. He can contest his detention and any extradition decision in the Swiss courts. Polanski was arrested in the late 1970s and charged with giving drugs and alcohol to a 13-year-old girl and having unlawful sex with her at Jack Nicholson’s Hollywood home. He maintained that the girl was sexually experienced and had consented. Polanski pleaded guilty to having unlawful sexual intercourse with a minor and spent 42 days in prison undergoing psychiatric tests. He fled the country in 1978 before being sentenced. Two months ago Polanski asked a California appeals court to overturn a judge’s refusal to consider his request to throw out a 1977 case in which he pleaded guilty to having sex with a 13-year-old girl. Judge Peter Espinoza agreed there was misconduct by the judge in the original case, but said Mr Polanski must return to the US to apply for dismissal. The victim at the centre of the case, Samantha Geimer, has previously asked for the charges to be dropped, saying the continued publication of details „causes harm to me, my husband and children“. Polanski, who now lives permanently in Paris, is considered an international fugitive. His Oscar for directing the 2002 The Pianist was collected by Harrison Ford, who had previously starred in his 1988 thriller, Frantic. A statement from the organisers of the film festival stated: “Roman Polanski, one of the greatest film directors of our time, would have received an award for his life’s achievement at the Zurich Film Festival. France’s culture minister says he is “dumbfounded“ by the arrest. of the director, who is a french citizen. Frederic Mitterrand said he “strongly regrets that a new ordeal is being inflicted on someone who has already experienced so many of them”.

Samstag, 26.9.09, 17 Tage

Ab heute Freitagabend sind auf der Zürcher Landiwiese wieder die Skater, Snowboarder und Motocross-Fahrer bei ihren waghalsigen Sprüngen zu bewundern. Der «grösste Freestyle-Event Europas» wird Zehntausende von Besuchern anlocken.

Bei mir ist nicht so viel los. War in der City Objekte abfahren (Schlitten sieht man da, Schlitten, Schlitten…, die Bahnhofstrasse ist die siebteuerste Einkaufstraße der Welt…)

Freitag, 25.9.09, 18 Tage

Der Chef schaut meine Webseite an, ouuh! Hoffentlich ist sie ihm nicht zu kritisch. Aber er kann mich ja sponsern, dann schreib ich alles was er will… Ich habe ihm ja gesagt, wir können vielleicht zusammen was aufziehen.

Donnerstag, 24.9.09, 19 Tage

Gehöre jetzt dem Club der Zürcher Chaosradfahrer an, die todesver- und sämtliche Verkehrsregeln missachtend sich durch den Verkehr schlängeln, vom Hubertus bis an die Sihl ohne Halt, in nur 5 Minuten!

Der Zürisee ist schon eiskalt, eine Frau fragte mich ein wenig neckisch ob es denn kalt sei, als ich so in der nassen Unterhose vor ihr stand – „die Gletscher der Berner Alpen, sie schmelzen“, sagte ich theatralisch. Letztlich kommt deren Wasser aber eben in den See hier, das sind keine angenehmen Freiburger Baggerseetemperaturen!

Fahre ich anschließend am Bellevue am Zürich Film Festival vorbei, da krieg ich richtig Hollywood-feeling, eine Schlange bis auf die Straße, Kameras, kommt den George Clooney (der zwar nicht so schön, aber genauso alt ist wie ich, übrigens…), aber heute ist „nur“ eine Schweizer und eine deutschsprachige Premiere.

Die dreifach Oscar®-nominierte Schauspielerin Debra Winger wird die fünfköpfige Jury des Internationalen Spielfilmwettbewerbs präsidieren Na, den Namen kennt man doch

Der weltweite Durchbruch gelang Michael Keaton mit der Verkörperung des Batman/Bruce Wayne in Tim Burtons Comic-Verfilmung und Kassenschlager Batman (1989). In einer völlig neuen Rolle, nämlich als Regisseur, kommt der für den Golden Globe nominierte US-amerikanische Schauspieler am Donnerstag, den 1. Oktober 2009 nach Zürich. An diesem Abend zeigt er um 21 Uhr im corso 1 im Rahmen des 5. Zurich Film Festival sein Regie-Debut The Merry Gentleman (2008). In welchem Film hat Michael Keaton nicht mitgemacht?

Morgan Freemans Talent und seine Vielseitigkeit finden Anerkennung, wo immer der Schauspieler auf der Leinwand zu sehen ist. Vier Mal war er für den Oscar® nominiert, 2005 erhielt er die Auszeichnung für Million Dollar Baby. Das Zurich Film Festival ehrt ihn an der Closing Night am Samstag, den 3. Oktober 2009 mit dem Golden Icon Award, den er persönlich entgegennehmen wird. Absolut fantastische Ausstrahlung der Mann, mir am Besten bekannt aus Seven, deep Impact, bruce almighty…

Roman Polanski gilt als einer der unkonventionellsten Filmemacher unserer Zeit und erhält in Zürich das „Goldene Auge“ für sein Regie-Lebenswerk. Er wird am Sonntag, den 27. September 2009 in der „A Tribute to…“-Reihe des Zurich Film Festival für sein filmisches Schaffen geehrt und den Preis persönlich entgegennehmen. Polanski, na, wer den nicht kennt!

Mittwoch, 23.9.09, 20 Tage

Der Kleinen geht es gut, sie kann die Großen sogar wieder in den Hintern zwicken, keine Spur von Blut mehr.

Zürich, die Stadt der kleinen Tankstellen! Während es in D. nur noch große Tankhöfe gibt, haben sich hier viele kleine 2-Säulen-Zapfen gehalten!

Habe erfahren, dass eine Waschmaschine und Trockner im Haus ist und war heute auf dem Uetliberg, der Horden von Mountainbikern anzieht, (da er einen richtig geilen Trail hat), habe eine richtig schöne Wanderung gemacht und dann am Abend noch meinen Hasen auf dem Balkon hoppeln zuschauen können, sie fühlen sich inzwischen wieder richtig wohl und sind alle gesund. Bin heute wieder so richtig glücklich wie ich in England 14 von den 17 Monaten war, am richtigen Ort zu sein und das Richtige zu tun.

Nur fünf Kilometer vom Stadtkern entfernt wird es recht ländlich in Zürich, hier Albisrieden.

Der See ist schon zu sehen

Ganz oben, der Blick auf den Nordwesten Zürichs

Schweizer Rechtschreibung

Dienstag, 22.9.09, 21 Tage

Wenn man bei Google Austria den Begriff „hartherziges Luder“ eingibt, so gibt es einen Verweis auf meine Seite. So was! Woher kenne ich denn ein hartherziges Luder oder schreibe gar über sie? (Grins)

Aus der Neuen Zürcher Zeitung: Swetlana Medwedewa hat am Dienstagnachmittag in Zürich gemeinsam mit Roswitha Merz Seide eingekauft und eine russisch-orthodoxe Kirche besucht. Die russische Präsidentengattin Swetlana Medwedewa hat zusammen mit Roswitha Merz, der Ehefrau des Schweizer Bundespräsidenten, in Zürich eine Einkaufstour unternommen. Ein Sprecher der Stadtpolizei Zürich bestätigte am Dienstagnachmittag entsprechende Medienberichte. Die Polizei habe mehrere Tage im Voraus von dem Besuch der russischen First Lady gewusst, erklärt der Sprecher weiter. Man sei gut vorbereitet gewesen und aus polizeilicher Sicht sei alles perfekt abgelaufen. Die beiden Präsidentengattinnen kamen am späten Vormittag in Zürich an. Während ihre Männer die Schöllenenschlucht und das Bundesbriefarchiv in Schwyz besuchten, besichtigen die beiden Frauen unter anderem die russisch-orthodoxe Kirche an der Narzissenstrasse im Kreis 6 und kauften später beim Seidenspezialisten «Fabric Frontline» in Zürich 4 ein. Während des Besuch in dem Geschäft wurde die Ankerstrasse vorübergehend gesperrt. Medwedewa verliess Zürich am Nachmittag gemeinsam mit ihrem Mann Richtung New York. Wo ich den ganzen Tross dann auf der Winterthurerstrasse gesehen habe, wie er Richtung Flughafen unterwegs war, vorneweg zwei Motorräder, dann die dicken Limos und die Polizeinachhut. Ja, für die Reichen und Schönen hat Zürich immer was zu bieten, arme Arbeitsemigranten aus Deutschland dürfen erst mal Zaungast spielen – und sie später dann vielleicht mal umherkutschieren. Müssen Volksvertreter sich eigentlich immer wie die Bonzen aufführen? Aber wenn ich erst anfange den ganzen Edelkonsum hier zu kritisieren, werde ich so schnell nicht fertig.

Montag, 21.9.09 22 Tage.

Vielleicht doch gut, dass ich kein Arzt geworden bin, es wird wohl doch eine Blasenentzündung sein bei der Kleinen, wie die Tierarzthelferin meinte. Ich beobachte es weiter, vielleicht geht es von alleine weg.

Diese Ordnungsfanatiker hier! Mit den Einbahnstraßen ist es eine Manie hier, sobald eine Straße ein klein wenig schmal ist, ist sie Einbahn. Es gibt kaum durchgehende Straßen in Zürich, fast überall sind Einbahnsegmente dazwischen. In Brighton, „oh, what ever“ hat man sich das alles von selber regeln lassen, die schmalsten Straßen, eine Handlänge Abstand zwischen den Spiegeln geparkter Autos durch und für beide Seiten offen, wenn da Autos entgegen kamen, musste man eben schauen wie man durchkommt, aber diese Deutsch-Schweizer… deutscher noch als die Deutschen! Glücklicherweise gibt es Googlemap, da sind sie wenigstens verzeichnet. Mache mich gerade mit Streetview vertraut, wow! In ein paar Jahren wird ein Taxischüler virtuell durch die Stadt fahren können!

Börsenstrasse

Sonntag, 20.9.09

Der Countdown läuft, noch 23 Tage bis zur „Priefig“ (Prüfung)!

Der Kanton Zürich hat eine Million Bewohner, wenn ich die Zahl richtig habe, gehört somit zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt, mit einem Ausländeranteil von 22,5 %. Zürich Stadt, schätze ich mal auf 40 %, jedes zwanzigste Auto hier hat deutsches Kennzeichen, das häufigste einzelne Kennzeichen, wie sollte es anders sein, Mainhattan, ansonsten sehr viele Waldshuter und Bodenseerer. Heute nach vier Wochen sehe ich den ersten Freiburger!

Ja, ich habe es ja gesehen, bei meinen Kaninchen war ich bei jeder Geburt dabei, insgesamt viermal! Zuerst kommen die Junge, dann kommt die Nachgeburt, die Plazenta, welche von Kaninchen komplett wieder aufgefressen wird, bei einer Fruchtbarkeit von ein Wurf alle sechs Wochen eine schiere Lebensnotwendigkeit. Danach dauert es ein bisschen bis sich die Wunde im Uterus schließt, dabei kommt immer noch eine kleine Lache Blut nach, auch die wird aufgeleckt. Und bei meinem Vieh sah das aus wie eine Monatsblutung, an- und abschwellend, nur das sie ein bisschen viel Blut dabei verloren hat, Menschen-umgerechnet 1 Liter! Außerdem habe ich noch nie eine Monatsblutung mitbekommen bei meinen Viechern, sicher war das eine Art Scheinschwangerschaft, einhergehend mit der Menopause, sie ist ja jetzt schon knapp 8 Jahre. Aber es geht ihr gut, jetzt!

Jaja, fahr ich eine bisschen mit dem Fahrrad an den See, mit ein bisschen Klettern vorher, mache Sightseeing und schaue mir dabei zwei, drei Straßen an und nenne das der ARGE gegenüber dann intensive Vorbereitung auf den Taxischein. Ansonsten verprasse ich das geliehene Geld mit vollen Händen, ich weiß ja wo noch welches zu holen ist, schreib weiter an meinem 500-Seiten-Gejammere, warum sich Schnufftier einfach nicht meine Belästigungen hat gefallen lassen, tu ein bisschen weiter an meinen selbstgemachten Hasenproblemen leiden und beklage meinem Blog gegenüber, warum Zürich nicht gleich den roten Teppich für mich ausgerollt hat, sondern es zwei drei Problemchen doch zu lösen gibt. Und tu dabei so, als hätte ich Anspruch auf eine ruhige 3-Zimmer Wohnung mit Seeblick, in einer Stadt mit Wohnungsnot und hohen Mieten, anstatt darüber zufrieden zu sein, eine Bleibe organisiert zu bekommen, die eben nun mal Kreuzungsblick hat, sieht man doch auch nur Autos den ganzen Tag als Taxifahrer! Und immer nur Jammern und Schnorren! Tja, so einfach ist das sich in die Gedankenwelt meines fiesen Halbruders zu versetzen, alles was ich mache einfach nur negativ sehen! Aber warte nur, ich weiß, noch bin ich angreifbar, aber warte nur, balde….!

Fraumünsterkirche, im Hintergrund Grossmünster (Hier habe ich ein bisschen Straßenbahndrähte weggebastelt)

Samstag, 19.9.09

Wieder Probleme mit einem Hasen. Sie blutete seit 3 Tagen, wie als ob sie eine Fehlgeburt hatte, gestern war es eine richtige Lache! Sie schleckte es auf, wie es Hasen mit der Nachgeburt tun. Schaute nach Tierarzt gestern, aber der hatte keine Zeit, deshalb ließ ich es darauf ankommen. Heute scheint sie aber okay. Vielleicht weil sie jetzt in die Wechseljahre kommt? Man schaffe sich keine Tiere an, sie machen nur Sorgen und verlassen tun sie einen ohnehin wieder. Lieber Kinder!

Die engen Gassen der Altstadt

Freitag, 18.9.09

Na, wie habe ich das gemacht, man kriegt in der Schweiz Ratenzahlung erst, wenn man drei Jahre im Land war, (2010: gilt nicht überall) aber einen Mobilinternetvertrag mit 600-Franken-Gerät-dazugeliefert, wenn man nur seinen B-Ausweis zeigt. So habe ich das gemacht und habe endlich mobile Internetflat und ein Klein-Notebook mit dem ich dann vom Taxi aus live posten kann! Nun kann ich mich auch dran machen, meine beiden Seiten tiptop zu halten!

Heute bin ich schon genau einen Monat hier! Und habe erst jetzt gecheckt, dass die kleinste Münze hier das fünf Rappenstück ist und man dementsprechend auf- oder abrundet!

Donnerstag, 17.9.09

Ich habe ein Rad für 80 Stutz erworben, eine „Occasion“ wie der Schweizer sagt und radle damit durch Züri. Leider regnet es.

Mittwoch, 16.9.09

Niemals in meinen Leben habe ich eine Stadt erlebt, wo gerade so viel Straßenbau betrieben wird wie in Zürich! Und das macht die Prüfung nicht einfacher. Und fällt eine Ampel hier aus, so schwärmt die “Securitas” aus und es wird sofort der Verkehr geregelt! Nicht so wie in England, “oh, what ever!”

Wo ich heute alles war, Schweizer Fernsehen, (da konnte ich schon mal kucken, wo ich dann hin muss, zum Interview), dann zum Flughafen, dann zum Schweizer Radiostudio… man könnte meine, man ist in einer Großstadt hier.

Wenn ich hier Auto fahre, habe ich immer das Radio laufen, letztendlich um auch mein Hörverständnis des Schwyzerdütschen zu verbessern, (witzig, es heißt hier offiziell immer “d’r Didier Burkhalter hätt gsait…”, anstatt Frau Merkel sagte, oder wie (Angela) Merkel sagte…, das hat so einen schön heimeligen Touch) da in Zürich nicht allzu viel davon gesprochen wird, bei dem ganzen multilingualen Gesnacke hier, das einem schon mal auf den Keks gehen kann, insbesondere wenn mit voller Lautstärke vorgetragen. Ich kriege live im Radio die Schweizer Bundesratswahl mit und bekomme einen Einblick in die Facetten der Mehrsprachigkeit in diesem Land, die man eigentlich nur nachvollziehen kann, wenn man hier lebt. Die Schweiz, die ja nicht in der EU ist, ist dennoch europäischer als viele, ja, vielleicht die meisten anderen Länder! Werden die Stimmen bekanntgegeben, so geschieht das zweisprachig und natürlich, die Deutschschweizer dominieren das Land und das geht nicht ohne Probleme ab, so hat der unterlegene Westschweizer Kandidat das Ergebnis in fließendem Deutsch kommentiert, doch die allermeisten Deutschschweizer können kein Französisch, geschweige denn das, was man im Tessin spricht, nämlich Italienisch.

Bei uns im Büro hängt ein Brief von einer Genfer Taxifirma, mit der wir hier wohl kooperieren und der das korrekte Ausfüllen von Kreditfahrtenformularen anmahnt und er ist ganz auf Französisch! Ich bekomme auch einen kleine Vorausschau, was wird, wenn ich dann nach Genf übersiedele, in die französischsprachige Schweiz, es wird schon so ein kleines Stück innerschweizerische Einheit sein, die ich, ein “Dütscher” vorleben wird!

In Zürich ist immer etwas geboten. Ob es nun das traditionelle “Knabenschiessen” ist, bei dem ein 16-jähriger einen historischen Sieg errungen hat, indem er seinen Titel dieses Jahr verteidigen konnte oder die Wohnungsnot (zwar wurde und wird sehr viel gebaut hier, aber Wohnungen sind in der Schweiz generell knapp), mehr oder weniger hemmungslos schluchzende Frauen in der Straßenbahn, Damen vom Gewerbe die einem in der Zwinglistrasse etwas zuraunen oder die Wanderaustellung “walking with dinosaurs”. (Und überall stinkt´s nach Enten, zumindest in Seenähe!) Gestern war das Championsleaguespiel FCZ gegen Real Madrid und die Tage beginnt das Züricher Film Festival. Und den ganzen Winter über läuft Gunter Von Hagens “Leichenshow”. Er fühle sich in der Schweiz sehr wohl, nirgendwo wie in Deutschland würde er so angegriffen. Dabei will er doch nur den Menschen die Anatomie rüberbringen. Und na ja, ne Ecke verdienen halt, eins muss man ihm lassen, der Mann kann sich verkaufen. Nun, ob er nun der Hut tragende Aufklärer ist, der sich über den Standesdünkel der Medizinerzunft hinwegsetzt, die sagen, der präparierte menschliche Körper ist nichts für den Laien, der versteht davon nichts und will sich nur Leichen reinziehen (wobei man sagen muss, wir haben im Präparierkurs nicht so sauber präpariert wie er das machen lässt, da wurde schon mal rumgeschnitzt, einfach auch aus Zeitgründen und wir waren auch junge Menschen, die schon mal dumme Witze gerissen und miteinander geflirtet haben, keineswegs die ganze Zeit konzentriert bei der Wissenschaft), oder aber der Schausteller, der sich nicht zu schade ist Leichen beim Liebesakt zu zeigen, wer weiß das letztendlich. Doch ich habe damals jemanden, einen “Laien”, in den Präpariersaal eingeschmuggelt, obwohl das streng verboten war und ich stehe dazu. Menschen, die sich der Anatomie vermachen wollen auch, dass man die Anatomie lernen und begreifen kann anhand ihres Körpers und das sollte nicht nur einer kleinen Kaste erlaubt sein, die sich ihre Privilegien sichert.

Montag, 14.9.09

Schlecht sind die Internetcafés hier. Teuer und veraltete Technik. Gut die Parkuhren, wo man die Nummer am Apparat eingeben kann und nicht mehr ins Auto zurück muss.

Donnerstag, 10.9.09

Es geht mir sehr gut, ich habe eine Boulder(kletter)anlage gefunden, die frei ist (auf Spielplatz) und war da fleißig und anschließend kann man sich im Zürisee sehr schön abkühlen.

Im Hintergrund das Ziffernblatt der St. Peterkirche, das „größte Ziffernblatt Europas“

Mittwoch, 9.9.09

Das schöne Wetter hält an. Mir geht es auch entschieden besser, das Geld ist auf dem Konto, die Hasen haben sich jetzt mit der Situation arrangiert. Nachts habe ich sie auf dem Balkon und tags nehme ich sie ins Zimmer, lasse sie zweimal auf dem Balkon laufen und es geht ihnen sichtlich gut. Ich kann nachts das Fenster zu machen und es alles viel erträglicher als am Anfang.

Wenn man so am Sonntag durch die City latscht, so fallen einem die vielen Sportwagen und Luxusmotorräder auf, die hier rumkurven, ich glaube es gibt hier mehr Porsches als in Stuttgart, definitiv aber mehr Ferraris.

Ein blondes, wahnsinnig süßes Schweizer Mädel, so im zarten Heidialter, zeigt ihrer Mutter einen Popel aus der Nase und ein Basler Sonntagsfahrer wendet seinen (P)Opel Vectra eiskalt direkt im Hof unter den Augen des Portiers, des Fünf-Sterne-Hotels Baur au Lac. Nicht dass er kurz in die Einfahrt rein wäre, drehen und weg, nein, er fährt zuerst richtig vor und wendet im Hof, so dass sich der Portier wundern kann über dieses seltsame Arme-Leute-Vehikel.

Zürichsee

Dienstag, 8.9.09

Vielen Dank der ARGE Freiburg, die Finanzierung ist nun gesichert.

Bin weiter sehr fleißig und laufe Straßen ab. 5 Wochen hört sich viel an, aber Zürichs Einbahnstraßen, Baustellen und Abbiegeverbote – und nichts davon ist auf dem Stadtplan eingetragen.

Nach dem Lernen zweier ausländischer Städte kann ich sagen, dass diese nicht zu groß sein dürfen, eine klare Absage an die Idee die Hauptstädte zu machen. Was wiederum der Idee Auftrieb gibt eben noch mehr Länder zu machen. Warum soll ich mit Spanien aufhören, nur weil mir damit die Sprachen ausgehen? Mit einer einfachen Idee in die Geschichte eingehen, was hindert mich denn daran alle Länder Europas zu versuchen?

2017: die feministische Justiz hinderte mich daran

In Zürich alles „on the money“. Ist natürlich doppeldeutig, soll aber heißen „alles in Butter“. Dennoch, habe ich bisher nur die Schattenseiten hier gesehen, die vielen Sportwagen Zürichs sollten wirklich mal zum Phontest. Dennoch, wiederum, es geht aufwärts.

Zürichsee

Über Jochen Lembke

Europe's cab-driving writer
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